Die Anfänge des Spiegels
Das Magazin “Der Spiegel” ist ja nun schon eine Weile auf dem deutschen Markt und hat sich schon vor Jahrzehnten als politisches Wochenmagazin etabliert, zum Ärger der Auflagen der anderen, wie z.B. dem Focus oder dem Stern. In der Presselandschaft redet man vom Spiegel als das “Leitmedium”, so groß sei der Einfluss des Magazins.
Auch ich habe mir öfter mal den Spiegel gekauft und ihn auch mal als Probe-Studenten/Schülerabo gehabt. Seit einigen Wochen lese ich nun die “Zeit”, ein anderes bedeutendes Wochenblatt, ebenfalls wie der Spiegel aus Hamburg. Mit der Zeit fällt einem auf, dass die Zeit, die ja in Zeitungsform auf übergroßem Papier gedruckt wird, irgendwie anspruchsvoller ist. So eine Art “Spiegel” in Zeitungsform für die Intellektuellen?
Worauf ich eigentlich hinaus will, möchte ich an ein paar Beispielen aufzeigen: Man nehme eine beliebige Ausgabe des “Spiegels” der letzten Jahre (ich habe Nr. 33 / 2008 mit dem Titel “Macht das Internet doof?”) und lese sich von jedem Artikel den ersten Absatz durch:
Seite 24 “Hessisch Roulette”:
Es war ein Versuch, ein vorerst letzter, angestrengter Versuch, und er ist schief gegangen. Kurt Beck konnte sich nicht durchsetzen. Mal wieder nicht. Dabei hatte sich der SPD-Chef redlich bemüht am vergangenen Donnerstagnachmittag bei seinem vertraulichen Treffen mit der hessischen Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti in Mainz. [...]
Seite 28 “Heiteres Beruferaten”:
Mindestens einen Fürsprecher hat Gesine Schwan bei den Linken noch. Vor kurzem saß Parteichef Lothar Bisky mit der SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten in Frankfurt (Oder) bei einer Podiumsdiskussion und war ganz angetan von der Frau Professorin. Beim Hinausgehen entfuhr ihm ein Satz, dessen prophetischer Wert sich jetzt erst erweist. Er hoffe, murmelte der Chef, dass nun in seiner Partei niemand auf dumme Gedanken komme.
Seite 33 “Kleine Welt”:
Wenn Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, 63, ins Büro geht, führt sein Weg an der Vergangenheit vorbei. Große Fotografien seiner Amtsvorgänger schmücken das Eingangsfoyer des Dienstsitzes an der Berliner Scharnhorststraße; 13 würdevoll blickende Herren in Schwarzweiß und Sepia [...]
Seite 54: “Die Grenzen des Anstands”:
Muhammad Yunus gehört zu den Guten. Er steht in einer Reihe mit Nelson Mandela, Martin Luthner Kind, Mutter Teresa. Wie sie erhält er den Friedensnobelpreis, wie sie glaubt er an die Reformierbarkeit des Menschen. [...]
Seite 59: “Der Deutschland-Test”
Özhan K. sitzt vor seinen Richtern. Er kennt das schon. Es ist nicht das erste Mal. Vor gut drei Jahren saß er in einem ähnlichen Raum, vor ihm fünf Richter, ihnen zur Seite der Staatsanwalt. Er verlas das Verbrechen im nüchternen Jargon der Juristen. [...]
Irgendwo klingt das alles gleich. Es fängt an mit einem einfachen Satz “Person x macht irgendwas” oder “Wenn Person x morgens in sein Büro geht…” Das kann man eigentlich mit jeder beliebigen “Spiegel”-Ausgabe tun. Man wird leider kaum etwas anderes finden, vor allem nicht im Politik-Teil am Anfang. Ist irgendwie schade, aber es scheint der Stil dieses “Leitmediums” zu sein. Mittlerweile verstehe ich auch meine Tante, die über den Spiegel meinte: “Den kriegt man doch in ner halben Stunde durch”. Wenn man sich den Spiegel anguckt, stimmt das irgendwo.
Das ist wiederum das Schöne an der “Zeit”. Wie der Titel schon erkennen lässt, braucht man seine Zeit, um durch die “Zeit” zu kommen. Man fühlt sich immer etwas schuldig, wenn man es nicht einmal geschafft hat, durch die wichtigsten Teile (Politik, Dossier, Wirtschaft, teilweise Wissen) zu kommen. Das sagen auch andere befreundete Leser (“Die Zeit ist das Geld wert, wenn ich die ersten vier Teile komme”). Feuilleton und Literatur gucke ich meist nur in der Inhaltsliste nach, “Chancen” ist eigentlich nicht viel, das meiste sind ja Stelleninserate für Professuren. Eigentlich müsste man das schaffen. Nun ja, ich hoffe, ich schaffe das jetzt in meiner schulfreien, jedoch nicht prüfungsfreien Zeit









Anton (20), bald Student in Mittweida und leidenschaftlicher Filmemacher, (derzeit unserer Fahne entflohen unter antonschubert.de), Peter (20), Mensch im Übergangsjahr und leidenschaftlicher Textmacher und Marcus (19), Kompositionsstudent und leidenschaftlicher Musikmacher, sind die Autoren dieses kleinen Blogs. Wir schreiben über alles, was uns interessiert, oder wovon wir denken, dass es euch interessieren könnte. Jeder ist herzlich eingeladen, nach Herzenslust zu kommentieren und/oder Beiträge anderer Art zu leisten. Wir freuen uns!
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