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Artikel Tagged ‘Musik’

Die Befreiung

27. Januar 2011

Heute war ein wundervoller Tag. Ich habe meinen Bleistift befreit. Einfach so. Monate war er gefangen, ich bin sein Retter. Welch ein Glück! Ob sich unsere persönliche Beziehung dadurch maßgeblich geändert hat, kann ich nicht sagen. Aber ich bin froh. Und er lebt in Freiheit, im Einflussbereich des Tageslichts.

Was ist passiert?

So ein Flügel (wir reden von einem Musikinstrument, es soll hier nicht um Vogelkunde gehen) ist ein wahrlich perfekt konstruiertes Ding, nur hat es einen winzigen Haken: Die unter Kennern berühmt-berüchtigte Bleistiftfalle. Das muss so ein Konzept im Klavierbau sein, das schon sehr früh erdacht und eingebaut wurde; wahrscheinlich schon, bevor sich jemand die Saitenaufhängung genau überlegt hat, dachte der geniale Mensch an die Bleistiftfalle.

Wenn man nämlich den Klavierdeckel eines Flügels, das ist das Stück Holz, das in heruntergeklapptem Zustand die schwarz-weiße Tastatur vollständig bedeckt und so zum Beispiel vor Staubeindringung schützt, herunter oder hoch klappt, tut sich auf halbem Wege ein Zwischenraum zwischen Klavierdeckel und senkrechter Wand hinter der Tastatur auf. Dieser Zwischenraum ist nun etwa 3 cm breit. Genau so also, dass ein kleiner, schlanker Druckbleistift gut hindurch passt.

Nun passiert es dem armen Klavierschüler, der sich natürlich beflissentlich Fingersätze in die Noten einträgt, ab und an, dass ihm der Bleistift vor Aufregung über den gerade gefundenen brillanten Fingersatz aus der Hand fällt – und in 80% aller Fälle fällt der natürlich geradewegs in die erwähnte Spalte.

Ich hatte Glück, lange lange Zeit: Mir ist dieses Malheur in den letzten 6 Jahren, seit ich diesen Flügel habe, anno 2010 zum ersten und letzten Mal widerfahren.

Es war so weit: Eines schönen Augenblicks im letzten Jahr wurde ich jäh aus meinem Alltag gerissen, als mein geliebter Bleistift sich in die Spalte verabschiedete. Was nun? Normalerweise ist das kein Problem, da man bei vielen Flügeln den Klavierdeckel einfach nach oben herausziehen kann und Zugriff auf dahinter verborgene Schätze erhält. Bei meinem Modell jedoch hat sich der geniale Konstrukteur entschieden, eine weitere Hürde einzubauen: Der Klavierdeckel ist vor Herausziehen durch Verschraubung geschützt. Und die Schraube ist so klein, dass man sie unmöglich mit einem herkömmlichen Schraubenzieher hinauszuziehen vermag.

Es denkt vielleicht mancher, Junge, wo liegt das Problem, dann nimmst du dir einen anderen Bleistift, die Welt ist in Ordnung, spiel weiter… Nun – das dachte ich auch. Ersatzbleistift geholt und das Glück war fast vollkommen. Ich spielte und spielte, als wäre der Bleistift nie auf dem Pult gelegen und auch nie in die Falle gefallen.

Dieses Jahr jedoch, nach monatelanger Gefangenschaft, entschied er, sich bemerkbar zu machen. Da der Stift auf der Verlängerung der Tasten (in den Flügel hinein) lag, unterlag er kleinen Bewegungen und Höhenunterschieden, erzeugt durch die Bewegung der Tasten. So langsam schienen die wiederholten Impulse den Bleistift ein Stück nach vorne bewegt zu haben. Die ganze Zeit schon konnte man den Stift durch die Spalte hindurch sehen, ihn aber mit der Hand nicht erreichen, da man damit Hand und Handgelenk kaum hindurch passte und die Spalte in einem äußerst ungünstigen Winkel lag. Jetzt lag der Bleistift eben noch ein wenig weiter vorne. Das hatte auch zur Folge, dass er neuerdings Nebengeräusche beim Spielen erzeugte – so ein kleines, aber doch kontinuierlich nervendes Klappern entstand.

Heute fiel deshalb der Entschluss: Der Bleistift muss raus, koste es, was es wolle!

Dünnen Schraubenzieher organisiert, Schrauben unter größten Anstrengungen gezogen, Bleistift freigelegt, oder besser: extrahiert! Das Bild als Zeugnis meines Triumphes:

Bleistift-Befreiung

Dieses Triumphgefühl war unbeschreiblich, wie sich mancher vorstellen kann. Nach Monaten ist er nun wieder da. So ein Bleistift ist ja nicht nur ein Bleistift, sondern gleichzeitig Symbol für gefühlt unendlich viele Eintragungen in tausende Noten. Wahnsinn. Was der Welt womöglich abhanden gekommen wäre, hätte der Ärmste weiter da drinnen geschmort – was zum Glück aber abgewendet ward.

Ihr seht: Es bringt einen an die Grenzen. Aber es lohnt sich… :)

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Wenn das Publikum im Konzert einschläft, …

7. Oktober 2010

… muss das nicht die Schuld des Publikums sein. Auch nicht die des Komponisten.

Oft sind nämlich die Interpreten schuld! :)

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Eine andere Perspektive…

20. Oktober 2009

… bot mir in den vergangenen Stunden und Tagen nicht nur der Besuch der Donaueschinger Musiktage (ein international bekanntes und recht angesehenes Festival für Neue Musik), sondern auch dieser Artikel, den ich eben zufällig fand:

Kontra: Wir müssen unser Klima nicht retten

Nun, mich interessiert jetzt eure Meinung dazu!

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Mysteriös!

23. September 2009

Nun, von Orten, die nicht gefunden werden können, außer von denen, die schon wissen, wo diese Orte sich befinden, hat der geneigte Leser sicherlich schon gehört. So auch ich. Doch – dass sich so etwas in der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” findet, war mir bisher nicht bekannt.

In der Hochschule war ich nämlich heute, und im Treppenhaus der 3. Etage begegnete mir folgendes Plakat:

Wegweiser zum Studiengang Dirigieren

Wegweiser zum Studiengang Dirigieren

Der interessierte Student begibt sich nun also in die 4. Etage, um den Raum No. 455 auf dem Etagenplan zu finden.

Etagenplan in der 4. Etage der HfM "Hanns Eisler"

Wenn sich nun jemand denkt – “mysteriös!” - dann kann ich versichern: Das war auch mein erster Gedanke. Ich stand ein paar Minuten vor diesem Plan und suchte R. 455, bis ich schließlich verzweifelt aufgab.

Sollte jemand den R. 455 auf diesem Plan finden, möge er mir dies bitte mitteilen, zum Beispiel in Kommentarform… Dankeschön!

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Neues vom Gendarmenmarkt

9. Juli 2009

In den letzten Wochen hatten wir als Studenten der HfM “Hanns Eisler” ja Vorlesungen draußen auf dem Gendarmenmarkt unter freiem Himmel, aber mangels guten Wetters wurden die Sitzgelegenheiten heute leider wieder abgebaut… ;)

Gendarmenmarkt

PS: Das war natürlich das Classic Open Air, das jährlich auf dem Gendarmenmarkt stattfindet :)
PPS: Sorry für die schlechte Qualität – Handy…
PPPS: Falls jetzt jemand denkt, er hätte mit dem Classic Open Air was verpasst – den kann ich beruhigen, dem ist höchstwahrscheinlich nicht so. Jedenfalls fand ich’s letztes Jahr, wo ich mir das angesehen hab, nicht übermäßig überzeugend…

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Kaffeepause…

6. Juli 2009

… hatten die Autoren von AM BLOGgen nun lange genug. Finde ich.

Das Benefizkonzert “Alles, was wir mögen” vom letzten Freitag, dem 3. Juli, nahm für meinen Teil unheimlich viel Vorbereitungszeit in Anspruch, doch nun segeln wir entspannteren Epochen entgegen – bei mir werfen die Semesterferien ihre Schatten voraus, bei Peter sind das die Schulferien und bei Anton die Ferien-Ferien. Weder Schule noch Studium eben. Beneidenswert, diese jungen Leute heutzutage, nicht wahr? :)

Bis morgen also – der geneigte Leser darf sich ab sofort wieder auf spannende Beiträge freuen!

PS: Ich bitte zu beachten, dass ich nun gedenke, noch vor Mitternacht das Bett aufzusuchen. Falls jemand das in den kommenden 50 Jahren wieder einmal erlebt, darf er sich gern fühlen, als hätte er sechs Richtige in der Lotterie erwischt… Bona nox!

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In Kürze, Marcus , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Brandenburgische Sicherheit, Vol. 2

21. Juni 2009

Liebe Freunde des gepflegten “Weaner Schmarrrrns”,

gestern war ich mit großen Teilen der heimischen Familie zu einem Ausflug nach Potsdam unterwegs – man besuchte in und um das Schloss Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam die Veranstaltung “Wiener Melange”, die im Rahmen der Potsdamer Musikfestspiele statt fand.

Nun war das alles ganz gut und schön, vielfältigste Musik mit Wiener Flair und natürlich, in den oberen Etagen der Schlossgemäuer, ein nettes Café mit Stehgeiger, der die Melodien aller mehr oder minder bekannten Strauß-Walzer (Preisfrage: Strauß jun. oder Strauß sen.? Bitte per Kommentar raten oder auf selbigem Wege durch Wissen beantworten! :) Wikipedia gilt nicht! ;) ) rauf und runter schrubbte. Ma könnt a soagn, nauf und nunter… ;)

Nun war der Herr Stehgeiger (der übrigens auffällig oft saß) aber nicht der einzige, der da oben herumstolzierte – neben den vielfältigen anwesenden, kurzatmig durch die Gegend rennenden, dennoch aber mit dem Besucheransturm vollkommen hoffnungslos überforderten Kellnerinnen patrouillierte ein einzelner stolzer Mitarbeiter des SECURITAS-Sicherheitsdienstes auf dem Schutzwall umher, um den Feind zu orten. Letzteres nehme ich – ich bin so frei – aus purer Naivität heraus an, denn er interessierte sich, ständig geradezu hysterisch durch die Gegend stierend, für alles was da auf und unter dem Tisch lag – und wehe, man berührte mit seiner Stuhlkante beim Aufsteh’n vom Kafferl einmal marginal die Schlossmauer – Grundgütiger! Die nächsten Minuten genoss man seine besondere Aufmerksamkeit und kassierte auch prompt eine Verwarnung.

Den Denkmalschutz in allen Ehren, meine Damen und Herren, habe die Ehre, aber in Sachen “Brandenburgischer Sicherheit” kann man sicher auch übertreiben.

Für alle, die sich nun wundern, dass eine (2) hinter dem Titel stand – hier gab’s den ersten Teil!

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Neues aus der Orchesterprobe, Vol. 2

16. Juni 2009

Wie versprochen: Heute noch einmal eine kleine Anekdote zum Herrn Maestro Klemperer! :)

“Zweite Klarinette – zu tief!”

- “Aber Herr Professor, der zweite Klarinettist ist heute gar nicht da!”

- “Dann sagen Sie’s ihm, wenn er wiederkommt.”

Dazu muss ich wohl nicht mehr viel sagen – außer vielleicht – immerhin beweist der Professor Klemperer selbst im Irrtum noch Größe.

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Neues aus der Orchesterprobe, Vol. 1

15. Juni 2009

Meinungskonsistenz bei Dirigenten ist ein bekanntes Problem. So wird man als Ensembleleiter manchmal damit konfrontiert, zu einer Stelle spontan eine andere Meinung zu haben als das letzte Mal.

“Schleppen Sie doch bitte hier nicht so!”

- “Aber Herr Professor, letztes Jahr sagten Sie, wir sollen an dieser Stelle ritardieren?!”

- “Sehen Sie, dann bin ich wohl inzwischen musikalischer geworden!”

Nur entstammt diese Szenerie nicht einer x-beliebigen Orchesterprobe mit Provinzorchester und 2. Kapellmeister, sondern angeblich (der Legende zufolge) einer Probe vom Maestro Otto Klemperer.

Klemperer, geboren 1885 in Breslau und gestorben 1971 in Zürich war einer “DER” großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Was weniger über den alten Otto bekannt ist: Er komponierte auch – und brachte dabei unter vielem anderen 6 Symphonien, eine Messe und eine Oper (“Das Ziel”) hervor.

Mehr über Herrn Klemperer und seine typischen Sprüchlein gibt’s morgen, wenn es wieder heißt: “Neues aus der Orchesterprobe” :)

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Sag Hallo zu Onkel Scharfschütze!

24. Mai 2009

Nun feier(te)n wir ja am heutigen Tage dieses großartige Ereignis, das in aller Munde ist… natürlich geht es, wir erwarten es, um den Geburtstag des großen Komponisten Richard Wagner, der nachgefeiert wird – der eigentliche Geburtstag vom Richard ist der 22. Mai 1813, aber wie wir wissen, lässt es sich am Samstag besser feiern.

Doch geht es, wie der Titel ansatzweise vermuten lässt, nicht darum. Viel unbedeutender natürlich, gab es da noch den 60. Geburtstag unseres lieben Grundgesetzes

Wie der ahnungslose und mindestens genauso hilflose Student am Freitagmorgen, in meinem Falle gegen 10 Uhr, erfahren durfte, fand der offizielle Teil der Feierlichkeiten zum runden Geburtstag bereits an genau diesem Freitag statt – und das nicht irgendwo, sondern im und um das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin.

Schon Tage zuvor rückten Polizistenscharen am Gendarmenmarkt an, ein paar Absperrzäune im Gepäck, die bereits locker aufgestellt wurden. Am Freitag wurde die Lage verschärft, indem die Lücken zwischen den Zaunteilen geschlossen und damit der gesamte Gendarmenmarkt abgeriegelt wurde. Nur ein einziges Portal an der Seite des deutschen Doms blieb offen, dort jedoch stand eine Mannschaft von Sicherheitspersonal, die an Geräten, die man sonst vom Flughafen kennt, auf die nächste Leibesvisitation lauerten.

Der Grund, wie ich später aus aktuell informierten Hochschulkreisen erfuhr: Frau Merkel und Herr Köhler sollten zu Besuch kommen.

Ich jedenfalls kam unter Inkaufnahme von Umwegen schließlich doch zur Hochschule und arbeitete mich (zu Fuß!) in die fünfte Etage vor, wo mein Seminar stattfinden sollte – Instrumentation, 3 Stunden, bis 13 Uhr – alles noch harmlos.

Es schloss sich eine Stunde Kompositionsunterricht an. Und jetzt wird’s gruselig. Mit meinem Lehrer zog ich in einen anderen Raum um, einen Raum, dessen Fenster dem Gendarmenmarkt zugewandt sind. In diesem konkreten Fall hieß das, man sah das Konzerthaus von hinten – das Dach des Konzerthauses, aus der 5. Etage.

Zunächst fiel es uns noch gar nicht auf – bis ein Professor von nebenan hereinschneite und uns auf das Schauspiel hinwies: Allein auf dem für uns sichtbaren Dachabschnitt hockten drei Gestalten, jeder in schwarz gekleidet, vollkommen vermummt, ein Fernglas um den Hals und – jetzt kommt’s – einem Scharfschützengewehr in den Händen.

Und als ob das noch nicht für den Schrecken des Tages ausgereicht hätte – wohlgemerkt, man konnte den Knaben direkt in die Augen sehen, denn sie saßen/hockten uns auf Augenhöhe gegenüber:
Mein Lehrer öffnete einmal das Fenster, denn die Luft im Raum war tatsächlich ganz schrecklich; sofort fuhr einer der Scharfschützen samt Gewehr in der Hand herum, mein Lehrer “der zielt auf uns!”, geht zügig vom Fenster weg und setzt sich friedlich wieder auf seinen Stuhl.

Der abschreckende Charakter der ganzen Veranstaltung wurde durch die schöne bayrische Blasmusik auf dem Platz auch nicht wesentlich gemildert…

Sicherlich ein besonders beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass höchstwahrscheinlich einer der Onkels auf dem Konzerthaus nur dafür abgestellt ist, die Fassade der Hochschule zu überwachen. Besonders natürlich für die Lehrer, die das einen ganzen Tag aushalten mussten.

Fenster öffnen wird zur Mutprobe.

Nach dem Unterricht ging ich schließlich wieder hinunter auf die Straße – immer noch schallte die bayrische Blasmusik (die Kapelle war immerhin besser als die, die ich vor 2 Wochen am Brandenburger Tor ertragen musste) herüber – und ich schaute nach oben.

Tatsächlich sah man rein gar nichts: Weder das Aufblitzen einer Reflexion von Sonnenlicht in einem Fernglas, noch einen der netten Onkels auf dem Dach selbst…

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Ein letztes Mal…

11. Mai 2009

… Fahrstuhl fahren!

Nun kommt am heutigen Tage der ahnungslose und (natürlich wie immer) unschuldige Student in die Hochschule für Musik “Hanns Eisler”, betritt das Gebäude der Hochschule, das sich hinter dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt lokalisiert, und sucht den Weg in die 3. Etage.

Man gelangt zum Fahrstuhl, dem Gerät, das, so erinnert man sich gern, einen oft gerettet hat, wenn man 3 Minuten vor (bis 5 Minuten nach, alles ist drin) Unterrichtsbeginn in der Hochschule erscheint und der aufzusuchende Unterricht natürlich in der 5. Etage statt findet.

Nun ahnt man ja nichts böses, und doch begegnet einem an der Fahrstuhltür ein Zettel mit der folgenden Aufschrift:

Ab dem 12.05.2009 ist dieser Fahrstuhl längerfristig gesperrt.

Das Studentenhirn arbeitet, wie so oft, auf Hochtouren und ermittelt mit einigem Aufwand die schockierende Gewissheit: Das ist ja morgen!

In stiller Trauer fährt man im Folgenden mit dem Fahrstuhl, einem, wie es nun plötzlich scheint, guten alten Freund – war er doch vor wenigen Tagen noch die “dämliche alte Schrottkiste mit Eigenleben” (selbstverständlich nur ein winziger Auszug aus der Bezeichnungsvielfalt, die sich unter Studenten einbürgerte – ein Großteil derer ist der für den Online-Gebrauch üblichen Zensur zum Opfer gefallen, sollte man noch erwähnen).

Im Unterricht nun geben die Lehrer und Professoren Ratschläge, wie man mit diesem Problem umgehen könnte – “Also ich werde heute noch 20 Mal mit dem Ding hoch und runter fahren, denn das gibt’s ja ab morgen nicht mehr… das empfehle ich Ihnen natürlich auch!”

Andere Stimmen, ich vermute sie im Foyer, munkeln, dass ein Großteil der Hochschulbelegschaft, Lehrkörper sowie Studierende, im weiteren Verlauf des aktuellen Semesters wohl einiger Kilos ledig werden wird…

So viel also zu Abnehm-Tipps für den Sommeranfang! ;)

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Soll das ein Witz sein?

4. Mai 2009

Nun, wie der geneigte Leser sich sicherlich zu erinnern vermag – Scherze gibt es zuweilen viele: gute und schlechte.

Ein schlechter Scherz beispielsweise entfuhr einem ahnungslosen Fluggast am heutigen Tage auf dem Erfurter Flughafen bei der Handgepäckkontrolle: “Schatz, jetzt finden sie deinen Sprengstoff” war der verhängnisvolle Satz. Der arme Fluggast konnte nicht verhindern, dass binnen weniger Sekunden die Bundespolizei alarmiert war und er mit seiner Frau fast den Flug verpasst hätte (da die Handtasche dann doch in Ordnung war, erreichten sie das Flugzeug wohl noch).

Ein für meine Begriffe guter Scherz findet sich jedoch in den papierlichen Niederschriften der gegenwärtigen Musikwissenschaft. So findet sich in “Die Musik in Geschichte und Gegenwart” (MGG), einer der größten Musik-Enzyklopädien weltweit, die – nebenbei bemerkt – in ihrer neueren Ausgabe einen zehnbändigen Sachteil mit über 1.500 Artikeln und einen siebzehnbändigen (!) Personenteil mit etwa 18.000 Artikeln enthält, ein Artikel über den Komponisten Otto Jägermeier.

Herr Jägermeier wurde 1870 in Ottobrunn geboren, sein Vater war berühmter Entomologe (Insektenforscher) und seine Mutter eine gefeierte Sopranistin, die ihrem hochbegabten Sohn auch den ersten Unterricht erteilte. Nach vorzeitigem Abitur studierte er und reiste nach Frankreich, um Debussy, Proust und Satie zu begegnen, in die Niederlande und nach Italien, wo er vergeblich ein Treffen mit Verdi suchte. Auch das absolute Gehör war ihm gegeben.

Im Werkverzeichnis des großen Komponisten Jägermeier finden sich Titel wie Das sterbende Schwein, eine Klavier-Rhapsodie, Jahre später als Der sterbende Schwan orchestriert, eine große symphonische Dichtung Psychosen und viele mehr; daneben auch Bearbeitungen, zum Beispiel die Fassung von Mozarts Oper Don Giovanni für die linke Hand am Klavier.

Jägermeier siedelte zwischen 1904 und 1907 nach Madagaskar über – das freiwillige Exil sollte ihm helfen, seine kurzfristige Schaffenskrise zu überwinden, was es auch tat: Es entstand auf madegassischem Boden unter tropischen Klima eine Vielzahl an Werken, darunter die Kanonischen Variationen über Themen aus Beethovens Wellingtons Sieg für großes Orchester und Maultrommel oder auch das Postludium “Stummer Frühling”, in das – Zitat – “gestimmte Autohupen (Es-Dur mit sixte ajoutée) als ökologisch-zivilisationskritische Mahnrufe hineintönen”.

Nun jedoch wird es tragisch: Bei der Überfahrt im Jahre 1933 nach Europa löste sich “die mangelhaft vertäute Schiffskiste mit seinen Manuskripten” und so ging “fast die gesamte madegassische Produktion [...] im Roten Meer unter” (entnommen aus dem Lexikon Komponisten der Gegenwart). Im selben Jahr erlag Jägermeier den Folgen eines Malaria-Anfalles.

Ein ganz schön schräger Typ, nicht wahr? Vor allem diese Werktitel…

Nun, heute, im Kontrapunkt-Unterricht in der Hochschule, wurde mir die diesbezügliche Erleuchtung quasi eingepflanzt: Otto Jägermeier, Zeitgenosse Richard Strauss’, der sogar die madegassische Nationalhymne schuf, existierte nie! Der gute Mann wurde wahrscheinlich von Autoren, Musikwissenschaftlern und/oder Verlegern erfunden – immerhin gibt es auch ein Musikinstitut “Otto Jägermeier” in Berlin, mit angeschlossenem Verlag (OJOT-Verlag), der es sich zur Aufgabe machte, das Gesamtwerk Jägermeiers herauszugeben.

Nach meiner Vorstellung wurden andere Komponisten beauftragt, im Namen von Jägermeier beispielsweise ein Streichquartett zu schreiben. Sowas macht sicherlich einen Riesenspaß – frei nach dem Motto: “Es gibt kein Schlagzeug-Sextett von Ligeti? Dann schreiben wir eben ein Schlagzeug-Sextett von Ligeti!”

Wer nun wirklich Vater der ganzen Geschichte ist, lässt sich unbefriedigenderweise nicht rekonstruieren (im Gegensatz zu Loriots Steinlaus beispielsweise, die sich auch in zahlreichen medizinischen Lexika findet). Konsens ist lediglich: Otto Jägermeier ist ein “Scherz alter, gediegener Musikwissenschaftler” (Oliver Buslau) :)

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“Ich kenne niemanden, der so schlecht im Dunkeln grillt wie Bernhard”

25. April 2009

Nun, was will uns der Dichter damit sagen?

Ich will den werten Leser nicht weiter im Dunkeln lassen – mit diesem Satz wurde ich am vergangenen Samstag Abend konfrontiert.

Samstag war ein (für wenige Eingeweihte) sehr außergewöhnlicher Tag. Fünf junge Komponisten aus ganz Deutschland (Berlin, Bayern, Rheinland-Pfalz …) trafen sich am Samstag hier in Berlin, um im großen Saal der Philharmonie zusammen mit etwa 2000 anderen Zuschauern das “Requiem für einen jungen Dichter” von Bernd Alois Zimmermann, gespielt von den Berliner Philharmonikern & gesungen von 4 deutschen Rundfunk-Chören unter der Leitung von Peter Eötvös, zu erleben.

Zum Stück bzw. zum Programm an sich (das Programm vor der Pause bestand aus zwei von Schönberg orchestrierten Bachschen Choralvorspielen sowie Wagner’s “Siegfried-Idyll”) möchte ich an dieser Stelle kaum etwas sagen – hierzu kann sich der geneigte Leser vielfältig selbst informieren.
Nur so viel sei hier gesagt: B. A. Zimmermann ist ein Komponist neuer Musik, dementsprechend gestaltet sich auch das Requiem für einen jungen Dichter für den konventionellen Otto-Normal-Konzerthörer nicht als unmittelbar erfassbar.

Viel mehr möchte ich abschließend kurz auf die Publikumsreaktion eingehen: Schätzungsweise 30 Leute verließen den Saal während der Vorstellung (die etwa eine Stunde dauerte). Mit Ende des Stücks stürmten 40 % der verbliebenen Zuschauer hektisch aus dem Saal, natürlich ohne jeglichen Beifall zu spenden. 50 % der Verbliebenen saßen da mit verschränkten Armen, den Beifall verweigernd, die andere Hälfte klatschte und ließ Bravo-Rufe durch die Philharmonie schallen.

Man möchte fast meinen, das Publikum sei gespalten gewesen. Das jedoch ist lediglich eine Vermutung meinerseits… ;)

Nun kommt man raus aus der Philharmonie, trifft das teilweise noch heftigst vom Schock getroffene Restpublikum, läuft in Richtung heimbringender Bahn und hört im Vorbeigehen gerade noch so: “Ich kenne niemanden, der so schlecht im Dunkeln grillt wie Bernhard.” – so viel dazu! :)

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Die Prime Time der Hochschule

6. April 2009

Das kann mir nunmehr niemand ausreden: Donnerstag, 16 Uhr, ist beste Sendezeit in der HfM “Hanns Eisler” Berlin.

Denn auf keine andere Weise ist zu erklären, dass drei Kurse, von denen ich – wie könnte es anders sein – in meiner Eigenschaft als Student der Komposition natürlich alle drei belegen muss, sämtlichst um diese scheinbar extrem beliebte Zeit stattfinden?

Bei den konkurrierenden Kursen handelt es sich nun um Tonsatz, Formenlehre und Analyse von Musik des 20./21. Jhd. – alle drei müsste und würde ich liebend gern besuchen, wenn die Sache mit der Zeit nicht im Wege stünde.

Vielleicht findet sich ja in ein paar Tagen, unter Zuhilfenahme vielfältiger Telefonaktionen, ein Ansatz einer Lösung…Hilfreiche Vorschläge sind natürlich auch in Kommentarform gern gesehen! ;)

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Peter, Post und PINs…

25. März 2009

Ihr kennt das doch auch alle, oder?!

Ihr habt eine Lieferung, die ihr totaaaal dringend erwartet und sie nahezu ersehnt, bei mir ist das – wie vielleicht bei Marcus auch – Musik. Und diese Lieferung soll schon am nächsten Tag kommen. Genial. Man freut sich.

Nun scheint aber eine höhere Instanz etwas dagegen zu haben, dass sich die Wege von mir und meiner Postfrau kreuzen, ergo bin ich fast nie da, wenn eine Lieferung für mich kommt. Verdammt! Also findet man einen lustigen orangenen Zettel in seinem Briefkasten, in dem man darauf aufmerksam gemacht wird, das man zum Zeitpunkt der beabsichtigten Lieferung nicht zugegen war. Man wird dann freundlich gebeten, sich doch am nächsten Tag ab 18:00 Uhr zur heimatlichen Poststelle zu begeben und die Lieferung einzusacken. Ist aber doof, wenn die Post 19:00 Uhr schon wieder zumacht…

Dementsprechend war klar: Das kann nicht so bleiben.

Zu meiner Freude scheint man das bei der ‘Deutsche Post AG ‘ auch erkannt zu haben und hat eine sehr praktische Erfindung gemacht: Die PACKSTATION…

Eine tolle Sache, in Berlin steht die mehrfach, praktischerweise auch im S+U Bahnhof Pankow, man lässt seine Pakete und Päckchen dahinschicken und kann sie ABHOLEN WANN MAN WILL! ;)

Eine feine Erfindung, dachte ich mir und ließ mich promptens registrieren. Keine Woche später war ich stolzer Besitzer einer ‘Gold Card’, nebst zugehörigem PIN, damit nicht jeder dahergelaufene mit meiner Karte meine Lieferungen klauen kann. Nun ja. Pflichtgemäß versuchte ich, mir den PIN zu merken und legte das Papier dann tiiief in die Akten. Zu tief, wie sich herausstellen sollte!

Meine erste Lieferung erwartete mich, freudig schluckte das Gerät meine Karte und … ich hatte den PIN vergessen. Verdammt. Ich versuchte es trotzdem, im sicheren Bewusstsein, dass ich das Papier eh vermüllt hatte. Drei Versuche – allesamt kläglich gescheitert. Meine Karte war gesperrt und ich sehnte mich für einen Moment nach der heimatlichen Poststelle. Nun nämlich musste ich einen neuen PIN anfordern, den gibt’s nur per persönlichem Einschreiben. Und wie gesagt: Eine höhere Instanz scheint etwas dagegen zu haben, dass sich die Wege von mir und meiner Postfrau kreuzen…

Also fand ich diesmal eine hellblaue Benachrichtigung in meinem Briefkasten, ich solle mich – ihr ahnt, was kommt: Am nächsten Abend zwischen 18:00 Uhr und 19:00 Uhr in der heimatlichen Poststelle einfinden.

Fortschritt durch Technik?! Von wegen! Der Unsicherheitsfaktor Mensch vermag das zu verhindern. ;)

Update:
Mittlerweile hab’ ich mir das Einschreiben bei der doch einigermaßen humorbefreiten Postangestellten in der Poststelle abgeholt. Ich habe wieder einen (gültigen) PIN. :D
Allerdings muss ich bis morgen um 11:00 Uhr das Päckchen abgeholt haben, anderenfalles wird es an den Versender zurückgeschickt. Und das will ja keiner…

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