Nun schon vor ein paar Tagen kam ich in den unglaublichen Genuss eines Saisontickets für die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker.

DIE sagenumwobene Digital Concert Hall. Nicht nur in der Philharmonie hatte ich davon und darüber gelesen (im Backstage-Bereich des großen Saals hingen Zeitungsartikel darüber im Schaukasten), auch im Medium Internet fand diese Innovation aus dem Hause Philharmonie allgemeine Bewunderung.
Und das zu Recht, wie ich jetzt herausfinden durfte.
Mit dem Kauf eines Saisontickets hat man (zum jetzigen Kaufzeitpunkt jedenfalls) die Möglichkeit, sich alle aufgezeichneten Konzerte bis zum August 2008 zurück (!) anzuschauen. Diese Konzerte fanden teilweise zwar schon vor der Eröffnung der Digital Concert Hall statt, wurden aber offensichtlich schon aufgezeichnet – in manchem Konzert, das ich beispielsweise im Oktober besucht habe, wunderte ich mich auch, dass die an den Seitenrängen befestigten Kameras sich unablässig drehten und offenbar mal auf diverse Instrumentengruppen oder -solisten, mal auf den Dirigenten zielten.
So fand das eigentliche Eröffnungskonzert für die Digital Concert Hall erst am 6. Januar 2009 statt, jedoch kann ich mir Konzerte bis zum 29. August 2008 zurück anschauen. Ich muss ehrlich sagen: Ich bin begeistert.
Nun zur Qualität
Bildtechnisch qualitativ wunderbar, alle Filme stehen in drei verschiedenen Qualitätsstufen zur Verfügung, vor der Anmeldung in der Digital Concert Hall oder dem etwaigen Kauf eines Tickets kann man sich mittels des auf der Website angebotenen Stream-Tests vergewissern, dass die eigene Internetbandbreite den Datenstrom auch vernünftig tragen kann. Ist man erst einmal dabei, sich ein Konzert anschauen, kann man auch den (von mir mittlerweile sehr begehrten, auf einem 26-Zoll-Monitor wirkt das einfach zu schön) Vollbildmodus anwählen.
Tontechnisch – nun ja. CD-reif ist der Sound nicht; nicht, dass ich das erwartet hätte, aber ein hochfrequentes Schnarren bei jedem höheren Pegel nervt auf die Dauer eines Stücks, einer Sinfonie oder ähnlichem von vielleicht 60 Minuten dann doch etwas. Es klingt, als würde man eine Sound-Datei über Handylautsprecher eines älteren Handys abspielen, da tritt das gleiche Phänomen auf – natürlich ist in der Digital Concert Hall bei weitem nicht so dramatisch und im Umfang nicht zu vergleichen! Es scheint sich mir nur – allein aufgrund der Klangcharakteristik – um das gleiche Grundphänomen zu handeln.
Insgesamt jedoch…
…bin ich ausgesprochen zufrieden, das kann ich einfach nicht anders sagen. Bisher habe ich mir ausnahmslos jeden Tag 1-4 Konzerte angeschaut, Tendenz sogar eher noch steigend.
Allein die Möglichkeit, sich ein Konzert mehrmals ansehen zu können – oder auch Konzerte, die man selbst besucht hat, wieder erleben (und damit auch spontane Höreindrücke überprüfen) zu können – ist atemberaubend, finde ich.
Die Digital Concert Hall hilft mir persönlich in Sachen Werkkunde. In den Programmen der angebotenen Konzerte sind mitunter Werke dabei, die ich nicht auf CD besitze – hier sind also Neuentdeckungen möglich.
Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass man nun von vielen Stücken sofort eine Aufnahme der Berliner Philharmoniker griffbereit hat – auch, wenn es die noch nicht auf CD gibt. Man stöbert einfach nach dem Konzert im Archiv und kann dann auch Interpretationen vergleichen (für mich momentan extrem interessant: Vergleich der Brahms-Interpretationen von Carlos Kleiber, Herbert von Karajan und Sir Simon Rattle)!
Ich kann ein Abonnement also nur wärmstens empfehlen und hoffe, dass jeder, der sich jetzt von meiner Begeisterung anstecken ließ, an der Digital Concert Hall mindestens genauso viel Freude hat wie ich!

Marcus, Musik, Technik
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