Nun, ich möchte mit ein paar Vorurteilen gegenüber der Britischen Insel und seiner Bewohner aufräumen oder sie auch bestätigen. Zugegebenermaßen aus meiner einseitigen Sicht.
Es ist immer so teuer in England! Nun ja. Natürlich sind die Preise auf der Britischen Insel noch nie niedrig gewesen, auch nicht für das Gehaltsniveau dort. Aber an sich kann ein Brite schon gut in Großbritannien leben. Aber es gibt da so etwas lustiges, was sich “Devisenkurs” nennt. Und der steigt und fällt bekanntermaßen mit der Zeit. Nun stieg der Euro ja schon in den letzten Jahren gegenüber dem US Dollar an und seit Beginn 2008 leiden die Briten an der Angst, der Euro könnte womöglich den Pfund kursmäßig angreifen und zum Sprung auf die Insel ansetzen. Das wäre ja fatal! Doch alles Hoffen und Bangen brachte nichts. Als ich im Schuljahr 2006/07 in Leamington Spa (West Midlands) war, war noch alles normal. Meine Kontoauszüge belegen: Wenn ich £10 abgehoben hab, wurden mir rund €15 abgebucht, also 1:1,5. Doch als ich im April 2008 mit den Englisch Leistungskursen meiner Schule in London war, hatte sich einiges geändert. Nicht nur fing die Bank of England an, den Leitzins zu senken (ein Segen für die 80% Hausbesitzer der Insel), sondern der Pfund sackte auf 1:1,24 ab. Damit wurde London nicht billig, aber bezahlbarer.
Aber 2008 sollte ein schwarzes Jahr für das Pfund Sterling werden. Durch die globale Finanzkrise sank der Pfund noch stärker, als er es ohnehin schon tat und erreichte kurz vor Ende des Jahres fast die magische, tiefschwarze Marke von 1:1.02. Man bekam also am 30. Dezember ganze £0,98 für bloß einen Euro. Wie gesagt, 2007 bekam ich ganze £0,66.
Ich begann mich zu freuen. Erstens für mich, weil ich ja meinen Trip nach Großbritannien im Februar im Auge hatte und auch weil meine beste Freundin Hanna sicherlich um einige Sorgen ärmer wurde, bei dem Stand des Pfundes! Aber nein, ich bin nicht am 30. Dezember zur Bank gerannt und hab fieberhaft Pfund abgehoben, sondern entspannt in Richtung Februar geguckt. Nicht, dass ich gehofft hätte, dass der Euro den Pfund womöglich noch übersteigt, sondern weil ich aus diversem Quellen erfuhr, dass der Pfund zwar wieder stärker werden würde, aber das nur ganz gemächlich. Und so kam es auch, der Pfund liegt heute bei 1:1.11 und das machte für die eine Woche den Kohl auch nicht fett.
Denn hier ein paar Vergleiche:
- Londoner U-Bahn: Von meiner Oyster Card (einer tollen drahtlosen U-Bahnkarte, auf die man Wochen/Monatskarten und/oder Geld zum einfachen Fahren raufladen kann) wurde pro Tag £5.10 abgebucht. Das sind €5,79. Eine Tageskarte der BVG in Berlin kostet dagegen €6.10.
- Klamotten: Nicht überall (z.B. H&M) ist es billiger, aber bei den Bekleidungsläden, wo die Preisschilder immer Pfund, Euro und was weiß ich anzeigen, liegt der Euro-Wert deutlich über dem Pfundwert, somit ist Esprit zum Beispiel günstiger. Nur gefiehl mir die Kollektion nicht
Gegenbeispiel: Ein Pulli kostet bei H&M in London £20, in Berlin €20. Also teurer.
- Krassestes Beispiel (vor allem auf die Dauer^^): Starbucks. Der Laden ist etwas langweilig in London, denn erstens gibt’s ihn an wirklich jeder Ecke und zweitens haben sie bis auf “Skinny Vanilla and Caramel Latte” (also fet- und zuckerreduzierter Café Latte) keinerlei Sonderangebote (wie “Cinnemon Dolce Latte o.ä.). ABER die Preise sind wirklich köstlich. Kostet in Berlin ein tall Café Latte €3 (was 2007 noch £2 waren), so kostet er in London immer noch £2, was aber nur noch €2.20 sind. Ebenso kostet ein Tall Caramel Macchiato nur £2.65. Das lohnt sich doch
Die fahren doch alle auf der falschen Seite! Sie sollte rechts fahren.
Och wisst ihr, ich liebe das! Natürlich ist das reine gewohnheitssache und man muss als normaler Tourist auch nicht befürchten, vom Auto umgefahren zu werden oder zurück in Berlin in die falsche Straßenseite einzubiegen. Aber wenn man längere Zeit dort ist, ist das etwas anderes. Aber man kann das ganz schnell lernen, indem man aktiver Verkehrsteilnehmer ist. Also entweder Auto oder, wie ich 2006, Fahrrad fährt. Dann kriegt man ziemlich schnell mit, wenn man nach der Ausfahrt aus einem zwei- oder dreispurigen Kreisverkehr (“roundabout”) auf der falschen Seite landet. Oder wie ich in der Mitte der Straße und kein Auto da ist, was einem zeigt, wo man hinfahren muss.
Und so bekam ich einen Riesenschreck, als ich im Juli 2007 vom Flughafen Tegel abgeholt wurde und mein Vater an der Ecke Seestraße/Prinzenallee in die rechte Einfahrt der Prinzenallee einbog. Aber auch hier, mit Fahrradfahren lernt man das schnell. Auch wenn ich gerne nachts die Ossietzkystraße links befahre, wenn kein Auto da ist, einfach um wieder das Gefühl zu haben
Und ich erwische mich nach dieser Woche in Großbritannien jedes Mal wieder, dass ich beim Überqueren der Straßen erst nach rechts und dann beim Loslaufen erst nach links gucke, obwohl die Autos in Europa genau von der Seite her kommen. Aber bisher bin ich noch nicht gefährdet gewesen
Ach und für den Normaltouristen gibt’s ja nicht nur in London die tollen Straßenaufschriften an Ampeln: “Look Left” bzw. “Look Right”, damit man’s ja nicht vergisst.
Wasser und Wasserhähne
Das ist so eine britische Macke. Entweder gibt es im typischen Einfamilienhaus auf der Insel gar kein fließend warmes Wasser außer aus der Dusche, die aus einem Kasten an der Wand besteht, wo ein Temperaturregler und jeweils ein “Start” und “Stop” Knopf ist. Hinter der Wand ist dann ein Durchlauferhitzer.
Und am Waschbecken gibts entweder (wie in Leamington) nur kaltes Wasser oder, eigentlich noch idiotischer, zwei getrennte Wasserhähne: Einer kalt, der andere warm.Und ich meine nicht ein Wasserauslauf und ein “warm”-Regler und ein “kalt”-Regler und eine Mischbatteri, nein ich meine zwei Wasserhähne, getrennt. Die liegen meist noch jeweils auf der gegenüberliegenden Seite. Man kann sich also die linke Hand kalt und die rechte Hand heiß waschen. Sehr lustig. Beim Händewaschen. Beim Zähneputzen. Oder beim Rasieren. Alles total klasse.
Alles so geordnet!
Wer denkt, dass Deutschland eine bürokratieverseuchte Beamtenlandschaft ist, der sollte sich mal in Großbritannien gehen. Am College gibts jedes Formular in einer anderen Farbe, man muss seine, ich nenne es mal “Rasse” angeben (Beispielsweise: white, black-caribbean, black-african, Indian, Chinese etc…) und alles wird schön ordentlich zugeteilt.
Man merkt die Ordnung der Briten auch in der Öffentlichkeit und als Tourist. An der Bushaltestelle stellt man sich in einer Reihe an und drängelt nicht vor. Alle, die irgendwas offizielles machen, haben eine Uniform, die sie richtig wichtig aussehen lässt und seien es die Straßenreinigungsleute oder die Politessen. Neben der normalen Polizei (in London die Metropolitain Police, oder kurz “Met”) gibt es Community Support Officers und die British Transport Police. Dann noch die UK Boarder Agency (Grenzschutz) und sonstige Behörden des Home Office, des Innenministeriums. Und alle haben sie wichtige, oftmals schwarz-weiße mit neongelber und mit Reflexionsstreifen versehener Jacke auf der hinten dann der Titel steht. Die London Met wirbt in der Tube extensiv für “Voluntary Police Officers” mit 16 Stunden Einsatz im Monat. Also freiwillige Polizeikräfte, die vor allem Londons Nachtleben aufräumen sollen. Für die Londoner, die noch etwas Abenteuer suchen würde ich mal sagen.
Und noch etwas ist ganz wichtig: Die Warnschilder. Sie sind natürlich normiert. Ein Feuerausgang kann nicht einfach die Aufschrift “Fire Exit” haben sondern ein weißes Schild mit blauem Kästchen in dem weiß geschrieben steht “Fire Exit Keep Clear”. Jede Pseudo-Brandschutztür hat ein rundes Schildchen “Fire Door Keep Shut” und so weiter und so fort. Und das geht nicht nur mit dem Brandschutz so. Arbeitsschutz und sonstawas wird ganz riesig geschrieben. Problem ist bl0ß, wenn die ganzen Osteuropäischen Gastarbeiter das nicht verstehen…
Apropos Osteuropäische Gastarbeiter: Arbeiter in Ölraffinerien sind in der Woche, in der ich in Großbritannien war, gestreikt, weil ihre Firmen (BP und Co) einige italienische und osteuropäische Arbeiter einstellen wollte. Die Streikenden protestierten mit Schildern, auf denen Gordon Browns Satz “British Jobs for British People” geschrieben stand, welchen er natürlich nicht so zusammenhangslos gesagt hat, aber man nimmt ihn nun mal einfach. Nun ja, sie haben sich irgendwann geeinigt, Jobsicherheit und nur ein paar Fremdarbeiter waren die Lösung.

Anton
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