Freitag, der 23. Januar 2009, war ein historisches Datum. Es sollte sich an diesem Tag mein Leben mehr oder weniger grundsätzlich ändern. An diesem Tag nämlich war ich zum ersten Mal in meinem Leben bei Dussmann in der Noten- & Musikalienabteilung.
Für Unwissende & Ahnungslose: Das ist die Abteilung, für deren Erreichung man zunächst einen kleinen Innenhof überqueren muss. Dann jedoch – unverhoffterweise – taucht man ein in eine Welt voller Noten – und offensichtlich auch vieler Dinge, die das Musikerherz sonst noch begehrt, das kann ich mittlerweile aus eigener Erfahrung sagen.
Am Eingang geht man vorbei an einer im Vergleich zum restlichen Hause von der Größe her geradezu niedlichen Kasse, bis man zu den in vielfältigen Regalen befindlichen Tonnen von Musikalien gelangt.
Die Objekte meiner Begierde musste ich nicht lange suchen, sie präsentierten sich mir aufdringlicherweise gleich, nachdem ich von meiner Begleitung auf die Treppe hingewiesen wurde und ich damit die zweite Etage der Einrichtung entdeckte. An einem dennoch unscheinbaren Holzschrank mit mehreren (mit Schlössern versehenen) Schubladen fand sich neben mehreren Beschriftungen wie “Stimmgeräte”, “Metronome”, “Stimmgabeln” auch das magische Wort: “Taktstöcke”.
Damit kann ich’s ja jetzt sagen: Wir befinden uns mitten in der heiß ersehnten Folge 2 der Serie “Marcus & sein Taktstock”.
Fast noch nicht glauben könnend, was ich da entdeckt hatte, fragte ich einen nicht weit entfernten Verkäufer, ob er mir diese spezielle Schublade vielleicht öffnen würde, vorausgesetzt natürlich, er besitzt einen Schlüssel…
…und dann stand ich auch schon neben der Schublade, die offene Schublade zwischen mir und dem Verkäufer, dem Mann meines Vertrauens.
Es gibt da noch etwas, was du, geneigter Leser, über Taktstöcke wissen solltest: Taktstöcke sind nicht wie Pinsel – man sucht sich nicht einfach einen aus, der einem gefällt und legt sich eine Riesensammlung an, weil man ja noch einen breiteren und einen flacheren braucht… Eher lässt sich die Wahl eines Taktstocks mit der Wahl des Zauberstabs in der allgemein recht beliebten Bestseller-Reihe “Harry Potter” vergleichen. Dort heißt es, nicht der Zauberer sucht sich den Zauberstab, sondern der Zauberstab sucht sich den Zauberer. Vergleichbar sagte ich, nicht wahr? Na ja, vielleicht übertreibe ich auch ein wenig. Vielleicht…
Der Verkäufer fragte, mich aus den inneren philosophischen Abhandlungen über Wahl von Taktstöcken reißend, was ich mir denn vorgestellt hätte, ob ich überhaupt eine genauere Vorstellung von meinem Wunschmodell hätte. Da ich in den letzten 17,5 Jahren lediglich zwei Taktstöcke besessen hatte, hatte ich – milde ausgedrückt – nicht ausreichend Ahnung, um die Frage des werten Herren Verkäufer erschöpfend zu beantworten. Ich sagte, dass es wohl am besten für mich wäre, etwas auszuprobieren, bis ich den richtigen gefunden hätte.
Natürlich hatte ich mir schon etwas vorgestellt: Am Tag davor sah ich im Konzert einen Dirigenten (Sakari Oramo war es) mit einem unheimlich langen Taktstock und wollte es nun mit einem etwas längeren Modell versuchen. Und nun ja, kein Anspruch an die Qualität des Taktstocks, aber an die Quantität seiner finanziellen Gewichtung: Zu teuer sollte er auch nicht sein.
Ich schaute mich in den schier unendlichen Weiten dieser zugegeben nicht allzu großen Schublade um und führte mir die Preisschilder zu Gemüte. Bei etwa 5€ ging’s los, arm konnte man an Taktstöcken für etwa 80€ aber auch werden. Stell dir mal vor, so ein Ding für 80€ zerbricht… Da machst du dir ja lebenslang Vorwürfe!
Qualitativ – nun, da gab es Taktstöcke aus unterschiedlichen Materialien (Holz und Kunststoff), verschiedenartige Griffe (von der kleinen Kugel bis zur dünnen, langgezogenen Eierform alles dabei), verschiedene Griffmaterialien (Kork oder Holz), und natürlich verschiedene Längen…
Einen durchschnittlich langen Taktstock griff ich aus der Schublade heraus, ich wollte keine Holzkugel am Ende als Griff, deshalb nahm ich einen mit dünnem, längeren Holzgriff. Natürlich bringt das Ansehen wenig, man muss sein “Instrument” schon in der Hand halten, um es beurteilen zu können – daher ließ ich die Versiegelung öffnen – dann den Stock einmal in die Hand gelegt und sehr schnell gewusst: Der ist es nicht – daher gleich zurück zur offenen Schublade.
Die längsten Taktstöcke waren daran zu erkennen, dass sie schräg in der Schublade lagen. Einen davon nahm ich heraus, schließlich, erinnerte ich mich, wollte ich ein längeres Modell. Abermals ließ ich die Versiegelung öffnen, und schwang die Neuentdeckung einmal hin und her.
Ein wunderbares Gefühl. So ausgeglichen.
45 cm Länge, als Stabmaterial Holz, dazu ein relativ langer Holzgriff (der für meine Begriffe von der Form her einem Halbkugelkegel, also einem Kreiskegel, an dessen Kreisgrundfläche eine Halbkugel angesetzt ist, ähnelt), und dermaßen perfekt ausbalanciert… Legt man den Taktstock an genau der Stelle, wo der Griff endet, auf einen Finger, befindet er sich im Gleichgewicht. Und da man den Stock an dieser Stelle meist mit den Fingerspitzen berührt, hat man dieses wunderbar ausgelichene Gefühl.
Nach etwas weniger als zwei Minuten war klar: Der ist es, der soll es sein. Nun hatte man bei Dussmann gar kein Transportbehältnis, das für einen Taktstock von 45 cm lang genug gewesen wäre, deshalb besorgte ich mir einfach das längste vorhandene und ging zur Kasse. Alles zusammen 9,50€!! Dieser Taktstock hatte unfassbarerweise nur 7,50€ gekostet.
So viel also zur Auswahl- und Kaufzeremonie. Im nächsten Beitrag der Serie Marcus & sein Taktstock gibt’s Geschichten von den ersten Praxistests, die unter wissenschaftlich streng kontrollierten Normalbedingungen auf der Probenfahrt nach Pec pod snezkou vom 24. bis 31. Januar 2009 statt fanden.

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