Guten Morgen, liebe AM BLOGgen-Freunde,
Ich sitze zurzeit in einem dieser wunderschönen Regionalexpresszüge der Deutschen Bahn, wir erreichen demnächst Paulinenaue, die Strecke sollte dem Sportskameraden Merkel (p.s.: Happy Birthday! J ) also durchaus bekannt sein. Das Problem: Eigentlich wollte ich mich schon in der Mecklenburg-Vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin befinden, aber wie das dann gerne so ist, geht alles schief, was so schief gehen kann.
Eigentlich hatte ich mich nämlich tapfer dazu durchgerungen, nach 2 Stunden Nachtschlaf wieder mein kuscheliges Bett zu verlassen um die letzten Sachen zusammenzuklauben und anschließend um 7:04 die S-Bahn von der Wollankstraße aus gen Potsdamer Platz zu nehmen und von dort aus gemütlich mit dem Regionalexpress nach Schwerin zu kommen. Nach bangen Blicken in Richtung Schönholz (die S1 erschien erst in allerletzter Sekunde am Horizont) und einer kleinen Hatz durch den Bahnhof Potsdamer Platz gelang es mir dann auch, das Gleis von meinem RE zu finden, alles war ruhig, keine Anzeichen von Hektik, Wismar stand an der Anzeigetafel von Gleis 3, ich dachte mir: „Puh, na dann hast du es ja gerade so geschafft, aber du hast es geschafft! J“. Eingestiegen in den Zug, die obligatorische Ansage „nächster Bahnhof: Berlin Hauptbahnhof“ und die üblichen Reisehinweise. Fast schon am Wegnicken (wegen des zu kurzen Nachtschlafes, s.O.) fiel mir auf: „Moment! Hat der eben was von „Bitte alle Fahrgäste aussteigen geredet?!“ – Auf Nachfrage beim freundlichen Zugpersonal kam das nette „Ja, Sie müssen jetzt aussteigen, ich kann Ihnen aber nicht weiterhelfen, bitte nutzen sie den Service Point!“ – Toooooooollll! – Da war mir geholfen…
Nach diversem Irrlichtern durch den Bahnhof wurde mir dann recht rasch klar, dass alle Service Points pickepackevoll waren und weit und breit keine zusätzlichen Servicemitarbeiter in Sicht. Ein Blick auf den Bahnhofsvorplatz verriet mir zudem, dass die über Lautsprecherdurchsagen versprochenen Ersatzbusse zumindest bis zum Horizont nicht in Sichtweite waren. Also rennt der erfahrene Berliner hoch in Richtung Ost-West Gleise. Vielleicht schaff’ ich ja auf eigene Faust noch den Zug 2 Stunden später…
Nach einigem hin und her, wie ich denn nun am Besten nach Berlin-Spandau komme, befand ich mich schließlich in der S75 nach Spandau und hatte das Vergnügen, eine mindestens genauso ratlose wie hilfesuchende schwedische Leichtathletin (wegen der WM) in meinem Wagen zu haben, die hektisch versuchte, über Telefon mehr herauszubekommen, was ja aber schwierig war, denn selbst bei der Deutschen Bahn konnten sie nur unwesentlich mehr wissen als wir alle… (An der Stelle wäre es toll gewesen, Linda in der Nähe zu haben, um ein paar schwedische Schimpfworte kennen zu lernen, aber die weilt derzeit ja nun mit dem dritten Autoren dieses Blogs ab heut Abend in Schweden – Herzliche Grüße an dieser Stelle!
)
In der sicheren Wähnung, jetzt nur noch meinen Regionalexpress ab Spandau abpassen zu müssen, verließ ich die S-Bahn und hetzte durch den Tunnel auf das Nachbargleis – um feststellen zu müssen, dass es dort doch gespenstisch still ist. Eine Runde an die Seite der – immerhin, wenn auch nur zu zweit vorhandenen – Servicekräfte gestellt und relativ schnell war klar: „Spandau ist noch nicht das Ende deiner Odyssee!“.
Wie also weiter?! Der Ratschlag der Deutschen Bahn „Fahren Sie einfach zurück nach Hauptbahnhof oder warten Sie, bis hier wieder ein Zug fährt!“ schien mir höchst unbefriedigend, denn was will ich im Hauptbahnhof?! Nunja. Also über eine dieser Servicekräfte kriegte ich dann heraus, dass es so etwas wie einen Ersatzverkehr bis Nauen geben müsse, Näheres wisse sie nicht, da sie seit einer Stunde auf dem Bahnsteig stehe und nicht zum Nachfragen bei den Kollegen gekommen sei. Der Blick zu Service Point verhieß eine lange Schlange und mit unwissend noch euphemistisch umschriebene Mitarbeiter. Nein. Das war es nicht… Nachdem ich mein (Un-)Glück bei den Servicehotlines der Detuschen Bahn versucht hatte, erschienen auf einmal und wie aus dem Nichts zwei Busse einer Havelländer Betriebsgesellschaft, die den freudigen Titel „Ersatzverkehr“ zur Schau trugen. Also hingerannt, die mäßig helfende Servicetante am Telefon abgeschaltet und gefragt: „Geht’s hier nach Nauen?!“ und bekam von einem der sympathischsten Busfahrer, die ich innerhalb des letzten Jahrzehntes erlebt habe, die erste zielführende Antwort des Tages: „Jawoll! Ich fahr’ nach Nauen! Ich habe keinen Fahrplan und keine Ahnung, was hier los ist, aber ich fahre nach Nauen!“ – Kein „Hm, ja, Moment, da muss ich mal schauen.“ sondern die erste wahre Antwort „ich habe keine Ahnung, was ich hier tue, aber ich fahre jetzt über Falkensee, Finkenkrug, Brieselang etc. nach Nauen!“. Da war mir geholfen. Über twitter und einige dortige Leidensgenossen waren wir mittlerweile weiter als die Servicewebsites der Deutschen Bahn und wussten ziemlich genau, dass irgendwo zwischen Nauen und Hauptbahnhof eine Person ziemlich unlebendig auf der Schiene liegen muss – das schlossen wir aus dem lautsprecherquellenden Euphemismus „Personenschaden“ – der Verkehr soweit zum Erliegen gekommen ist, keiner irgendeine Ahnung hat und konnten zumindest den Stand der Dinge (Umleitung über SEV Nauen – Berlin Spandau und ‚Besser S 75/9 nehmen’) für andere Freunde kommunizieren.
Nachdem der Busfahrer mehrfach Fahrgäste auf der Strecke mit einem „Nein, wir fahren NICHT nach Berlin Spandau! – Nein, ich gehöre NICHT zur Deutschen Bahn, ich bin unschuldig!“ auf weiteres vertrösten musste, kamen wir in Nauen an und – tatsächlich. Der Zug nach Wismar stand noch und es waren „nur“ 2 ½ Stunden Verspätung, die ich als Schaden davontrug. Schöne neue Welt. Mittlerweile fahren wir in Bad Wilsnack ein und dem Gespräch der sich völlig entnervt aus dem Zug verabschiedenden Zugbegleiterin entnehme ich, dass die Strecke wieder frei ist. Schöne neue Welt…

Peter Kuscher Peet
Letzte Kommentare