Der oberste Souverän.

11. Januar 2012

Ein Wunschtraum.

Erinnern wir uns an das Jahr 2010. Es war mitten zum Beginn eines Sommermärchens, die Fußball-Weltmeisterschaft zog all unsere gebannten Blicke auf sich, mein Abiturjahrgang und ich feierten das Leben und unser bestandenes Abitur – doch einer wollte nicht so recht mitfeiern: Horst Köhler.

Sein Rücktritt platzte unmittelbar in das sich vorsommerurlaublich nur noch mit Mühe konzentriert haltende politische Berlin wie ein schwer vorhersehbares Erdbeben. So unmittelbar, dass auch damals schon Bettina Schausten sich reichlich indisponiert zeigte und bis zur Abendausgabe des heute-Journal nur aus dem Studio und nicht vor Ort berichtete.

Es galt damals also, jemanden zu finden, der fähig wäre, die Amt zu übernehmen, und es galt, ihm eine Chance zu geben – die Wahl der Kanzlerin fiel, entgegen dem Wunsch der Mehrheit im Volke, auf den damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff, der mit seiner präsidialen Art zu regieren recht geeignet für dieses Amt schien.

Wulff tat sich zu Beginn seiner Amtszeit dann tatsächlich zumindest auf dem Feld der Integration einigermaßen wohltuend hervor, schien hier zumindest einen Akzent, einen wichtigen gefunden zu haben – wenngleich man konstatieren muss, dass dies in der Gesamtheit für eine gute Amtsführung für meinen Geschmack zu wenig ist und war.

Ansonsten aber blieb er – leider – wie zu befürchten stand aber insgesamt doch farblos. – Das kann im Sinne der konstitutiven Vorgehensweise der Bundespräsidentenwahl vorkommen. Viele Bundespräsidenten sind und bleiben farblos, aber das ist ja nun nicht das notwendige Kriterium für die Ausfüllung des Amtes, auch nicht dafür, dessen Integrität zu wahren, sondern lediglich die Bedingung für eine gute, wohl durchdachte Ausübung des Amtes. Von daher ist dem Bundespräsidenten hier also kein Vorwurf von entscheidendem Charakter zu machen, obgleich die Frage weiter im Raume steht, ob das bisherige Verfahren weiterhin das richtige ist.

Es erwies sich aber viel schlimmer, dass die Kanzlerin die intuitive Forderung vieler Deutscher, die auch ich noch in der Nacht nach dem Rücktritt von Horst Köhler hier aufstellte, nämlich:

Es bleibt zu wünschen, dass die Politik nun den Schuss Köhlers gehört hat und bei der Suche nach einer:m NachfolgerIn im Amt der:s Bundespräsidentin:en nun nicht versucht, die Fehler am letzten Bundespräsidenten (zu ehrlich, zu bürgernah, zu unbequem, “zu wenig Politiker” (womit eigentlich eine mangelnde Skrupellosigkeit begklagt wurde)) bei dem:r neuen AmtsinhaberIn  abzustellen, sondern jemanden sucht, der eine gesellschaftlich annerkannte Person ist, die für ihr Querdenkertum und ihren Mut zu reden bekannt ist. Eine:n die sich auch nicht zu schade ist, im Kreuzfeuer zu stehen. Die Politik muss jetzt unter Beweis stellen, dass sie in der Lage ist, jemanden in das Amt der Bundespräsidentin zu heben, der stärker ist oder zumindest so stark, dass sie ein Gegengewicht zur “Tagespolitik” bilden kann. [...] Dieses Amt muss jetzt mit zivilgesellschaftlichen Personen besetzt werden [...] – die Hauptsache ist nun, dass der Posten “BundespräsidentIn der Bundesrepublik Deutschland” nun nicht zum Witz verkommt, sondern mit Profil gefüllt wird. Das kann kein etablierter Bundespolitiker. Der Bundespräsident ist von der Verfassung als (wenn auch ruhiger) Gegenpol vorgesehen. Und nicht nur als nur lächelnder Mitläufer.

nicht erfüllte, sondern eben genau jenen Fehler beging, mit einem erfahrenen Berufspolitiker alles richtig machen zu wollen.

Nun ist es eigentlich eine im ganzen Land bekannte Binse, dass Niedersachsen und insbesondere die Stadt Hannover nicht zu den korruptionsfreiesten der ganzen Republik gehören. Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass leitende Angestellte der Polizei im berüchtigten Steintorviertel einen Abend auf Kosten der Hells Angels verbringen.

Dies oder ähnliches dem Bundespräsidenten unterstellen zu wollen, wäre freilich eine unlautere Unterstellung bar jeder Wahrheit. Dennoch hätte auch die Bundeskanzlerin – allein schon ob des merkwürdigen Gebahrens von Wulffs Amtsvorgänger Schröder, der bekanntermaßen zu Hannoveraner Zeiten auch eng in die niedersächsische Wirtschaftswelt – euphemistisch ausgedrückt – “befreundet” war – ahnen können, dass das in Szene gesetzte Saubermannimage bei näherer Betrachtung kleinere Schönheitsfehler haben könnte, wenngleich es sich hier vorwiegend um ethische, und nicht um juristische Fragen geht.

Jedoch ist auch dies nicht der Kardinalfehler.

Jenen Kardinalfehler nämlich beging der oberste Souverän von knapp 80 Millionen Souveränen nämlich höchstselbst, als er sich von Recherchen über sein Haus in Großburgwedel so dermaßen aufschrecken und erschrecken ließ, dass er offensichtlich – was auch immer nun seine wahre Intention war, ist für die Bewertung der Gesamtlage aus meiner Sicht vollkommen unerheblich – die Kontrolle verlor und versuchte, zumindest Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen, um noch die kommunste und vornehmste Umschreibung der Vorgänge auf den Anrufbeantwortern Leitender Angestellter des Axel Springer Verlages zu wählen. – Hier liegt die eigentliche Pointe, denn hier begann der Bundespräsident, im Wortsinne nicht mehr souverän zu sein, also nicht mehr, wie es seinem Amt durchaus zufällt, die Berichterstattung einfach abzuwarten und sie, sollte sie unsachgemäß ausfallen, als ebenso unsachgemäß wie – griffe sie tatsächlich seine Familie an – schäbig zu geißeln.

Niemand, wirklich niemand außerhalb der Redaktionsbüros der BILD-Zeitung hätte auch nur ein Hauch von Zweifel an der Integrität des Bundespräsidenten gehegt, im Gegenteil, vermutlich hätte er viele mediale Pflicht- und Überzeugungsverteidiger gefunden.

So jedoch gab Christian Wulff seine Souveränität ab und war bislang in allen Versuchen, wieder souverän, d.h. Herr der Lage zu werden, erfolglos.

Es wäre ein leichtes gewesen, die Souveränität durch ein schnelles und allumfassendes moralisch-ethisches Schuldeingeständnis, ein simples “mea culpa” die Wogen, die erst aufgekommen waren, wieder zu glätten. Es war kurz vor Weihnachten, und noch nicht einmal die Opposition wünschte sich in der Adventszeit Unfrieden, schon gar nicht um den Bundespräsidenten, denn Mutti’s Gans schmeckt vor dem Fernseher ohne BuPrä-Ansprache nur halb so lecker.

Doch abermals gibt der Bundespräsident die Zügel aus der Hand und gesteht nur halbherzig das, was eh schon bekannt war, holt nicht zum Befreiungsschlag aus. – Hierbei beweist Christian Wulff vor allen Dingen, wie unerfahren er beim Krisenmanagement ist und dass er ob seines präsidialen Regierungsstils nie gelernt hat, mit politischen Krisen oder Affären umzugehen, vor allem aber legt er das Verhalten eines Regierenden an den Tag, der durch Lavieren versucht, seine Macht zu erhalten, und verkennt dabei, dass das Primat seines Amtes gar nicht der Macht, sondern der Integrität gelten soll.

Und so kommt es, wie es kommen muss, die versammelte Journalie erwacht aus dem Winterschlaf und hat keine Ahnung, wie sie die Zeit bis zur zweiten Januarwoche, in der verbredungsgemäß auch der EU-Krisenmanagementprozess wieder in Gang kommt, veritabel füllen soll, da kommt die Rettung wie aus heiterem Himmel: Der Anrufbeantworter von Kai Diekmann…
WDR5 Politikum – Der AB von Diekmann by Malotki

Anstelle die Dinge nun beim Namen zu nennen, sich in aller Form und Frömmigkeit bei allen Beteiligten nochmals offiziell zu entschuldigen, scheint Wulff nur noch weniger zu verstehen, dass er sich des Politiker-Modus (“Krieg führen”) entsagen und – gemäß seiner Rolle als Bundespräsident – diese Dinge würdevoll zu den Akten legen sollte – so offen und so transparent wie möglich. Wieder lag hier eine Chance, wieder hätte er, der sich gerne als Abbild des Bürgers stilisiert und nicht als dessen Vorbild, die Chance gehabt, als Abbild des Bürgers mit seinen Schwächen und Verfehlungen doch vorbildhaft tätig zu werden, und zu zeigen, wie man solche Sachen beilegt. Wieder lässt er eine Chance verstreichen, zu zeigen, dass er oberster Souverän ist, wieder entscheidet er sich für ein Lavieren und Verschieben.

Erst, als der Druck zu hoch wird und weitere unappetitliche Veröffentlichungen der mittlerweile putzemunteren und in seltener Einigkeit vereinten Journalistenschar immer drohen, entscheidet sich Wulff zum einzig möglichen Schritt, ehe auch die Kanzlerin früher oder später zum Handeln gezwungen gewesen wäre (denn die Kanzlerin reagiert selten, aber doch zuverlässig immer dann, wenn die Situation außerhalb eines beherrschbaren Korridors zu gleiten droht), dazu, sich der Öffentlichkeit zu stellen.

Wieder jedoch fehlen ihm der Mut und die Chuzpe seines Vorgängers (der in einer solchen Situation vermutlich völlig baden gegangen wäre, aber eben aufrecht und mit wehenden Fahnen), sich souverän vor die Presse zu stellen, zum Beispiel in der Bundespressekonferenz und damit einerseits die Vorwürfe zu entkräften, andererseits aber auch seine Fähigkeiten im Ungang mit der Presse und seine Ernsthaftigkeit im Bekenntnis zur Pressefreiheit zu manifestieren.

Anstattdessen entscheidet er sich, sich für gut 20 Minuten zur besten Sendezeit seines Amtes entrücken zu lassen, und in einem ebenso bizarren wie mittlerweile auch legendären, einige Stunden vorab aufgezeichneten Fernsehinterview den gewogenen und für leicht genug befundenen Uli Deppendorf und Bettina Schausten Rede und Antwort zu stehen.:

Die Fragenden mühten sich nach Kräften, jedoch wagte Wulff in seiner immer noch verzweifelten Auffassung davon, er müsse die Situation jetzt partout besser darstellen, als sie ist, einige Vorstöße, die er besser hätte bleiben lassen – von der Intention einer Nachricht reden zu wollen, an die man sich selbst nicht mehr erinnert, wirkt ebenso unüberlegt wie, totale Transparenz zu versprechen und auch diese wieder nur – höchstens – als unreines Destillat zu liefern.

Auch die Chance auf einen letzten gelungenen Befreiungsschlag hat Wulff hiermit über kurz oder lang offensichtlich verspielt.

Denn, selbst wenn jetzt – und die Anzeichen dafür verdichten sich – nur noch Kleinigkeiten an den Tag kommen und aufgebauscht werden wie im amerikanischen Wahlkampf, es bleibt eben doch bei der grundlegenden Problematik, die ob der Schäden, die die Person Christian Wulff in den letzten Tagen erlitten hat, nun auch beginnt, auf seine Fähigkeit zur Ausübung des Amtes Bundespräsident, überzugreifen.

Christian Wulff kann als Bundespräsident nämlich nicht mehr oberster Souverän sein, solange er nurmehr ein Präsident vor Gnaden der Kanzlerin ist ebenso wie darauf angewiesen, dass der Axel Springer Verlag die offensichtlich noch auf Lager liegenden, politischen wie privaten Leichen nicht mehr ausgräbt. – Das jedoch heißt faktisch, dass es ihm kaum mehr möglich sein wird, die Regierung, wie es seinem Amte gemessen ist, hin und wieder zu kritisieren und kritische politische Kurskorrekturen aufmerksam zu beobachten, dass es ihm nicht mehr möglich ist, Gesetze, die er für grob verfassungswidrig hält, zu kassieren, ehe Karlsruhe es tut und hiermit die Hemmschwelle für das politische Berlin, Gesetze immer erst einmal “spaßeshalber”, sozusagen mit offener Prüfung nach Karlsruhe zu schicken, hoch hält. Es wird ihm noch nicht einmal möglich sein, Vertrauen, Medienfreiheit oder andere wichtige Werte ohne größeres, meist negatives Medienecho einzufangen. Er müsste damit leben, dass in Joachim Gauck weiterhin eine Art ‘Gegenpräsident’ durch die Lande zieht und würde mit dem Zeit nur noch der Abwicklungsbeauftragte für das Amt des Bundespräsidenten. Er würde früher oder später nur noch rastlos wie ‘Der Panther’ in Rainer Maria Rilkes gleichnamigen Gedicht, die wohlgesetzten Gartenzaunstäbe von Schloss Bellevue sein Gitter, die ihn vor der feindlichen Welt schützen.

Damit dient er, um die letzten Worte des Bundespräsidenten Köhler aufzugreifen, weder sich, noch seinem Amt, noch Deutschland.

In meinen Augen kann Christian Wulff seine Souveränität, sowohl als Person, als auch als Amtsinhaber nur noch durch den letzten, schwierigen Schritt zurückerlangen und sowohl dem Amt als auch dem Land hierdurch noch einen großen, letzten Dienst erweisen:

Sollte Christian Wulff es nämlich wagen, seinen Rücktritt inhalts- und teilweise wortgleich zu seinem Amtsvorgänger Horst Köhler zu erklären, also insbesondere im Verweis auf den mangelnden Respekt vor dem Amt, so würde es letztlich zwei Präsidenten im Verbund gelingen, den Finger auf den wunden Punkt zu legen und die Grundkonstruktion, sowohl der Wahl, als auch die Rolle des Bundespräsidenten vor der nächsten Wahl zum Thema machen und die Politik unter den Zugzwang setzen, nach etwas über 60 Jahren hier korrigerend tätig zu werden und Deutschland somit in eine unangenehme, aber deswegen nicht minder wertvolle Debatte stürzen. Unser Land ist stark genug und verkraftet mindestens zwei parallel geführte Debatten, beispielsweise über die Rolle des Bundespräsidenten und die wirtschaftliche Lage im Euroraum.

Herr Wulff hätte – im Falle eines Rücktritts – die Möglichkeit, sowohl seine persönliche Souveränität zurückzuerlangen, indem er sich zu seinen Verfehlungen nun doch noch offensiv bekennt, als auch – zumindest für die letzten Minuten – wieder ein überzeugender und charismatischer oberster Souverän zu werden, indem er die Bühne dafür nutzt, gegebenenfalls selbst Vorschläge zum weiteren Umgang mit dem Amt einzubringen, dem Volk seine Erfahrungen nahezubringen, auf Dinge hinzuweisen, die so schlicht fehlkonstruiert sind.

Auch könnte er der hetzenden Medienmeute in vollster Genugtuung die lange Nase zeigen, indem er ihnen den Triumph, die Trophäe nach der sie lächzen, nämlich seinen Rücktritt, nicht einfach so gönnt, wie sie ihn wollen, nämlich reumütig und kleinlaut, sondern in Größe und Würde. Dann dürfte er meinetwegen auch Kai Diekmann auf die Mailbox sprechen, er habe den Krieg gewonnen.

Die Bühne wäre ihm gewiss und warum sollte ein Bundespräsident eigentlich nicht (s)eine letzte große, überzeugende Berliner Rede halten und danach seinen Rücktritt erklären?

Das würde von Stil und Klasse zeugen, von Mut und Aufrichtigkeit, von Integrität und selbstverständlich auch von Souveränität zeugen, denn Souveränität heißt letztlich auch, sich von niemandem vorschreiben zu lassen, wann und wie man zurücktritt.

Der Bundespräsident käme seiner Aufgabe für die letzten Minuten vielleicht näher als viele seiner Vorgänger, wäre hernach ein zumindest in der Bevölkerung gefeierter Souverän, der wieder Souverän unter vielen wird und hätte auch dem politischen Deutschland einen großen Dienst erwiesen.

Freilich, dass es so kommt ist unwahrscheinlich. Um nicht zu sagen, überaus unwahrscheinlich – nein. Es ist, leider, ausgeschlossen.

Ausgeschlossen deshalb, weil der Bundespräsident Christian Wulff bedauerlicherweise immer noch zu sehr der Regierende Christian Wulff ist.

Sollte sich das Wunder aber doch noch ereignen, so wäre aus Christian Wulff doch noch ein exzellenter Zehnter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland geworden. Und es spräche nichts gegen die letzten Worte, die nicht minder berührend wären als die von Horst Köhler: “Es war mir eine Ehre, Deutschland zu dienen.”.

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Peter Kuscher Medien, Peet, Politik

Pec aktuell: Tunesische Verhältnisse…

27. Januar 2011

Zunächst mal möchte ich meinem Mitblogger zum Entschluss gratulieren, auf diesem Blog auch mal wieder vorstellig zu werden. Sein lesenswerter Blogpost befindet sich direkt unter diesem.

Nun zu den unfassbaren Bildern, die wir soeben vom Hotelfenster aus drehen konnten: Offenbar tobt die Revolution derzeit nicht nur in Nordafrika, sondern auch mitten im Herzen Europas, genauer gesagt in Pec pod Sn?žkou im Riesengebirge. Ganz deutlich ist die mangels Steinen mit Schneebällen werfende aufgebrachte Menge zu sehen. Die Staatsmacht versucht Herr der Lage zu werden und geht mit einigen Aufruhelern knallhart ins Gericht. Seht selbst:

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Peter Kuscher Peet

Pec aktuell: Der Mittwoch

26. Januar 2011

Hallo, liebe Daheimgebliebenen,

die allerbeste Nachricht vom gestrigen Abend vorneweg: Die Prohibition ist wieder aufgehoben. :D

Ansonsten gibt es erstaunlich wenig neues zu berichten, das Wetter ist unvermindert trüb, dafür verhältnisweise warm (so knapp über -4°/ also nicht viel kälter als in Berlin, wie ich höre… :p ). Der Sonnenschein soll erst wiederkommen, wenn wir wieder weg sind. Schade eigentlich.

Die Speisekarte ist auch recht unverändert, seit Tagen reißen Tobi und ich schlechte Witze über das Gewürz Kümmel in verschiedensten Variationen oder sehr qualitätvolle tschechische “Analog-…”-Produkte.

Probenmäßig nicht allzu viel Neues, nur zu gern hätte ich euch hier schon ein neues Video gezeigt, da das aber für alle Freunde  noch nicht zum Sehen bestimmt ist, müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. Kommt aber noch. ;)

In diesem Sinne hoffe ich jetzt einfach mal, dass uns heute wieder ein etwas noch entspannterer Abend bevorsteht.

Grüße in die Heimat.

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Peter Kuscher Peet

Vor allem Eins: Weiß.

25. Januar 2011

Während wir im letzten Jahr ja vorwiegend Kaiserwetter hatten, ist das Wetter in diesen Tagen mit mau eher euphemistisch umschrieben. Seht selbst:

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Peter Kuscher Peet

Wie ein Chor ohne Sänger – Pec trocken.

25. Januar 2011

Hallo, liebe Daheimgebliebenen,

die Pec-Gemeinde in der Chata Seibertová ist auch in diesem Jahr wieder zusammengetreten – wenn auch der Verlust des „Jahrgang“s unübersehbar ist.

Neben den Jahrgängern sind auch Arngang und Herr Friedrich in diesem Jahr nicht dabei, so dass der im letzten Jahr so legendär gewordene „Arngang“ einfach wieder „oben“ ist und auch sonst nur wenig vom Geist der letztjährigen Fahrt zu spüren ist.

Um euch nicht lange auf die Folter zu spannen:

Ja, es stimmt, das unfassbare ist eingetreten, gestern Abend herrschte zum ersten Mal in der neunzehnjährigen Geschichte der Pec-Fahrten zum Ersten Mal die Prohibition – ein absolutes Alkoholverbot für ALLE. Und ich rede nicht von den üblichen Ansprachen von Herrn Römer über Bruder Alkohol. Ich rede hier von der klaren Drohung, mit einer gewissen Person nach Hause geschickt zu werden, falls man dagegen verstößt. So blieben gestern auf der Konzuma?ní Lístek (zumindest die hält sich als Konstante) die Kategorien „Pivo“ und „Víno“ ohne Strich, da auch Frau Seibertová die Anweisung hatte, keinen Alkohol auszuschenken. Außerdem hat sich die „Kollektivstrafe 23 Uhr“ inklusive der Konsequenz, dass unserem heutigen Geburtstagskind erst am nächsten Morgen gratuliert werden durfte ja eh schon nach Berlin herumgesprochen.

Dazu möchte ich mich auch gar nicht weiter äußern, ich denke, Entscheidungsneurose trifft es ganz gut und alles andere kann man sich denken.

Nun gut. Nachdem also gestern die Abendprobe abgesetzt war, ging es heute wieder normal ans Proben und – soweit das überschaubar ist – auch wieder mit akzeptablen Ergebnissen. Wenngleich ich mir natürlich nicht verkneifen kann, meinen Stolz darüber zu zeigen, dass die Männer mittlerweile schon kürze Probenzeiten haben… Warum wohl nur!? Hehe. ;)

Hoffen wir also, dass dieser Trubel der Einzige bleibt und auch künftig wieder Pec-Fahrten stattfinden können (dann vielleicht auch mal wieder „peciger“).

Ich werde euch ein wenig auf dem Laufenden halten.

Grüße in die Heimat

Peter

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Peter Kuscher Peet

Mein Fahrrad-Tagebuch…

17. August 2010

“Wer sein Rad liebt, der schiebt…”

Die Bedeutung dieses Satzes wurde mir in den letzten Tagen mehr als nur gewahr, mehr sogar, als mir lieb ist…

Um kurz einzuleiten: Nach jahrelanger erfolgreicher Fußgängerschaft  (Ein Schelm, der sich jetzt “Fußgang, pass’ auf!” zusammenreimt… ;) ) bin ich nun – nicht zuletzt aus Zeit- und Kostengründen doch unter die Radfahrer gewechselt. Wenngleich ich einen schönen morgendlichen Spaziergang so über 10 km oder so nicht ausschlagen würde… :)

Nun also musste der passende Drahtesel gefunden werden und ich ward auch relativ fündig. Hier meine Erlebnisse:

Mittwoch:

11:00 Uhr – Suche ein Fahrrad

14:00 Uhr – Habe mich in ein entsprechendes Gerät verguckt. Werde spontan zur Probefahrt aufgefordert. Komme überhaupt nicht drauf klar, schließlich habe ich seit 5 Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen. Überlebe zu meinem großen Erstaunen unverletzt. Kaufe das Gerät aus purer Dankbarkeit.

14:05 Uhr – Kaufvertrag unterschrieben. Habe in weiser Voraussicht das Rad komplett versichern lassen, auch gegen Schäden, die aus meiner Unfähigkeit resultieren… :D

Donnerstag:

03:20 Uhr – Die Luft ist rein. Die Straßen sind leer. Bereit für das Harakiri-Manöver. Wenn nicht jetzt, wann dann? Schließlich kann ich so höchstens mir Schaden zufügen und gefährde nicht die Allgemeinheit…

03:25 Uhr – Muss das erste Mal die Spur wechseln. Ramme beinahe einen Poller mit Vollkaracho. Mit dem Schrecken davon gekommen. Ab dort auffällig problemlos…

Samstag:

18:00 Uhr – Treffe weitere Vorkehrungen zum Erhalt von Leib und Leben. Besorge mir im Tausche gegen einiges Scheingeld beim Fachverkauf in weiser Voraussicht einen adäquaten Kopfschutz.

Montag:

03:34 Uhr – Erste große Runde durch die bekannten Kieze gedreht. Tolles Gefühl. Dabei einmal ritualsgleich die RLO umrundet. An Flüche kann ich mich spontan nicht erinnern…

03:38 Uhr – Wollte schon zuhause sein. In meinem Rausch will ich aber noch einmal durch den Schlosspark. Bin gerade in voller Fahrt, da knallt es. Bremse sicherheitshalber.

03:39 Uhr – Wäre nicht nötig gewesen. Wäre eh nicht mehr weit gekommen. Kette gerissen. Schöne Schleifspur hinterlassen. Erstaunlich, dass das glimpflich abging. Das Rad wird von nun an in Richtung Wedding geschoben…

03:58 Uhr – Finde, dass es unsäglich lange dauert. Denke an Kindertage. Kombiniere genial. Stelle einen Fuß auf ein Pedal und stoße mich mit dem anderen vom Boden ab. Bin begeistert, dass das Prinzip “Rollerfahren” immer noch funktioniert. Fühle mich 15 Jahre jünger.

16:32 Uhr – Rad zur Reperatur gegeben. Jetzt wieder zurückbekommen. Die Kette sei ab Werk an den Endstücken nicht richtig geschlossen worden. Halleluja, Brüder und Schwestern, wollt ihr mich umbringen?!

23:59 Uhr – Wäre gar nicht nötig, bringe mich fast selber um. Komme auf der Baustellenbrücke am Bürgerpark (B96) in die nasse Straßenbahnschiene. Sehe mich schon binnen Millisekunden über die Betonwand in die Panke fliegen. Ein Teil meines vegetativen Nervensystems, der bei mir bis heute nicht vorstellig wurde, reißt meine Beine hoch und gewinnt den Kampf mit Rad und Schiene um das Gleichgewicht. Kann mich fangen. Schramme sogar um wenige Millimeter an der Betonwand vorbei. Biege vor Schreck erstmal rechts ab…

Dienstag

04:02 Uhr – Bin nochmals los, um Sicherheit zu gewinnen. Einmal durch den Mauerpark zum Alex und zurück. Jetzt noch ein wenig durch Pankow trallern. Läuft verdächtig gut.

04:03 Uhr – Verdacht bestätigt. Das Rad fängt plötzlich an zu vibrieren. Selbst der Laie merkt nach wenigen innerhirnlichen Schaltprozessen: “Da is e Rad platt!”. Steige entnervt vom Rad. Schiebe abermals vom Schlosspark nach Hause.

05:02 Uhr – Schadensbegutachtung. Soweit noch alles dran. Schleife das schmutzige Hinterrad in die Duschtasse, setze mich auf den Klodeckel nebenan.  Entferne das Profil und versuche den Schlauch aufzupumpen. Finde nach nicht einmal 10 Sekunden den Schaden. Bin angefressen, aber erleichtert, dass  es “nur” ein Loch im Schlauch ist. Beschließe, ein paar Stunden drüber zu schlafen…

13:34 Uhr  - Habe mich mit 2 Reifenflicksets ausgestattet. Man weiß ja nie… So kann mein Schlauch dann wenigstens aussehen, als habe er den Bürgerkrieg noch persönlich erlebt und wird trotzdem halten… Habe den ersten Flicken gesetzt. Wähne mich fast am Ziel.

13:35 Uhr – Wobei es nur ein Wahn war. Stelle beim Aufpumpen entgeistert fest, dass nicht nur ein Loch an der Innen- sondern auch an der Außenseite ist. Reiße den Flicken entnervt runter und montiere zwei neue. Das sollte halten.

13:42 Uhr – Nach dem Aufpumpen sieht der Schlauch aus, als würde er an der geflickten Stelle abgeschnürt. Ist aber faktisch nur die Unelastizität der Flicken. Beruhigt mich insofern, als dass an der Stelle in nächster Zeit wohl nichts mehr passieren wird…

13:43 Uhr – Kämpfe mit der Wiedermontage des Rades. Reifen und Felge, kein Problem, aber Kette und Bremse riesiges Problem. Sehe aus wie Sau.

13:45 Uhr – Mir ist soeben zum zweiten Mal das Rad aus der Halterung gefallen… Dummerweise auf meine Hand. Ärgere mich tierisch. Registriere bei abschwellender Wut, dass dabei immerhin die Kette eingerastet  ist…

13:50 Uhr – Gezeichnet von Öl, Schweiß und Tränen stelle ich fest, dass das Gebilde, was sich vor mir vom Teppich aus emporhebt verdächtig nach dem aussieht, was ich aus ihm zu machen trachtete. Teste mit einigen Pedalenumrundungen die Gangschaltung. Funktioniert problemlos. Sogar die Bremsen funktionieren noch…

Bleibt nur zu hoffen, dass von jetzt an alles hält…

Fortsetzung folgt

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Peter Kuscher Peet

Was macht Anton eigentlich?!

14. August 2010

Wenn ihr euch in letzter Zeit immer gewundert habt, warum nur noch ich und Marcus schreiben, kommt hier die Antwort:

Der jute Anton ist fahnenflüchtig und wir haben ihn – wenig überraschend – gefunden. Auf antonschubert.de bloggt der Schuft einfach weiter und sorgt dafür, dass das “A” in “AM BLOGen” im Moment ein sehr passives ist. Mal gucken, ob wir ihn eingefangen kriegen.

Weiter

Da lungert der Kerl also rum...

Ansonsten wird das hier ‘ne genossenschaftlich-brüderliche Blog-Kooperative. ;) – Wenn ihr wissen wollt, was der gute Anton im Moment so treibt, klickt ihr vielleicht einfach mal auf den Screenshot.

In dem Sinne, gut blog und immer ein stückweit Text unter der Wasserkante… :p

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Peter Kuscher Anton, Peet

Bundespräsident – mehr als nur ein Kostenposten?

5. August 2010

Ich bin Joshi noch einen Artikel schuldig… Hinweis dazu: Den habe ich am Tag 1 nach Köhlers Rücktritt begonnen zu verfassen und einige Monate später fertig gestellt, also nicht wundern. (Dementsprechend war natürlich auch die Vorrede für die Katz, ich zitiere sie dennoch in Auszuügen kurz… ;) )

…Allerdings scheint die mediale Welt das Thema ziemlich bald zu den Akten legen zu wollen, sieht man sich die Hautpseiten von Nachrichtenportalen oder die Gestaltung von Fernsehprogrammen  an – der mediale Richterspruch kam schnell und einhellig, “Horst ist ein Idiot”, lange ließ er sich (man lese sich nur viele Leserbriefe oder die Mehrzahl an Kommentaren auf Nachrichtenseiten durch) nicht halten, kurz (zum Beispiel auf heute.de) warf man noch die Frage auf, ob man denn nun selbst Schuld trage, um sie alsbald wieder zu verwerfen.  Die Botschaft ist klar, dass Thema ist gelaufen, Routine kehrt ein, jetzt beschäftigen wir uns mit der Nachfolgekandidatur, denn das läuft immerhin nach einem Prozedere ab, das wir gewohnt sind. So recht anfangen kann keiner etwas damit, also schweigt man sich lieber aus. Reflexion wäre zu mühsam.

Doch tatsächlich hat Joshi eindrucksvoll dargelegt, welche Problemkreise eigentlich betroffen sind.

Letztlich stellt sich die Frage, ob wir überhaupt noch zurecht kommen mit dem, was uns das Grundgesetz da vorsetzt. Und ausgerechnet Horst Köhler selbst hat erst kurz vor seinem Rücktritt öffentlich festgestellt, was Joshi ebenfalls konstatiert.

Allerdings stellt sich die Frage, ob wir die nunmehr bestehende Ordnung kritiklos hinnehmen sollten.

Wohl wahr, ein Land, das kein wirkliches Nationalgefühl kennt, kann kein Staatsoberhaupt kennen. Es ist historisch zutiefst verankert, kein Stolz und kein Gefühl der Folgsamkeit zu entwickeln, vielleicht auch, um Scham – über die Vergangenheit wie in der Zukunft – zu verhindern.

Aber tun wir uns wirklich einen Gefallen, wenn wir es hinnehmen, dass die Kanzlerin immer mächtiger wird und die Berliner Politik eine amour fou mit der femme fatale Karlsruhe führt?! Wollen wir uns darauf verlassen, dass dieses System, ein mehr oder weniger unfähiges Kabinett, eine über allem schwebende (sehr passend der Kommentar, man könne wohl nur ihr natürliches Ende abwarten) Kanzlerin und ein Verfassungsgericht, das bewusst das (im Verhältnis) mächtigste der Welt ist, aber deshalb nicht übermächtig werden sollte, es schon richten werden? Es gehört zu den Balancen unseres Staates, dass das Staatsoberhaupt kein unmittelbar involvierter Teilnehmer der gestaltenden Politik ist, nebenbei ist er auch nicht Teil der Exekutive, ihm sind dennoch alle Aufgaben der Art völkerrechtlicher Repräsentanz, Ernennen und Erlassen sowie Verkünden zugeordnet. Ein Blick in das Grundgesetz, genauer gesagt in den Verteidigungsfall – der sich immer gut eignet, um das gedachte “Gerüst” der bundesrepublikanischen Ordnung aufzuzeigen – macht die Rollen deutlich: Die Regierung beantragt beim Bundestag die Feststellung des Verteidigungsfalles, der Bundestag beschließt ihn, der Bundespräsident ist letztlich nur dafür verantwortlich, der Verteidigungsfall protokollarisch zu verkünden. Oberbefehlshaber wird der Bundeskanzler, nicht der Präsident. Von nun an wirkt der Bundespräsident erst wieder, wenn das Grundgesetz auch bei einem möglichen Friedensschluss noch Geltung hat, als derjenige, der den Verteidigungsfall für beendet erklärt.

Der Clou: Wenn’s sein muss, geht’s auch ohne Bundespräsident… – Und das ist – zwei Monate später – ein Eindruck, den man nicht ganz loswerden kann, der die Gesamtlage sicherlich gut beschreibt. Denn es ist nicht ausgemacht, ob der nun installierte Winkonkel Wulff sich tatsächlich aufraffen kann, zumindest die symbolische Funktion noch wahrzunehmen oder auszufüllen.

Eher denn wird auch diese Amtszeit eine blasse bleiben, die ausgedehnte Längen bei Empfängen und Ansprachen hat, aber eben doch nie schafft, gestrafft und prägnant einen Impuls zu setzen – eben mehr zu sein, als ein Theaterdonner.

Und dann werden wir in einigen Jahren wieder dastehen und uns fragen, was wir denn machen mit dem Amt. Beibehalten? Abschaffen? Verändern? Das Volk einbeziehen?!

Und wie immer werden wir hierauf keine Antwort finden und eh wir uns versehen hat die Bundesversammlung schon getagt und wieder wird wenig fortschrittliches passiert sein. Dabei müssten eigentlich gerade von einer politisch eher passiven, sagen wir am Spielfeldrand stehenden Figur wie dem Bundespräsidenten entscheidende, weil einigermaßen neutrale Impulse zur Umgestaltung unserer politischen Landschaft ausgehen. Wenn er nicht Mahner sein kann und nicht Macher sein darf, so sollte er zumindest Möglichkeiten aufzeigen. Diskussionen losstoßen, die die Tagespolitik nicht lostreten kann, weil sie sich damit sonst ihr Geschäft verdürbe. Um Einbußen fürchten müsste. Das alles muss man hinter den Toren von Bellevue nicht. Und dennoch braucht es Mut. Mut, Themen wie mehr Volksbeteiligung, den Schutz der Freiheitsrechte, Integration oder Umgestaltungen der politischen Landschaft im Zuge der Globalisierung anzusprechen und vor allem notfalls auch Konzepte und konkrete Lösungen vorzuschlagen. Nur so kann der Bundespräsidentenposten sinnvoll aus der Kartographie des Grundgesetzes heraus ausgefüllt werden. Diesen Mut muss der Bundespräsident Christian Wulff nun aufbringen.

Ansonsten ist er – mit dem Kabarettisten Frank-Markus Barwasser gesprochen – in der Tat nur ein Kostenposten.

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Peter Kuscher Peet

So werden wir doch noch einen Titel holen!

8. Juli 2010

Raab Bundestrainer_mod

…okay. ‘Ne Idee war’s wert…

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Peter Kuscher Peet

Vorbei.

5. Juli 2010

Nun ist es vollbracht, der letzte Fuß symbolisch aus der Schwelle gesetzt, die mir 14 Jahre ein Stück weit Heim war. Anlass genug also, um einige törichte Gedanken hervorzubringen.

:

“alles im lot!”

sagst du und grinst mich an.

“aber ich bin in not!”

sag’ ich und du fragst: “woran?”

:

ich kann dir dies grad

nicht einfach so schildern

die reue folgt der tat

und ach so aussagekräftigen bildern.

:

komisch die zeit,

da wir wehmut im überfluss haben

sind wir doch nicht so weit

unseren überdruss an demut zu laben.

______________________________

pergament ist sehr geduldig

fast so geduldig wie die zeit

beiden wird gottgleich gehuldigt

auch wenn am ende

nichts mehr bleibt.

:

und wohlbekannt ist uns die wirkung

ist nachzulessen alle konsistenz

doch ewigkeit  ist blanker irrtum

wie das “wissen” um des universums herzfrequenz.

:

magst du, mensch, dich zeigen,

dich monstrieren voll gewalt

alleine zeit will anderes beleiben

macht uns wesen  alt und kalt.

:

und eh ich noch in feuchtem flügelschlage

meine füße in die welt gesetzt

bin ich wie die hilflose wespe in ihrer wabe

schon das erste mal durch pein benetzt.

________________________

wenn zum tage hingewandt

unsereins die zeiten frisst

wenn hochgejazzt und abgedankt

ein jeder jeden bald vergisst

:

wenn das tal uns längst durchschritten,

wenn das leben uns zu lieben scheint,

hat’s gerade nur ein anderer durchlitten,

ist’s nur ein fremdes auge, das so heftig weint.

:

wenn der morgen uns geboren,

uns die welt zu füßen liegt -

ist die frucht der menschlichkeit vergoren

hat der mensch die menschlichkeit besiegt.

____________________________

wer sich noch retten will, der fliehe jetzt,

der breche aus und komme frei,

der wehre sich an ort und stelle gegen zeitgeschwätz

und die verflixte ruhmanbeterei.

:

wer lieben kann, der starte auf der stelle

und errichte mit aller kraft und macht

einen damm aus herzlichkeit vor der nidertrachtswelle

die aus menschen willfährige bestien macht.

:

wer noch ein ideal sein eigen nennt,

der halte es nun stolz in den wind;

verteidige es notfalls wie das letzte hemd

und zeige, dass menschen aufrechte wesen sind.

:

*kein anspruch an ordnung und ästhetik, keine gewähr, nicht gut.*

:

Zum Abschluss denn noch dieses kleine hier:

:

Es sind trübe Momente -

die Erinnerung verblasst;

sind letzte Spurenelemente

und Vergessenswut die rast.

:

Es sind ziellose Töne

die wie Nebelschwaden schwingen.

Es sind triste und sind schöne

Erinnerungen, die das Herz zum Klingen bringen.

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Peter Kuscher Peet

Surrealismus?!

20. Juni 2010

Fangentladung

Fangentladung

Surrealismus?! Von wegen! Diese genialen Erscheinungen sind so genannte ‘Fangentladungen’. Erinnert ihr euch an die Blitzmaschine im Physikunterricht?! Dann wird euch aufgefallen sein, dass man beide Pole braucht, damit es eine Entladung gibt, die wir als Blitz wahrnehmen.

So ist das nicht nur im Modell, sondern auch im ‘natürlichen’ Vorkommen. Von der Erde werden Ladungen dem Blitz “entgegengeschickt”, die sich dann mit den Entladungen von “oben” verbinden und den Blitzkanal bilden…

Alles Gute kommt von oben?! Keine Ahnung. Blitze auf jedenn Fall nicht. Und wenn man es gut genug einfängt, sieht es so atemberaubend und fremd aus.

Da sage noch einer, wir würden kennen, was uns umgibt…

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Peter Kuscher Peet

Es gibt Leute…

2. Juni 2010

…die offensichtlich einen untrüglichen, messerscharfen Instinkt haben. Wilfried Schmickler, bekannt als cholerischer Aufräumer in den WDR – Mitternachtsspitzen, muss ein solcher sein.

Es ist Tag 2 nach dem Rücktritt von Horst Köhler, Ursula von der Leyen soll es – so das Volk nicht allzu laut aufbegehrt – denn wohl werden. Mich aber fasziniert etwas ganz anderes.

Prophetengleich nimmt sich Wilfried Schmickler am Montagmorgen, noch weit bevor Kanzlerin, Bundestagspräsident, Verfassungsgerichtspräsident und andere von Horst Köhlers Entscheidung, zurückzutreten, erfahren dem Thema des noch amtierenden Bundespräsidenten an, geht durch seine Amtszeit und setzt in einem pointierten Finale den Schlussstrich, den auch Horst Köhler einige Stunden später ziehen wird. Meine Hochachtung!

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Peter Kuscher Peet

Der Vollhorst der Nation – Wer ist hier eigentlich gescheitert?

1. Juni 2010

Es gäbe kuscheligere Themen, um den Blog mit nurmehr 2 Autoren wieder aufzunehmen. Weniger streitbare. Bequeme. Themen, die sich runterlesen wie Seifenwasser oder die Weihnachtsansprache von Horst Köhler.

Und ausgerechnet dieser Horst, dieser Idiot, dieser “Vollhorst” tritt heute zurück. Und eine ganze Kaste, ein ganzes System, das System des politischen Berlin steht unter Schockstarre.

Die ARD befindet es für nötig, diesen historischen Moment mit Endlosschleifen und immerselben Kommentaren zu füllen, kriegt es nicht einmal zustande, eine ad-hoc-Schaltung zur Pressekonferenz der Bundeskanzlerin (wohlgemerkt 3 1/2 Stunden nach dem Rücktritt Köhlers) aufzubauen und flüchtet sich in Gespräche mit Hugo Müller-Vogg, einen Autoren der Bild-Zeitung, der wohl einflussreich ist in Berlin, der aber mit Floskeln wie “Köhler macht den Lafontaine” beweist, was Köhler vor nunmehr rund 4 Stunden beklagt hat. – Den mangelnden Respekt vor seinem Amt (und, das fügte der schüchterne und zugleich entschlossene Schwabe wortlos durch einen letzten, starren  Blick in die verdutzten Gesichter der Journalisten an, vor seiner Person).

Alle stellen sich die Frage “wieso” – und alle machen munter mit. Die einzigen, die in all der politischen Maschinerie, die nach einer Notanimation stockend wieder anläuft, halbwegs die Dimension zu erfassen scheinen, sind die Sozialdemokraten, die jetzt aus “Respekt” nicht noch am selben Tag über Namen sprechen wollen. Zumindest nicht vor der Kamera. Wenn sie aus ist, wird – so ist vielfach zu lesen – auch in den Köpfen von Sigmar Gabriel oder Frank-Walter Steinmeier eine mächtige Rotation wirken.

Der Rücktritt von Horst Köhler entblößt Berlin. Entblößt die Journalisten. Fast zwei Stunden lang wird es heißen, dass Deutschland nun “ohne Staatsoberhaupt” sei, erst am Abend wird man im Layer unter dem Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen der Zusatz “Bundespräsident” erscheinen. – Auch das ist mangelnder Respekt vor seinem Amt, aber auch vor dem Grundgesetz, dass das Amt begründet. Das Unwissen um die Verfassung und die überstürzte Verbreitung scheinbar gesicherter Tatsachen zeigen einmal mehr, dass Faktizität im Berichterstattungsprozess eine untergeordnete Rolle spielt.

Denn spätestens um 22 Uhr stehen Politikwissenschaftler und Kommentatoren aller Couleur vor dem Mikrofon und spekulieren sich den Ast ab, den sie bis eben noch zu stützen versuchten. Was denn wohl die Gründe für seinen Rücktritt seien, was das nun für das Land in dieser “schweren Krise” für dramatische Folgen habe und überhaupt, wie er wohl so verweichlicht und schwächlich sein könne, nun hinzuschmeißen. Mir schallt ein Zitat aus der letzten großen Berliner Rede von Horst Köhler in den Ohren “Wir brauchen wieder ein Gefühl: Das macht man nicht!”, dass er so ganz sicher nicht gemeint hat. Es zeigt, wie abgestumpft die politischen Eliten sind. Wie wenig Menschlichkeit und die Suche nach Wahrheit eine Rolle spielen. Wie sehr das möglichst menschliche Spielen einer Rolle zur Wahrheit wird. Und wie wenig all das mit dem zu tun hat, was uns tatsächlich Sorgen bereiten sollte.

Was für schwerwiegende Auswirkungen hat Köhlers Rücktritt für die Tagespolitik, wer lässt wen im Stich?!

Köhlers Fehlen bedeutet die Abwesenheit des letzten größeren Repräsentanten in der Bundesrepublik, der nicht nur fähig war, Kritik zu üben, sondern vielmehr sie begründet zu üben. Der Bundespräsident, der mit “Vorfahrt für Wachstum” auch für mich persönlich unsympathisch war, schien – mit Sachverstand und Auffassungsgabe ausgezeichnet – mit den Jahren zu begreifen und immer fähiger, Zusammenhänge offenzulegen. Nur, dass dies nun keiner mehr hören wollte. Sollte anfangs noch “Super-Horst” Deutschland und die Arbeitsplätze retten, wollte zuletzt wirklich niemand mehr seine messerscharfen Analysen zu fehlerhaften wirtschaftlichen Zusammenhängen in der Welt hören. Lieber fragte man sich, wo er denn bliebe?! Wann er denn was sage?!  - Horst Köhler sprach. Auf Kongressen, bei Diskussionen, mit den Bürgern. – Allerdings hatte niemand ernsthafte Ambitionen, ihm dabei zuzuhören.

Dabei hat er gewarnt. Er hat analysiert. Er hat bereits seit dem letzten Oktober gefordert, die Politik dürfe den Banken nicht schon wieder freie Hand gewähren. Die nächste Krise, so sei er sich sicher, würde mehr ins Wanken bringen als nur das Finanzwesen. Und, so immer noch Köhler im Original aus einer exemplarischen Rede, Europa brauche dringend eine einheitliche, europäische Ratingagentur. Das sagt er wohlgemerkt noch vor dem Wiederaufflammen aller Probleme, zudem geben ehemaligen Mitarbeiter beim IWF zu verstehen, er habe bereits zu seiner Amtszeit über die Idee einer Transaktionssteuer nachgedacht und Machbarkeitsstudien ausarbeiten lassen, Konzepte, auf die Dominique Strauss-Kahn – wenngleich er die prinzipielle Machtlosigkeit seiner Behörde eingestehen muss – heute wieder zurückgreift.

Das Problem ist aber, dass das niemand mehr ernstlich hören wollte. Er kam zur Unzeit. In der Krise hätte er sich doch bitte äußern sollen, dass Köhler reflektiert, vordenkt und sich – wie es aus meiner Sicht zum Amtsverständnis eines Bundespräsidenten gehören sollte – antizyklisch zu Wort meldet, wird nicht honoriert. Auch hier scheint das Amt des Bundespräsidenten wertlos zu sein, wenngleich Köhler (noch) nicht resigniert, muss er doch mit ansehen, dass seine Meinung scheints ungefragt ist.  - Dass er die Wahrheit sagt, scheint Berlin nicht zu interessieren. Mit der Wahrheit gewinnt man keine Wählerstimmen. Schon gar nicht vor einer Landtagswahl.

Und so ist dieser Horst Köhler, der neunte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, letztlich zum Opfer dessen geworden, was ihn über seine komplette Amtzeit antrieb: Die Wahrheit.

Horst Köhler wollte es wissen. Unvergessen, wenn er sich zu Demonstranten begab, um trotz Warnungen allerseits das Gespräch mit ihnen zu suchen und ihnen – welch Unsitte – auch noch respektvoll begegnete und das vom Volk zurückbekam, was er gab. Unvergessen auch seine zahlreichen sog. “Fauxpas”, wie das Festellen der faktischen Ungleichheit zwischen Ost und West, was ihm die Unterstellung einbrachte, er wolle es so. Aber das war kein Politikum. Damals scharrten sich die Politiker alsbald hinter ihn, man tue ja alles, um das zu ändern. Außerdem seien geographische Unterschiede ja nicht ganz von der Hand zu weisen.

Sein letzter Fauxpas allerdings ist anders gelagert. Horst Köhler tut sich schwer mit Unwahrheiten, und so spricht er im Interview mit Deutschlandradio von der Sicherung wirtschaftlicher Interessen Deutschlands, während er auf dem Rückflug von Afghanistan ist. Selbst, wenn seine Äußerungen tatsächlich auf Einsätze wie den am Horn vom Afrika bezogen waren, denn in dem Fall käme erschwerend hinzu, dass Köhlers Worte nahezu deckungsgleich sind mit Stellungnahmen des schwarz-roten Verteidigungsministeriums, diesmal ging Köhler so oder so zu weit.

Er hatte die Chuzpe, den Finger in die Wunde zu legen, er wagte es, über das Sakrosankt Krieg offen und ehrlich zu reden. Das war zu viel für die Berliner Meinungsmacheindustrie. Sofort waren neben – zurecht – empörten Bürgerstimmen auch Rücktrittsforderungen laut geworden, er argumentiere verfassungswidrig. Es gehört zu diesem merkwürdigen Spektakel, dass der Bundesverteidigungsminister kurz darauf völlig folgenlos gegenüber der Nachrichtenagentur AFP angeben durfte, dass Wirtschaftsinteressen und Sicherheitspolitik „in Verbindung stehen“ könnten.

Ein kriegsähnlicher Zustand, eine hypothetische Verknüpfung wirtschaftlicher mit kriegsähnlichen Interessen, all das schultert das politische Berlin mit links. Wehe aber, wenn der Präsident den Konjunktiv weglässt. Dann ist es egal, ob die Soldaten ihm dankbar waren für die Gespräche, die ihnen mehr Mut gemacht hätten als jeder andere Besuch bislang, denn er sei immerhin ehrlich gewesen. Das zählt nicht mehr.

Sicherlich ist es lächerlich, wegen einer solchen Debatte zurückzutreten. Die Summe aller bisherigen Schüsse gegen den Bundespräsidenten, der mal Gesetze nicht unterschrieb und sich dafür anraunzen lassen musste, er solle sich “nicht in die Tagespolitik” einmischen, an anderem Ort dann in genau dieser Tagespolitik wieder vehement gefordert wurde, der mal diplomatisch schwierige Missionen mit Bravour leistete und maßgeblich zur vorläufigen Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel beigetragen hat, aber dann doch bitte nicht zu sehr an internationalem Profil gewinnen und dann doch lieber Sommerfeste ausrichten sollte, der es schaffte, was ein Polititprofi nie geschafft hätte, die Trauer nach Winnenden heilsam zu kanalisieren und Menschen halt zu geben und doch nie zu viel Kontakt mit den Bürgern haben sollte, sondern jetzt doch endlich wieder in Bellevue zu anderen Themen stellen sollte, diese Summe rechtfertigt seinen Rücktritt und nebenbei auch den Rücktrittsgrund.

Es bleibt zu wünschen, dass die Politik nun den Schuss Köhlers gehört hat und bei der Suche nach einer:m NachfolgerIn im Amt der:s Bundespräsidentin:en nun nicht versucht, die Fehler am letzten Bundespräsidenten (zu ehrlich, zu bürgernah, zu unbequem, “zu wenig Politiker” (womit eigentlich eine mangelnde Skrupellosigkeit begklagt wurde)) bei dem:r neuen AmtsinhaberIn  abzustellen, sondern jemanden sucht, der eine gesellschaftlich annerkannte Person ist, die für ihr Querdenkertum und ihren Mut zu reden bekannt ist. Eine:n die sich auch nicht zu schade ist, im Kreuzfeuer zu stehen. Die Politik muss jetzt unter Beweis stellen, dass sie in der Lage ist, jemanden in das Amt der Bundespräsidentin zu heben, der stärker ist oder zumindest so stark, dass sie ein Gegengewicht zur “Tagespolitik” bilden kann. Das können nicht gescheiterte MP’s wie Rüttgers oder Koch sein, dass können keine Minister sein, die aufrücken wie Von der Leyen oder Schäuble. Dieses Amt muss jetzt mit zivilgesellschaftlichen Personen besetzt werden, der Name Margot Käßmann ist gewagt, aber zurecht genannt, auch über Petra Roth kann man streiten, ich persönlich würde auch Personen vom Profil Klaus Töpfers befürworten – die Hauptsache ist nun, dass der Posten “BundespräsidentIn der Bundesrepublik Deutschland” nun nicht zum Witz verkommt, sondern mit Profil gefüllt wird. Das kann kein etablierter Bundespolitiker. Der Bundespräsident ist von der Verfassung als (wenn auch ruhiger) Gegenpol vorgesehen. Und nicht nur als nur lächelnder Mitläufer. Sollte die Wahl, die in den nächsten 30 Tagen zu treffen sein wird (und damit prekärerweise genau in die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft gefällt werden muss, in der normalerweise ungeliebte Gesetze durchgewunken werden, wohl auch deshalb die Verärgerung der Politik) auf eine:n profillose:n KandidatIn fallen, wäre Horst Köhler auch dieses Mal mit seiner Klage vor mangelndem Respekt vor dem Amt prophetisch in Erscheinung getreten. Sollte die Wahl auf eine:n starke:n Kandidatin fallen, hat er der Bundesrepublik in seiner letzten Amtshandlung seinen vielleicht größten Dienst erwiesen.

Horst Köhler ist zurückgetreten. Er hat sein Amt verloren. Nicht aber seine Ehre. Denn die war, Deutschland zu dienen.

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Peter Kuscher Peet

Frohe Weihnacht!

19. Dezember 2009

Na Bravo! Endlich vollbracht!

Frohe Weihnacht!

Tönt es allethalben! Zumindest in meinem unmittelbaren Umfeld, dem Umfeld der Schule. Wohl geht es vielen nicht anders, die langsam, aber mit zunehmender Sicherheit ein Licht oder zumindest die Funzel des Weihnachtsbaumes am Ende des schwarzen, arbeitsbeladenen Tunnels glimmen sehen.

Heimeligkeit will sich einstellen und man freut sich darauf, nach langer Zeit endlich mal wieder die – mal mehr, mal weniger – geliebte Sippschaft zu sehen und im allgemeinen Weihnachtstaumel unterzugehen und allen Comedynummern, die uns Glauben machen wollen, Weihnachten sei wie jedes andere Fest auch nur eine einzige zwischenmenschliche Katastrophe, zu trotzen, indem man die paar Sekunden Gemeinsamkeit, die man im Jahr hat, auch wirklich genießt.

Wir leben nicht zuletzt auch, um zu geben, was wir zu geben vermögen und zu nehmen, was wir zu nehmen vermögen. Ist der Spruch “Frohe Weihnacht” da eigentlich der richtige?! Natürlich steht außer Frage, dass Weihnachten auch ein christliches Fest ist und gerade überzeugte Christen das Recht haben, diesen Tag zu feiern und – in der ihrer Relegion innewohnenden Demut – zu zelebrieren. Aber ist Weihnachten nicht eigentlich auch etwas anderes, etwas zweites geworden? Sehe ich nicht jedes Jahr aufs Neue große, kleine, alte, junge, glückliche und nachdenkliche Menschen am Bahnsteig stehen und alle tragen drei oder mehr Rucksäcke mit sich herum? Einmal den, indem sie ihre Kleidung und das nötigste tragen, was man halt braucht für die kalte Jahreszeit, einen, in dem sie die Geschenke für ihre Liebsten haben und einer, der die Geschehnisse des letzten Jahres in sich birgt und aufhebt, wohl behütet und liebevoll geschützt vor den Blicken der Welt, egal ob gute oder schlechte Erinnerung, bereit dafür, dieses eine Mal im Jahr entrümpelt zu werden?!

Würde es auch keiner von uns zugeben wollen, so kann man es zumindest fühlen, wie sich die Menschen (und ich zähle mich dazu), egal ob junger oder alter, greiser Mann, egal ob junge Frau am Beginn eines blütevollen Lebens oder alte, weise Frau, die weiß, dass ihre Blüte schön war und ihre Blüten nunmehr im Herzen trägt, all diese Menschen sehen sich ein wenig eingeschüchtert um, atmen ein letztes Mal die Fremde der großen, weiten Welt, ehe sie vielleicht schon in Kürze wie jedes Jahr einmal ihren Fußstapfen dorthin in den Schnee setzen, wo sie es als Kind auch schon getan haben, und sie werden sich schmerzvoll erinnern, dass damals noch andere der Szenerie beiwohnten, die mittlerweile ihren Eingang in die Beinahe-Vergessenheit gefunden haben und die dieses eine Mal im Jahr für wenige Wimpernschläge wieder mit Leben erfüllt werden.

Und hier kommen wir hin, uns erinnernd und besinnend einer besseren, weil früheren Zeit und uns gleichzeitig sehend vor der Tatsache, dass wir dem albernen Brauch des gegenseitigen Geschenkes längst überdrüssig sind und doch jedes Jahr ums Neue bis zum Moment, da jeder das – mal mehr, mal weniger – liebevoll angelegte Geschenkpapier vom Gegenstand, den es zieren soll, ein innerliches Zittern hinsichtlich des Wohlgefallens der ausgewählten Stücke herrscht, dass man manchmal meint, ganze Straßenzüge beben zu hören. Einige Augen leuchten noch besonders hell. Ihnen ist der Glanz nicht zu nehmen. Und insgeheim beneiden wir sie, die Kinder, die noch voller Hoffnung sind auf ein gutes, erfülltes Leben und die sich den Glauben an das Gute noch nicht haben nehmen lassen. Gerne wären wir so wie sie. Und wir behüten ihr Geheimnis einer besseren Welt wie unseren Augapfel und verteidigen die Existenz des Weihnachtsmannes so lange vor der kindlichen Neugierde, bis der letzte Damm gebrochen ist und manchmal sogar darüber hinaus.

Haben wir nicht manchmal auch im Geheimen noch einen Wunschzettel in unserem Kopf? Schwirren nicht auch uns noch Hoffnungen durchs Hirn, die mindestens genauso utopisch sind, wie die Hoffnung auf ein echtes Pferd oder den supertollen aber eben auch superteuren Legobausatz, den der Weihnachtsmann am Ende doch nicht im Gepäck hatte. Und wie sich das Kind im Stillen allem zur Schau gestellten Unmut zum Trotz insgeheim doch fragt, ob es auch artig genug war, um das Geschenk zu verdienen sollten wir uns auch manchmal fragen, ob wir das, was wir uns so sehnlich wünschen wirklich verdienen, ganz gleich, ob es an der Machbarkeit scheitert oder nicht.

Der Mensch existiert zuerst im Herzen, dann im Hirn und erst zuletzt als Körper. Wem das Modell nicht esoterisch genug ist, darf hier die indische Schakren-Lehre oder sonstwas heranziehen, um es zu erweitern, wem es zu esoterisch ist, darf das Herz weglassen, am Grundtatbestand vermag das eh wenig zu ändern. Wenn wir anders handeln als wir denken und zweierlei ausstrahlen, das heißt am Ende auf so vielen Ebenen neunmalklug daherreden, dass wir aus der alltäglichen Shizophrenie des Menschengeschlechtes sogar noch deutlich herausragen,  brauchen wir uns nicht wundern, wenn unsere Träume niemals wahr werden.

Deswegen sollte es nicht nur “Frohe Weihnachten!” heißen, sondern allzumal “besinnliche Weihnachten”, ja ich würde so weit gehen und wirklich guten Freunden “denksame Weihnachten” wünschen. Auf dass wir unsere dritten Rucksäcke, die wir mit uns herumschleppen gründlich ausrümpeln und uns nicht vor unangenehmen Fragen scheuen, am Ende staunend vor dem stehen, was uns im letzten Jahr wiederfahren ist, wenn uns der Turm der angestauten Erlebnisse so groß anmutet wie einst der scheinbar riesige Weihnachtsbaum unserer Kindheitstage. Und wenn wir ihn dann ausgerümpelt haben, unseren Rucksack, sollten wir auch mutig sein und uns die paar Tage Zeit nehmen, intensiver nachzudenken, vielleicht auch ein gutes Gespräch zu suchen, mit der liebevollen Mutter, dem wachsamen Papa, der weisen Großmutter oder dem gebrechlichen, aber dennoch vom Herzen aus strahlenden Großvater und zuhören, was uns andere zu sagen haben, so lange wir nur zuhören können und von diesem großen Privileg fremden Wissens gebrauch machen, wohl wissend, dass auch dieses in naher Zeit schon in Beinahe-Vergessenheit geraten könnte.

Im Idealfalle nehmen wir am Ende der Festtage mindestens 3 Dinge mit auf unseren Weg zurück in der Fremde, teils unheimliche Welt: Den Rucksack, in dem wir unsere Kleidung und das Nötigste mit uns tragen, und zwei Flügel, die uns im kommenden Jahr tragen mögen: Die Hoffnung, die wir den leuchtenden Kinderaugen entliehen haben und die Weisheit, die uns die Herzen und/oder Hirne unserer Nächsten geschenkt haben. Unsere Aufgabe wäre es dann, in diesem Geiste die Welt aufs Neue zu beseelen, ehe wir wieder einkehren, einmal im Jahr die Bahnsteige bevölkern zu dem, was einige der wenigen mir bekannten Amerikaner “Christmas Homecoming” nennen und in unseren Taschen nesteln und irgendwie auch in unseren Köpfen mit einem Schuss kleinkindlicher und naiver Vorfreude, die wir uns bis zuletzt nicht nehmen lassen.

In diesem Sinne wünsche ich allen mit ganzem Hirn und ganzem Herz eine frohe, besinnliche und besonders glückliche weil denksame Weihnachtszeit und ein wunderbares Neues Jahr, das nicht nur ein weiteres, sondern ein besseres in unserer Zeit auf Erden wird!

Also dann doch: Frohe Weihnacht! :)

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Peter Kuscher Peet

Ein bisschen Neues…

27. November 2009

Man soll es ja nicht glauben, aber ich versuche jetzt mal das Experiment Bloggen wieder aufzunehmen, an dieser Stelle auch herzliche Grüße an meine Freunde Marcus und Anton! ;)

Man könnte jetzt – nicht zu unrecht fragen – was bei mir so groß passiert ist. Nunja. Der Schulsprecherwahl ging zwar knapp – aber dennoch – verloren, ca. 35 Stimmen gaben am Ende den Ausschlag. Aber so ist die Demokratie, es gibt Gewinner und die Verlierer. Meine Hoffnung ist, dass die Wahl der Schüler eine kluge war und sich dennoch möglichst viel von meinen Wahlzielen umsetzen lässt.

Auf sportlicher Ebene passiert im Moment herzlich wenig, um nicht zu sagen nichts, des Wochenends bin ich zwar immer noch auf dem Sportplatz, aber spannend ist was anderes.

Nunja.  Trotz allem ist viel los im Moment, unter anderem bin ich mittlerweile Vorsitzender des Bezirksschülerausschusses Pankow und ja auch voll im Abiturstress. Ihr merkt schon, langweilig wird mir nicht….

Da ich jetzt nichts bloggen will, was eh keinen interessiert: Machen wir es interaktiv: Sollte es noch Leser geben, darf dieser Artikel kurz kommentiert werden, sollte Interesse zu einzelnen Punkten bestehen, immer einfach kommentieren, mir fällt schon ne Geschichte ein! ;) Ansonsten wird demnächst von der Vorbereitung des Weihnachtskonzertes gebloggt.

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Peter Kuscher Peet

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