… da tanzen die Mäuse. Nun ist Nobert Lammert nicht die Katze, sondern der Bundestagspräsident und sitzt damit auch der Bundesversammlung vor, welche am Samstag den Bundespräsidenten wählte.
Nun, wie man der unüberschaubaren Berichterstattung der deutschen Medien entnehmen konnte, wird der Bundespräsident alle fünf Jahre von der Bundesversammlung am “Verfassungstag”, dem 23. Mai gewählt. Warum auch immer “Verfassungstag”, das heißt doch bei uns “Grundgesetz” und ich erspare mir die üblichen angehängten Sätze von wegen ursprünglich Provisorium blabla. Toll wie der Zufall ist, fällt dieser Tag in diesem Jahr auf die Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag unseres lieben Vaterlandes (also gut, ich nenn das jetzt mal so auch wenn ich offiziell noch DDR-Kind bin) auf eben diese Bundespräsidentenwahl. Und das ist auch der Grund dafür, dass Genosse Merkel bzw. sein Lehrer, der Gewehrmündung ins Auge blicken durfte: Der Festakt zum 60. fand im Konzerthaus statt – und zwar einen Tag vorher, wegen der Wahl. Dabei soll man doch nicht zu früh gratulieren!
Zurück zur Bundesversammlung. Damit die Bundestagsverwaltung mal was zu tun bekommt, wurden zwecks der Behausung von über 1200 Abgeordneten bzw. Wahlmännern/frauen sämtliche Tische und Stühle aus dem Plenarsaal entfernt, lediglich die Regierungsbank, das Präsidium und die erste Tischreihe blieben verschont. Dort versammelte sich die Politprominenz des Bundestages, währen der Plebs dicht gedrängt auf den Stühlen dahinter Platz nehmen musste.

ARD und ZDF: Jeder darf mal ne Frage stellen.
Zuerst war alles normal. Phoenix begann drei Stunden vor der Eröffnung der BV mit der Berichterstattung aus der Lobby des Reichstagsgebäudes um mit den Politikern über immer die selben Fragen zu reden: Wer wird gewinnen? Wird die Linke Peter Sodann nach einem ersten Wahlgang herausnehmen? Wie viele Grüne wählen Horst Köhler und nicht Gesine Schwan? Den ganzen Tag lang. Und natürlich: “Was hieße die Wiederwahl Köhlers für die Bundestagswahl? Was hieße eine Wahl von Gesine Schwan? Dabei ist es doch wohl offensichtlich, dass sich die Bundesversammlung aus den derzeitigen politischen Verhältnissen zusammensetzt, nicht aus dem derzeitigen Volkswille. Wenn man das Volk fragt, wen sie gerne zum Bundespräsidenten hätten und daraus Schlüsse für September ziehen würden, müssten ja CDU/CSU die 2/3-Mehrheit locker knacken. Lediglich die Möglichkeit, Gesine Schwan würde mit den Stimmen der Linken gewählt, wäre ein Linksrutsch für die SPD, zumindest in den Augen mancher Wähler und der Medien.
Kurz nach 12 Uhr ging es dann also los. Norbert Lammert, bekannt für seine nicht gerade kurzen Formulierungen der einfachsten Dinge (was aber Spaß macht) hielt sich an seine 15 Minuten, und stellte die alles entscheidende Frage: “Die Bundesversammlung ist beschlussfähig, wenn mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend ist. Zweifelt da jemand dran, sonst würde das natürlich alles ein wenig verzögern.” Daran zweifelte glücklicherweise niemand und so verlas er prompt die Kandidatenliste. Und nach dem Beschluss, die 60 SchriftführerInnen des Bundestages für die Bundesversammlung zu ernennen, durften jene zwei Beisitzer Lammerts die nächste dreiviertel Stunde damit verbringen, über 1200 Namen zu verlesen. Und da Hr. Westerwelle wusste, dass W sehr spät im Alphabet kommt, ging er erst einmal zu Phoenix um sich den bekannten Fragen zu stellen. Und danach zur ARD und zum ZDF. Ein wenig später war Ottfried Fischer (nominiert über die SPD Bayern) beim Interview um sich für Fr. Schwan auszusprechen. Das ging so weiter und weiter bis es irgendwann auf die 14 Uhr zuging und langsam das Ende der Auszählung erwartet wurde. Weiterhin kein Zeichen Lammerts.
Nach 14 Uhr füllte sich der Plenarsaal wieder und man konnte erahnen, dass es was gibt. Auf Schloss Bellevue wehte fleißig die Flagge des Bundespräsidenten, er war noch daheim. Man sollte meinen, das Ergebnis dieser Wahl ist geheim, bis der Präsident Lammert es verliest. Doch denkste!

Norbert Lammert wartet...
Ohne weitere Anzeichen betrat die Blasmusikkapelle den Saal und setzte sich auf die Stühle vorne. CDU/CSU und FDP standen schon mal auf und applaudierten. Ein wenig später kamen Saaldiener und reichten den Fraktionschefs Blumen, die diese möglichst schnell unter ihrem Tisch versteckten (dazu haben sie die also drin gelassen!). Üüüüüberhaupt nicht auffällig liebe Bundesversammlung! Und derweil wartete Norbert Lammer, von einer Kamera begleitet, vor dem Eingang des Reichstagsgebäudes und wartete. Und wartete. Kaum ist man mal außer Haus, geht im Saal alles schief muss der wohl im Nachhinein über die Aktionen im Plenarsaal denken… Doch warum wartete er noch draußen?

Herzlichen Glückwunsch, Herr neuer/alter Bundespräsident?

Ein einsamer Gang des Präsidenten...

Applaus für Köhler, der etwas merkwürdig alleine vor dem Tisch der Kanzlerin steht.
Das Ergebnis könnte doch auch lauten: 49% Köhler, auf in den zweiten Wahlgang! Weiterhin angespannte Gesichter bei SPD, Grünen und Linken…
Und langsam sollte man erwarteten, dass das Ergebnis da ist aber Lammert wartet weiterhin vorm Reichstagsgebäude. Worauf denn?
Irgendwann kam dann doch eine Autokolonne und der Bundespräsident kam heraus. Ein wenig später betrat Norbert Lammert wieder den Plenarsaal, Köhler nahm nicht wie vorher auf der Tribüne Platz, ganz im Gegensatz zu seiner Frau Eva. Lammert begründete die Verzögerung mit einer dritten Auszählung der Stimmen.
Nun denn, der Präsident verlas das Ergebnis: “Auf Prof. Horst Köhler entfielen 613 Stimmen…”. Tosender Applaus von CDU/CSU und FDP, die anderen machen irgendwann doch mit, klatschen aber etwas müde. Dann noch schnell die Ergebnisse der anderen KandidatInnen, bei Fr. Schwan Applaus von SPD und Grünen. Tja. Knapper ging es wohl kaum, 613 Stimmen waren bekanntlich die Mehrheit der Stimmen.
Somit haben die Mitglieder der Bundesversammlung ihr Ziel erreicht: Bundesliga-Finale pünktlich und live gucken zu können!

Anton Anton, Medien
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