Mein Fahrrad-Tagebuch…
“Wer sein Rad liebt, der schiebt…”
Die Bedeutung dieses Satzes wurde mir in den letzten Tagen mehr als nur gewahr, mehr sogar, als mir lieb ist…
Um kurz einzuleiten: Nach jahrelanger erfolgreicher Fußgängerschaft (Ein Schelm, der sich jetzt “Fußgang, pass’ auf!” zusammenreimt…
) bin ich nun – nicht zuletzt aus Zeit- und Kostengründen doch unter die Radfahrer gewechselt. Wenngleich ich einen schönen morgendlichen Spaziergang so über 10 km oder so nicht ausschlagen würde…
Nun also musste der passende Drahtesel gefunden werden und ich ward auch relativ fündig. Hier meine Erlebnisse:
Mittwoch:
11:00 Uhr – Suche ein Fahrrad
14:00 Uhr – Habe mich in ein entsprechendes Gerät verguckt. Werde spontan zur Probefahrt aufgefordert. Komme überhaupt nicht drauf klar, schließlich habe ich seit 5 Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen. Überlebe zu meinem großen Erstaunen unverletzt. Kaufe das Gerät aus purer Dankbarkeit.
14:05 Uhr – Kaufvertrag unterschrieben. Habe in weiser Voraussicht das Rad komplett versichern lassen, auch gegen Schäden, die aus meiner Unfähigkeit resultieren…
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Donnerstag:
03:20 Uhr – Die Luft ist rein. Die Straßen sind leer. Bereit für das Harakiri-Manöver. Wenn nicht jetzt, wann dann? Schließlich kann ich so höchstens mir Schaden zufügen und gefährde nicht die Allgemeinheit…
03:25 Uhr – Muss das erste Mal die Spur wechseln. Ramme beinahe einen Poller mit Vollkaracho. Mit dem Schrecken davon gekommen. Ab dort auffällig problemlos…
Samstag:
18:00 Uhr – Treffe weitere Vorkehrungen zum Erhalt von Leib und Leben. Besorge mir im Tausche gegen einiges Scheingeld beim Fachverkauf in weiser Voraussicht einen adäquaten Kopfschutz.
Montag:
03:34 Uhr – Erste große Runde durch die bekannten Kieze gedreht. Tolles Gefühl. Dabei einmal ritualsgleich die RLO umrundet. An Flüche kann ich mich spontan nicht erinnern…
03:38 Uhr – Wollte schon zuhause sein. In meinem Rausch will ich aber noch einmal durch den Schlosspark. Bin gerade in voller Fahrt, da knallt es. Bremse sicherheitshalber.
03:39 Uhr – Wäre nicht nötig gewesen. Wäre eh nicht mehr weit gekommen. Kette gerissen. Schöne Schleifspur hinterlassen. Erstaunlich, dass das glimpflich abging. Das Rad wird von nun an in Richtung Wedding geschoben…
03:58 Uhr – Finde, dass es unsäglich lange dauert. Denke an Kindertage. Kombiniere genial. Stelle einen Fuß auf ein Pedal und stoße mich mit dem anderen vom Boden ab. Bin begeistert, dass das Prinzip “Rollerfahren” immer noch funktioniert. Fühle mich 15 Jahre jünger.
16:32 Uhr – Rad zur Reperatur gegeben. Jetzt wieder zurückbekommen. Die Kette sei ab Werk an den Endstücken nicht richtig geschlossen worden. Halleluja, Brüder und Schwestern, wollt ihr mich umbringen?!
23:59 Uhr – Wäre gar nicht nötig, bringe mich fast selber um. Komme auf der Baustellenbrücke am Bürgerpark (B96) in die nasse Straßenbahnschiene. Sehe mich schon binnen Millisekunden über die Betonwand in die Panke fliegen. Ein Teil meines vegetativen Nervensystems, der bei mir bis heute nicht vorstellig wurde, reißt meine Beine hoch und gewinnt den Kampf mit Rad und Schiene um das Gleichgewicht. Kann mich fangen. Schramme sogar um wenige Millimeter an der Betonwand vorbei. Biege vor Schreck erstmal rechts ab…
Dienstag
04:02 Uhr – Bin nochmals los, um Sicherheit zu gewinnen. Einmal durch den Mauerpark zum Alex und zurück. Jetzt noch ein wenig durch Pankow trallern. Läuft verdächtig gut.
04:03 Uhr – Verdacht bestätigt. Das Rad fängt plötzlich an zu vibrieren. Selbst der Laie merkt nach wenigen innerhirnlichen Schaltprozessen: “Da is e Rad platt!”. Steige entnervt vom Rad. Schiebe abermals vom Schlosspark nach Hause.
05:02 Uhr – Schadensbegutachtung. Soweit noch alles dran. Schleife das schmutzige Hinterrad in die Duschtasse, setze mich auf den Klodeckel nebenan. Entferne das Profil und versuche den Schlauch aufzupumpen. Finde nach nicht einmal 10 Sekunden den Schaden. Bin angefressen, aber erleichtert, dass es “nur” ein Loch im Schlauch ist. Beschließe, ein paar Stunden drüber zu schlafen…
13:34 Uhr - Habe mich mit 2 Reifenflicksets ausgestattet. Man weiß ja nie… So kann mein Schlauch dann wenigstens aussehen, als habe er den Bürgerkrieg noch persönlich erlebt und wird trotzdem halten… Habe den ersten Flicken gesetzt. Wähne mich fast am Ziel.
13:35 Uhr – Wobei es nur ein Wahn war. Stelle beim Aufpumpen entgeistert fest, dass nicht nur ein Loch an der Innen- sondern auch an der Außenseite ist. Reiße den Flicken entnervt runter und montiere zwei neue. Das sollte halten.
13:42 Uhr – Nach dem Aufpumpen sieht der Schlauch aus, als würde er an der geflickten Stelle abgeschnürt. Ist aber faktisch nur die Unelastizität der Flicken. Beruhigt mich insofern, als dass an der Stelle in nächster Zeit wohl nichts mehr passieren wird…
13:43 Uhr – Kämpfe mit der Wiedermontage des Rades. Reifen und Felge, kein Problem, aber Kette und Bremse riesiges Problem. Sehe aus wie Sau.
13:45 Uhr – Mir ist soeben zum zweiten Mal das Rad aus der Halterung gefallen… Dummerweise auf meine Hand. Ärgere mich tierisch. Registriere bei abschwellender Wut, dass dabei immerhin die Kette eingerastet ist…
13:50 Uhr – Gezeichnet von Öl, Schweiß und Tränen stelle ich fest, dass das Gebilde, was sich vor mir vom Teppich aus emporhebt verdächtig nach dem aussieht, was ich aus ihm zu machen trachtete. Teste mit einigen Pedalenumrundungen die Gangschaltung. Funktioniert problemlos. Sogar die Bremsen funktionieren noch…
Bleibt nur zu hoffen, dass von jetzt an alles hält…
Fortsetzung folgt

Anton (20), bald Student in Mittweida und leidenschaftlicher Filmemacher, (derzeit unserer Fahne entflohen unter antonschubert.de), Peter (20), Mensch im Übergangsjahr und leidenschaftlicher Textmacher und Marcus (19), Kompositionsstudent und leidenschaftlicher Musikmacher, sind die Autoren dieses kleinen Blogs. Wir schreiben über alles, was uns interessiert, oder wovon wir denken, dass es euch interessieren könnte. Jeder ist herzlich eingeladen, nach Herzenslust zu kommentieren und/oder Beiträge anderer Art zu leisten. Wir freuen uns!
Also mein Guter, ich hab ja in den letzten 5 Jahren mit meinen Fahrrädern nicht halb so viel erlebt wie du in 6 Tagen. Das ja mal die Härte!
Tja. Aber in der Tat wahr…
ach peet…
und so soll ich dich in den Urlaub fahren lassen!? Na ich weiß ja nicht.
Pass auf dich auf! Versprich es!
(und der Helm war weise =) )
Und da beschwert ‘se sich, wenn ich “Ja, Mama” sage…
Peet mit dem Fahrrad im Schaltgang, pass auf!