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Archiv für August, 2010

Mein Fahrrad-Tagebuch…

17. August 2010

“Wer sein Rad liebt, der schiebt…”

Die Bedeutung dieses Satzes wurde mir in den letzten Tagen mehr als nur gewahr, mehr sogar, als mir lieb ist…

Um kurz einzuleiten: Nach jahrelanger erfolgreicher Fußgängerschaft  (Ein Schelm, der sich jetzt “Fußgang, pass’ auf!” zusammenreimt… ;) ) bin ich nun – nicht zuletzt aus Zeit- und Kostengründen doch unter die Radfahrer gewechselt. Wenngleich ich einen schönen morgendlichen Spaziergang so über 10 km oder so nicht ausschlagen würde… :)

Nun also musste der passende Drahtesel gefunden werden und ich ward auch relativ fündig. Hier meine Erlebnisse:

Mittwoch:

11:00 Uhr – Suche ein Fahrrad

14:00 Uhr – Habe mich in ein entsprechendes Gerät verguckt. Werde spontan zur Probefahrt aufgefordert. Komme überhaupt nicht drauf klar, schließlich habe ich seit 5 Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen. Überlebe zu meinem großen Erstaunen unverletzt. Kaufe das Gerät aus purer Dankbarkeit.

14:05 Uhr – Kaufvertrag unterschrieben. Habe in weiser Voraussicht das Rad komplett versichern lassen, auch gegen Schäden, die aus meiner Unfähigkeit resultieren… :D

Donnerstag:

03:20 Uhr – Die Luft ist rein. Die Straßen sind leer. Bereit für das Harakiri-Manöver. Wenn nicht jetzt, wann dann? Schließlich kann ich so höchstens mir Schaden zufügen und gefährde nicht die Allgemeinheit…

03:25 Uhr – Muss das erste Mal die Spur wechseln. Ramme beinahe einen Poller mit Vollkaracho. Mit dem Schrecken davon gekommen. Ab dort auffällig problemlos…

Samstag:

18:00 Uhr – Treffe weitere Vorkehrungen zum Erhalt von Leib und Leben. Besorge mir im Tausche gegen einiges Scheingeld beim Fachverkauf in weiser Voraussicht einen adäquaten Kopfschutz.

Montag:

03:34 Uhr – Erste große Runde durch die bekannten Kieze gedreht. Tolles Gefühl. Dabei einmal ritualsgleich die RLO umrundet. An Flüche kann ich mich spontan nicht erinnern…

03:38 Uhr – Wollte schon zuhause sein. In meinem Rausch will ich aber noch einmal durch den Schlosspark. Bin gerade in voller Fahrt, da knallt es. Bremse sicherheitshalber.

03:39 Uhr – Wäre nicht nötig gewesen. Wäre eh nicht mehr weit gekommen. Kette gerissen. Schöne Schleifspur hinterlassen. Erstaunlich, dass das glimpflich abging. Das Rad wird von nun an in Richtung Wedding geschoben…

03:58 Uhr – Finde, dass es unsäglich lange dauert. Denke an Kindertage. Kombiniere genial. Stelle einen Fuß auf ein Pedal und stoße mich mit dem anderen vom Boden ab. Bin begeistert, dass das Prinzip “Rollerfahren” immer noch funktioniert. Fühle mich 15 Jahre jünger.

16:32 Uhr – Rad zur Reperatur gegeben. Jetzt wieder zurückbekommen. Die Kette sei ab Werk an den Endstücken nicht richtig geschlossen worden. Halleluja, Brüder und Schwestern, wollt ihr mich umbringen?!

23:59 Uhr – Wäre gar nicht nötig, bringe mich fast selber um. Komme auf der Baustellenbrücke am Bürgerpark (B96) in die nasse Straßenbahnschiene. Sehe mich schon binnen Millisekunden über die Betonwand in die Panke fliegen. Ein Teil meines vegetativen Nervensystems, der bei mir bis heute nicht vorstellig wurde, reißt meine Beine hoch und gewinnt den Kampf mit Rad und Schiene um das Gleichgewicht. Kann mich fangen. Schramme sogar um wenige Millimeter an der Betonwand vorbei. Biege vor Schreck erstmal rechts ab…

Dienstag

04:02 Uhr – Bin nochmals los, um Sicherheit zu gewinnen. Einmal durch den Mauerpark zum Alex und zurück. Jetzt noch ein wenig durch Pankow trallern. Läuft verdächtig gut.

04:03 Uhr – Verdacht bestätigt. Das Rad fängt plötzlich an zu vibrieren. Selbst der Laie merkt nach wenigen innerhirnlichen Schaltprozessen: “Da is e Rad platt!”. Steige entnervt vom Rad. Schiebe abermals vom Schlosspark nach Hause.

05:02 Uhr – Schadensbegutachtung. Soweit noch alles dran. Schleife das schmutzige Hinterrad in die Duschtasse, setze mich auf den Klodeckel nebenan.  Entferne das Profil und versuche den Schlauch aufzupumpen. Finde nach nicht einmal 10 Sekunden den Schaden. Bin angefressen, aber erleichtert, dass  es “nur” ein Loch im Schlauch ist. Beschließe, ein paar Stunden drüber zu schlafen…

13:34 Uhr  - Habe mich mit 2 Reifenflicksets ausgestattet. Man weiß ja nie… So kann mein Schlauch dann wenigstens aussehen, als habe er den Bürgerkrieg noch persönlich erlebt und wird trotzdem halten… Habe den ersten Flicken gesetzt. Wähne mich fast am Ziel.

13:35 Uhr – Wobei es nur ein Wahn war. Stelle beim Aufpumpen entgeistert fest, dass nicht nur ein Loch an der Innen- sondern auch an der Außenseite ist. Reiße den Flicken entnervt runter und montiere zwei neue. Das sollte halten.

13:42 Uhr – Nach dem Aufpumpen sieht der Schlauch aus, als würde er an der geflickten Stelle abgeschnürt. Ist aber faktisch nur die Unelastizität der Flicken. Beruhigt mich insofern, als dass an der Stelle in nächster Zeit wohl nichts mehr passieren wird…

13:43 Uhr – Kämpfe mit der Wiedermontage des Rades. Reifen und Felge, kein Problem, aber Kette und Bremse riesiges Problem. Sehe aus wie Sau.

13:45 Uhr – Mir ist soeben zum zweiten Mal das Rad aus der Halterung gefallen… Dummerweise auf meine Hand. Ärgere mich tierisch. Registriere bei abschwellender Wut, dass dabei immerhin die Kette eingerastet  ist…

13:50 Uhr – Gezeichnet von Öl, Schweiß und Tränen stelle ich fest, dass das Gebilde, was sich vor mir vom Teppich aus emporhebt verdächtig nach dem aussieht, was ich aus ihm zu machen trachtete. Teste mit einigen Pedalenumrundungen die Gangschaltung. Funktioniert problemlos. Sogar die Bremsen funktionieren noch…

Bleibt nur zu hoffen, dass von jetzt an alles hält…

Fortsetzung folgt

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Peet , , , , , , , ,

Was macht Anton eigentlich?!

14. August 2010

Wenn ihr euch in letzter Zeit immer gewundert habt, warum nur noch ich und Marcus schreiben, kommt hier die Antwort:

Der jute Anton ist fahnenflüchtig und wir haben ihn – wenig überraschend – gefunden. Auf antonschubert.de bloggt der Schuft einfach weiter und sorgt dafür, dass das “A” in “AM BLOGen” im Moment ein sehr passives ist. Mal gucken, ob wir ihn eingefangen kriegen.

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Da lungert der Kerl also rum...

Ansonsten wird das hier ‘ne genossenschaftlich-brüderliche Blog-Kooperative. ;) – Wenn ihr wissen wollt, was der gute Anton im Moment so treibt, klickt ihr vielleicht einfach mal auf den Screenshot.

In dem Sinne, gut blog und immer ein stückweit Text unter der Wasserkante… :p

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Anton, Peet , , , , , , , , , ,

Bundespräsident – mehr als nur ein Kostenposten?

5. August 2010

Ich bin Joshi noch einen Artikel schuldig… Hinweis dazu: Den habe ich am Tag 1 nach Köhlers Rücktritt begonnen zu verfassen und einige Monate später fertig gestellt, also nicht wundern. (Dementsprechend war natürlich auch die Vorrede für die Katz, ich zitiere sie dennoch in Auszuügen kurz… ;) )

…Allerdings scheint die mediale Welt das Thema ziemlich bald zu den Akten legen zu wollen, sieht man sich die Hautpseiten von Nachrichtenportalen oder die Gestaltung von Fernsehprogrammen  an – der mediale Richterspruch kam schnell und einhellig, “Horst ist ein Idiot”, lange ließ er sich (man lese sich nur viele Leserbriefe oder die Mehrzahl an Kommentaren auf Nachrichtenseiten durch) nicht halten, kurz (zum Beispiel auf heute.de) warf man noch die Frage auf, ob man denn nun selbst Schuld trage, um sie alsbald wieder zu verwerfen.  Die Botschaft ist klar, dass Thema ist gelaufen, Routine kehrt ein, jetzt beschäftigen wir uns mit der Nachfolgekandidatur, denn das läuft immerhin nach einem Prozedere ab, das wir gewohnt sind. So recht anfangen kann keiner etwas damit, also schweigt man sich lieber aus. Reflexion wäre zu mühsam.

Doch tatsächlich hat Joshi eindrucksvoll dargelegt, welche Problemkreise eigentlich betroffen sind.

Letztlich stellt sich die Frage, ob wir überhaupt noch zurecht kommen mit dem, was uns das Grundgesetz da vorsetzt. Und ausgerechnet Horst Köhler selbst hat erst kurz vor seinem Rücktritt öffentlich festgestellt, was Joshi ebenfalls konstatiert.

Allerdings stellt sich die Frage, ob wir die nunmehr bestehende Ordnung kritiklos hinnehmen sollten.

Wohl wahr, ein Land, das kein wirkliches Nationalgefühl kennt, kann kein Staatsoberhaupt kennen. Es ist historisch zutiefst verankert, kein Stolz und kein Gefühl der Folgsamkeit zu entwickeln, vielleicht auch, um Scham – über die Vergangenheit wie in der Zukunft – zu verhindern.

Aber tun wir uns wirklich einen Gefallen, wenn wir es hinnehmen, dass die Kanzlerin immer mächtiger wird und die Berliner Politik eine amour fou mit der femme fatale Karlsruhe führt?! Wollen wir uns darauf verlassen, dass dieses System, ein mehr oder weniger unfähiges Kabinett, eine über allem schwebende (sehr passend der Kommentar, man könne wohl nur ihr natürliches Ende abwarten) Kanzlerin und ein Verfassungsgericht, das bewusst das (im Verhältnis) mächtigste der Welt ist, aber deshalb nicht übermächtig werden sollte, es schon richten werden? Es gehört zu den Balancen unseres Staates, dass das Staatsoberhaupt kein unmittelbar involvierter Teilnehmer der gestaltenden Politik ist, nebenbei ist er auch nicht Teil der Exekutive, ihm sind dennoch alle Aufgaben der Art völkerrechtlicher Repräsentanz, Ernennen und Erlassen sowie Verkünden zugeordnet. Ein Blick in das Grundgesetz, genauer gesagt in den Verteidigungsfall – der sich immer gut eignet, um das gedachte “Gerüst” der bundesrepublikanischen Ordnung aufzuzeigen – macht die Rollen deutlich: Die Regierung beantragt beim Bundestag die Feststellung des Verteidigungsfalles, der Bundestag beschließt ihn, der Bundespräsident ist letztlich nur dafür verantwortlich, der Verteidigungsfall protokollarisch zu verkünden. Oberbefehlshaber wird der Bundeskanzler, nicht der Präsident. Von nun an wirkt der Bundespräsident erst wieder, wenn das Grundgesetz auch bei einem möglichen Friedensschluss noch Geltung hat, als derjenige, der den Verteidigungsfall für beendet erklärt.

Der Clou: Wenn’s sein muss, geht’s auch ohne Bundespräsident… – Und das ist – zwei Monate später – ein Eindruck, den man nicht ganz loswerden kann, der die Gesamtlage sicherlich gut beschreibt. Denn es ist nicht ausgemacht, ob der nun installierte Winkonkel Wulff sich tatsächlich aufraffen kann, zumindest die symbolische Funktion noch wahrzunehmen oder auszufüllen.

Eher denn wird auch diese Amtszeit eine blasse bleiben, die ausgedehnte Längen bei Empfängen und Ansprachen hat, aber eben doch nie schafft, gestrafft und prägnant einen Impuls zu setzen – eben mehr zu sein, als ein Theaterdonner.

Und dann werden wir in einigen Jahren wieder dastehen und uns fragen, was wir denn machen mit dem Amt. Beibehalten? Abschaffen? Verändern? Das Volk einbeziehen?!

Und wie immer werden wir hierauf keine Antwort finden und eh wir uns versehen hat die Bundesversammlung schon getagt und wieder wird wenig fortschrittliches passiert sein. Dabei müssten eigentlich gerade von einer politisch eher passiven, sagen wir am Spielfeldrand stehenden Figur wie dem Bundespräsidenten entscheidende, weil einigermaßen neutrale Impulse zur Umgestaltung unserer politischen Landschaft ausgehen. Wenn er nicht Mahner sein kann und nicht Macher sein darf, so sollte er zumindest Möglichkeiten aufzeigen. Diskussionen losstoßen, die die Tagespolitik nicht lostreten kann, weil sie sich damit sonst ihr Geschäft verdürbe. Um Einbußen fürchten müsste. Das alles muss man hinter den Toren von Bellevue nicht. Und dennoch braucht es Mut. Mut, Themen wie mehr Volksbeteiligung, den Schutz der Freiheitsrechte, Integration oder Umgestaltungen der politischen Landschaft im Zuge der Globalisierung anzusprechen und vor allem notfalls auch Konzepte und konkrete Lösungen vorzuschlagen. Nur so kann der Bundespräsidentenposten sinnvoll aus der Kartographie des Grundgesetzes heraus ausgefüllt werden. Diesen Mut muss der Bundespräsident Christian Wulff nun aufbringen.

Ansonsten ist er – mit dem Kabarettisten Frank-Markus Barwasser gesprochen – in der Tat nur ein Kostenposten.

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