Frohe Weihnacht!
Na Bravo! Endlich vollbracht!
Frohe Weihnacht!
Tönt es allethalben! Zumindest in meinem unmittelbaren Umfeld, dem Umfeld der Schule. Wohl geht es vielen nicht anders, die langsam, aber mit zunehmender Sicherheit ein Licht oder zumindest die Funzel des Weihnachtsbaumes am Ende des schwarzen, arbeitsbeladenen Tunnels glimmen sehen.
Heimeligkeit will sich einstellen und man freut sich darauf, nach langer Zeit endlich mal wieder die – mal mehr, mal weniger – geliebte Sippschaft zu sehen und im allgemeinen Weihnachtstaumel unterzugehen und allen Comedynummern, die uns Glauben machen wollen, Weihnachten sei wie jedes andere Fest auch nur eine einzige zwischenmenschliche Katastrophe, zu trotzen, indem man die paar Sekunden Gemeinsamkeit, die man im Jahr hat, auch wirklich genießt.
Wir leben nicht zuletzt auch, um zu geben, was wir zu geben vermögen und zu nehmen, was wir zu nehmen vermögen. Ist der Spruch “Frohe Weihnacht” da eigentlich der richtige?! Natürlich steht außer Frage, dass Weihnachten auch ein christliches Fest ist und gerade überzeugte Christen das Recht haben, diesen Tag zu feiern und – in der ihrer Relegion innewohnenden Demut – zu zelebrieren. Aber ist Weihnachten nicht eigentlich auch etwas anderes, etwas zweites geworden? Sehe ich nicht jedes Jahr aufs Neue große, kleine, alte, junge, glückliche und nachdenkliche Menschen am Bahnsteig stehen und alle tragen drei oder mehr Rucksäcke mit sich herum? Einmal den, indem sie ihre Kleidung und das nötigste tragen, was man halt braucht für die kalte Jahreszeit, einen, in dem sie die Geschenke für ihre Liebsten haben und einer, der die Geschehnisse des letzten Jahres in sich birgt und aufhebt, wohl behütet und liebevoll geschützt vor den Blicken der Welt, egal ob gute oder schlechte Erinnerung, bereit dafür, dieses eine Mal im Jahr entrümpelt zu werden?!
Würde es auch keiner von uns zugeben wollen, so kann man es zumindest fühlen, wie sich die Menschen (und ich zähle mich dazu), egal ob junger oder alter, greiser Mann, egal ob junge Frau am Beginn eines blütevollen Lebens oder alte, weise Frau, die weiß, dass ihre Blüte schön war und ihre Blüten nunmehr im Herzen trägt, all diese Menschen sehen sich ein wenig eingeschüchtert um, atmen ein letztes Mal die Fremde der großen, weiten Welt, ehe sie vielleicht schon in Kürze wie jedes Jahr einmal ihren Fußstapfen dorthin in den Schnee setzen, wo sie es als Kind auch schon getan haben, und sie werden sich schmerzvoll erinnern, dass damals noch andere der Szenerie beiwohnten, die mittlerweile ihren Eingang in die Beinahe-Vergessenheit gefunden haben und die dieses eine Mal im Jahr für wenige Wimpernschläge wieder mit Leben erfüllt werden.
Und hier kommen wir hin, uns erinnernd und besinnend einer besseren, weil früheren Zeit und uns gleichzeitig sehend vor der Tatsache, dass wir dem albernen Brauch des gegenseitigen Geschenkes längst überdrüssig sind und doch jedes Jahr ums Neue bis zum Moment, da jeder das – mal mehr, mal weniger – liebevoll angelegte Geschenkpapier vom Gegenstand, den es zieren soll, ein innerliches Zittern hinsichtlich des Wohlgefallens der ausgewählten Stücke herrscht, dass man manchmal meint, ganze Straßenzüge beben zu hören. Einige Augen leuchten noch besonders hell. Ihnen ist der Glanz nicht zu nehmen. Und insgeheim beneiden wir sie, die Kinder, die noch voller Hoffnung sind auf ein gutes, erfülltes Leben und die sich den Glauben an das Gute noch nicht haben nehmen lassen. Gerne wären wir so wie sie. Und wir behüten ihr Geheimnis einer besseren Welt wie unseren Augapfel und verteidigen die Existenz des Weihnachtsmannes so lange vor der kindlichen Neugierde, bis der letzte Damm gebrochen ist und manchmal sogar darüber hinaus.
Haben wir nicht manchmal auch im Geheimen noch einen Wunschzettel in unserem Kopf? Schwirren nicht auch uns noch Hoffnungen durchs Hirn, die mindestens genauso utopisch sind, wie die Hoffnung auf ein echtes Pferd oder den supertollen aber eben auch superteuren Legobausatz, den der Weihnachtsmann am Ende doch nicht im Gepäck hatte. Und wie sich das Kind im Stillen allem zur Schau gestellten Unmut zum Trotz insgeheim doch fragt, ob es auch artig genug war, um das Geschenk zu verdienen sollten wir uns auch manchmal fragen, ob wir das, was wir uns so sehnlich wünschen wirklich verdienen, ganz gleich, ob es an der Machbarkeit scheitert oder nicht.
Der Mensch existiert zuerst im Herzen, dann im Hirn und erst zuletzt als Körper. Wem das Modell nicht esoterisch genug ist, darf hier die indische Schakren-Lehre oder sonstwas heranziehen, um es zu erweitern, wem es zu esoterisch ist, darf das Herz weglassen, am Grundtatbestand vermag das eh wenig zu ändern. Wenn wir anders handeln als wir denken und zweierlei ausstrahlen, das heißt am Ende auf so vielen Ebenen neunmalklug daherreden, dass wir aus der alltäglichen Shizophrenie des Menschengeschlechtes sogar noch deutlich herausragen, brauchen wir uns nicht wundern, wenn unsere Träume niemals wahr werden.
Deswegen sollte es nicht nur “Frohe Weihnachten!” heißen, sondern allzumal “besinnliche Weihnachten”, ja ich würde so weit gehen und wirklich guten Freunden “denksame Weihnachten” wünschen. Auf dass wir unsere dritten Rucksäcke, die wir mit uns herumschleppen gründlich ausrümpeln und uns nicht vor unangenehmen Fragen scheuen, am Ende staunend vor dem stehen, was uns im letzten Jahr wiederfahren ist, wenn uns der Turm der angestauten Erlebnisse so groß anmutet wie einst der scheinbar riesige Weihnachtsbaum unserer Kindheitstage. Und wenn wir ihn dann ausgerümpelt haben, unseren Rucksack, sollten wir auch mutig sein und uns die paar Tage Zeit nehmen, intensiver nachzudenken, vielleicht auch ein gutes Gespräch zu suchen, mit der liebevollen Mutter, dem wachsamen Papa, der weisen Großmutter oder dem gebrechlichen, aber dennoch vom Herzen aus strahlenden Großvater und zuhören, was uns andere zu sagen haben, so lange wir nur zuhören können und von diesem großen Privileg fremden Wissens gebrauch machen, wohl wissend, dass auch dieses in naher Zeit schon in Beinahe-Vergessenheit geraten könnte.
Im Idealfalle nehmen wir am Ende der Festtage mindestens 3 Dinge mit auf unseren Weg zurück in der Fremde, teils unheimliche Welt: Den Rucksack, in dem wir unsere Kleidung und das Nötigste mit uns tragen, und zwei Flügel, die uns im kommenden Jahr tragen mögen: Die Hoffnung, die wir den leuchtenden Kinderaugen entliehen haben und die Weisheit, die uns die Herzen und/oder Hirne unserer Nächsten geschenkt haben. Unsere Aufgabe wäre es dann, in diesem Geiste die Welt aufs Neue zu beseelen, ehe wir wieder einkehren, einmal im Jahr die Bahnsteige bevölkern zu dem, was einige der wenigen mir bekannten Amerikaner “Christmas Homecoming” nennen und in unseren Taschen nesteln und irgendwie auch in unseren Köpfen mit einem Schuss kleinkindlicher und naiver Vorfreude, die wir uns bis zuletzt nicht nehmen lassen.
In diesem Sinne wünsche ich allen mit ganzem Hirn und ganzem Herz eine frohe, besinnliche und besonders glückliche weil denksame Weihnachtszeit und ein wunderbares Neues Jahr, das nicht nur ein weiteres, sondern ein besseres in unserer Zeit auf Erden wird!
Also dann doch: Frohe Weihnacht!


Anton (20), bald Student in Mittweida und leidenschaftlicher Filmemacher, (derzeit unserer Fahne entflohen unter antonschubert.de), Peter (20), Mensch im Übergangsjahr und leidenschaftlicher Textmacher und Marcus (19), Kompositionsstudent und leidenschaftlicher Musikmacher, sind die Autoren dieses kleinen Blogs. Wir schreiben über alles, was uns interessiert, oder wovon wir denken, dass es euch interessieren könnte. Jeder ist herzlich eingeladen, nach Herzenslust zu kommentieren und/oder Beiträge anderer Art zu leisten. Wir freuen uns!
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