Der oberste Souverän.

11. Januar 2012

Ein Wunschtraum.

Erinnern wir uns an das Jahr 2010. Es war mitten zum Beginn eines Sommermärchens, die Fußball-Weltmeisterschaft zog all unsere gebannten Blicke auf sich, mein Abiturjahrgang und ich feierten das Leben und unser bestandenes Abitur – doch einer wollte nicht so recht mitfeiern: Horst Köhler.

Sein Rücktritt platzte unmittelbar in das sich vorsommerurlaublich nur noch mit Mühe konzentriert haltende politische Berlin wie ein schwer vorhersehbares Erdbeben. So unmittelbar, dass auch damals schon Bettina Schausten sich reichlich indisponiert zeigte und bis zur Abendausgabe des heute-Journal nur aus dem Studio und nicht vor Ort berichtete.

Es galt damals also, jemanden zu finden, der fähig wäre, die Amt zu übernehmen, und es galt, ihm eine Chance zu geben – die Wahl der Kanzlerin fiel, entgegen dem Wunsch der Mehrheit im Volke, auf den damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff, der mit seiner präsidialen Art zu regieren recht geeignet für dieses Amt schien.

Wulff tat sich zu Beginn seiner Amtszeit dann tatsächlich zumindest auf dem Feld der Integration einigermaßen wohltuend hervor, schien hier zumindest einen Akzent, einen wichtigen gefunden zu haben – wenngleich man konstatieren muss, dass dies in der Gesamtheit für eine gute Amtsführung für meinen Geschmack zu wenig ist und war.

Ansonsten aber blieb er – leider – wie zu befürchten stand aber insgesamt doch farblos. – Das kann im Sinne der konstitutiven Vorgehensweise der Bundespräsidentenwahl vorkommen. Viele Bundespräsidenten sind und bleiben farblos, aber das ist ja nun nicht das notwendige Kriterium für die Ausfüllung des Amtes, auch nicht dafür, dessen Integrität zu wahren, sondern lediglich die Bedingung für eine gute, wohl durchdachte Ausübung des Amtes. Von daher ist dem Bundespräsidenten hier also kein Vorwurf von entscheidendem Charakter zu machen, obgleich die Frage weiter im Raume steht, ob das bisherige Verfahren weiterhin das richtige ist.

Es erwies sich aber viel schlimmer, dass die Kanzlerin die intuitive Forderung vieler Deutscher, die auch ich noch in der Nacht nach dem Rücktritt von Horst Köhler hier aufstellte, nämlich:

Es bleibt zu wünschen, dass die Politik nun den Schuss Köhlers gehört hat und bei der Suche nach einer:m NachfolgerIn im Amt der:s Bundespräsidentin:en nun nicht versucht, die Fehler am letzten Bundespräsidenten (zu ehrlich, zu bürgernah, zu unbequem, “zu wenig Politiker” (womit eigentlich eine mangelnde Skrupellosigkeit begklagt wurde)) bei dem:r neuen AmtsinhaberIn  abzustellen, sondern jemanden sucht, der eine gesellschaftlich annerkannte Person ist, die für ihr Querdenkertum und ihren Mut zu reden bekannt ist. Eine:n die sich auch nicht zu schade ist, im Kreuzfeuer zu stehen. Die Politik muss jetzt unter Beweis stellen, dass sie in der Lage ist, jemanden in das Amt der Bundespräsidentin zu heben, der stärker ist oder zumindest so stark, dass sie ein Gegengewicht zur “Tagespolitik” bilden kann. [...] Dieses Amt muss jetzt mit zivilgesellschaftlichen Personen besetzt werden [...] – die Hauptsache ist nun, dass der Posten “BundespräsidentIn der Bundesrepublik Deutschland” nun nicht zum Witz verkommt, sondern mit Profil gefüllt wird. Das kann kein etablierter Bundespolitiker. Der Bundespräsident ist von der Verfassung als (wenn auch ruhiger) Gegenpol vorgesehen. Und nicht nur als nur lächelnder Mitläufer.

nicht erfüllte, sondern eben genau jenen Fehler beging, mit einem erfahrenen Berufspolitiker alles richtig machen zu wollen.

Nun ist es eigentlich eine im ganzen Land bekannte Binse, dass Niedersachsen und insbesondere die Stadt Hannover nicht zu den korruptionsfreiesten der ganzen Republik gehören. Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass leitende Angestellte der Polizei im berüchtigten Steintorviertel einen Abend auf Kosten der Hells Angels verbringen.

Dies oder ähnliches dem Bundespräsidenten unterstellen zu wollen, wäre freilich eine unlautere Unterstellung bar jeder Wahrheit. Dennoch hätte auch die Bundeskanzlerin – allein schon ob des merkwürdigen Gebahrens von Wulffs Amtsvorgänger Schröder, der bekanntermaßen zu Hannoveraner Zeiten auch eng in die niedersächsische Wirtschaftswelt – euphemistisch ausgedrückt – “befreundet” war – ahnen können, dass das in Szene gesetzte Saubermannimage bei näherer Betrachtung kleinere Schönheitsfehler haben könnte, wenngleich es sich hier vorwiegend um ethische, und nicht um juristische Fragen geht.

Jedoch ist auch dies nicht der Kardinalfehler.

Jenen Kardinalfehler nämlich beging der oberste Souverän von knapp 80 Millionen Souveränen nämlich höchstselbst, als er sich von Recherchen über sein Haus in Großburgwedel so dermaßen aufschrecken und erschrecken ließ, dass er offensichtlich – was auch immer nun seine wahre Intention war, ist für die Bewertung der Gesamtlage aus meiner Sicht vollkommen unerheblich – die Kontrolle verlor und versuchte, zumindest Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen, um noch die kommunste und vornehmste Umschreibung der Vorgänge auf den Anrufbeantwortern Leitender Angestellter des Axel Springer Verlages zu wählen. – Hier liegt die eigentliche Pointe, denn hier begann der Bundespräsident, im Wortsinne nicht mehr souverän zu sein, also nicht mehr, wie es seinem Amt durchaus zufällt, die Berichterstattung einfach abzuwarten und sie, sollte sie unsachgemäß ausfallen, als ebenso unsachgemäß wie – griffe sie tatsächlich seine Familie an – schäbig zu geißeln.

Niemand, wirklich niemand außerhalb der Redaktionsbüros der BILD-Zeitung hätte auch nur ein Hauch von Zweifel an der Integrität des Bundespräsidenten gehegt, im Gegenteil, vermutlich hätte er viele mediale Pflicht- und Überzeugungsverteidiger gefunden.

So jedoch gab Christian Wulff seine Souveränität ab und war bislang in allen Versuchen, wieder souverän, d.h. Herr der Lage zu werden, erfolglos.

Es wäre ein leichtes gewesen, die Souveränität durch ein schnelles und allumfassendes moralisch-ethisches Schuldeingeständnis, ein simples “mea culpa” die Wogen, die erst aufgekommen waren, wieder zu glätten. Es war kurz vor Weihnachten, und noch nicht einmal die Opposition wünschte sich in der Adventszeit Unfrieden, schon gar nicht um den Bundespräsidenten, denn Mutti’s Gans schmeckt vor dem Fernseher ohne BuPrä-Ansprache nur halb so lecker.

Doch abermals gibt der Bundespräsident die Zügel aus der Hand und gesteht nur halbherzig das, was eh schon bekannt war, holt nicht zum Befreiungsschlag aus. – Hierbei beweist Christian Wulff vor allen Dingen, wie unerfahren er beim Krisenmanagement ist und dass er ob seines präsidialen Regierungsstils nie gelernt hat, mit politischen Krisen oder Affären umzugehen, vor allem aber legt er das Verhalten eines Regierenden an den Tag, der durch Lavieren versucht, seine Macht zu erhalten, und verkennt dabei, dass das Primat seines Amtes gar nicht der Macht, sondern der Integrität gelten soll.

Und so kommt es, wie es kommen muss, die versammelte Journalie erwacht aus dem Winterschlaf und hat keine Ahnung, wie sie die Zeit bis zur zweiten Januarwoche, in der verbredungsgemäß auch der EU-Krisenmanagementprozess wieder in Gang kommt, veritabel füllen soll, da kommt die Rettung wie aus heiterem Himmel: Der Anrufbeantworter von Kai Diekmann…
WDR5 Politikum – Der AB von Diekmann by Malotki

Anstelle die Dinge nun beim Namen zu nennen, sich in aller Form und Frömmigkeit bei allen Beteiligten nochmals offiziell zu entschuldigen, scheint Wulff nur noch weniger zu verstehen, dass er sich des Politiker-Modus (“Krieg führen”) entsagen und – gemäß seiner Rolle als Bundespräsident – diese Dinge würdevoll zu den Akten legen sollte – so offen und so transparent wie möglich. Wieder lag hier eine Chance, wieder hätte er, der sich gerne als Abbild des Bürgers stilisiert und nicht als dessen Vorbild, die Chance gehabt, als Abbild des Bürgers mit seinen Schwächen und Verfehlungen doch vorbildhaft tätig zu werden, und zu zeigen, wie man solche Sachen beilegt. Wieder lässt er eine Chance verstreichen, zu zeigen, dass er oberster Souverän ist, wieder entscheidet er sich für ein Lavieren und Verschieben.

Erst, als der Druck zu hoch wird und weitere unappetitliche Veröffentlichungen der mittlerweile putzemunteren und in seltener Einigkeit vereinten Journalistenschar immer drohen, entscheidet sich Wulff zum einzig möglichen Schritt, ehe auch die Kanzlerin früher oder später zum Handeln gezwungen gewesen wäre (denn die Kanzlerin reagiert selten, aber doch zuverlässig immer dann, wenn die Situation außerhalb eines beherrschbaren Korridors zu gleiten droht), dazu, sich der Öffentlichkeit zu stellen.

Wieder jedoch fehlen ihm der Mut und die Chuzpe seines Vorgängers (der in einer solchen Situation vermutlich völlig baden gegangen wäre, aber eben aufrecht und mit wehenden Fahnen), sich souverän vor die Presse zu stellen, zum Beispiel in der Bundespressekonferenz und damit einerseits die Vorwürfe zu entkräften, andererseits aber auch seine Fähigkeiten im Ungang mit der Presse und seine Ernsthaftigkeit im Bekenntnis zur Pressefreiheit zu manifestieren.

Anstattdessen entscheidet er sich, sich für gut 20 Minuten zur besten Sendezeit seines Amtes entrücken zu lassen, und in einem ebenso bizarren wie mittlerweile auch legendären, einige Stunden vorab aufgezeichneten Fernsehinterview den gewogenen und für leicht genug befundenen Uli Deppendorf und Bettina Schausten Rede und Antwort zu stehen.:

Die Fragenden mühten sich nach Kräften, jedoch wagte Wulff in seiner immer noch verzweifelten Auffassung davon, er müsse die Situation jetzt partout besser darstellen, als sie ist, einige Vorstöße, die er besser hätte bleiben lassen – von der Intention einer Nachricht reden zu wollen, an die man sich selbst nicht mehr erinnert, wirkt ebenso unüberlegt wie, totale Transparenz zu versprechen und auch diese wieder nur – höchstens – als unreines Destillat zu liefern.

Auch die Chance auf einen letzten gelungenen Befreiungsschlag hat Wulff hiermit über kurz oder lang offensichtlich verspielt.

Denn, selbst wenn jetzt – und die Anzeichen dafür verdichten sich – nur noch Kleinigkeiten an den Tag kommen und aufgebauscht werden wie im amerikanischen Wahlkampf, es bleibt eben doch bei der grundlegenden Problematik, die ob der Schäden, die die Person Christian Wulff in den letzten Tagen erlitten hat, nun auch beginnt, auf seine Fähigkeit zur Ausübung des Amtes Bundespräsident, überzugreifen.

Christian Wulff kann als Bundespräsident nämlich nicht mehr oberster Souverän sein, solange er nurmehr ein Präsident vor Gnaden der Kanzlerin ist ebenso wie darauf angewiesen, dass der Axel Springer Verlag die offensichtlich noch auf Lager liegenden, politischen wie privaten Leichen nicht mehr ausgräbt. – Das jedoch heißt faktisch, dass es ihm kaum mehr möglich sein wird, die Regierung, wie es seinem Amte gemessen ist, hin und wieder zu kritisieren und kritische politische Kurskorrekturen aufmerksam zu beobachten, dass es ihm nicht mehr möglich ist, Gesetze, die er für grob verfassungswidrig hält, zu kassieren, ehe Karlsruhe es tut und hiermit die Hemmschwelle für das politische Berlin, Gesetze immer erst einmal “spaßeshalber”, sozusagen mit offener Prüfung nach Karlsruhe zu schicken, hoch hält. Es wird ihm noch nicht einmal möglich sein, Vertrauen, Medienfreiheit oder andere wichtige Werte ohne größeres, meist negatives Medienecho einzufangen. Er müsste damit leben, dass in Joachim Gauck weiterhin eine Art ‘Gegenpräsident’ durch die Lande zieht und würde mit dem Zeit nur noch der Abwicklungsbeauftragte für das Amt des Bundespräsidenten. Er würde früher oder später nur noch rastlos wie ‘Der Panther’ in Rainer Maria Rilkes gleichnamigen Gedicht, die wohlgesetzten Gartenzaunstäbe von Schloss Bellevue sein Gitter, die ihn vor der feindlichen Welt schützen.

Damit dient er, um die letzten Worte des Bundespräsidenten Köhler aufzugreifen, weder sich, noch seinem Amt, noch Deutschland.

In meinen Augen kann Christian Wulff seine Souveränität, sowohl als Person, als auch als Amtsinhaber nur noch durch den letzten, schwierigen Schritt zurückerlangen und sowohl dem Amt als auch dem Land hierdurch noch einen großen, letzten Dienst erweisen:

Sollte Christian Wulff es nämlich wagen, seinen Rücktritt inhalts- und teilweise wortgleich zu seinem Amtsvorgänger Horst Köhler zu erklären, also insbesondere im Verweis auf den mangelnden Respekt vor dem Amt, so würde es letztlich zwei Präsidenten im Verbund gelingen, den Finger auf den wunden Punkt zu legen und die Grundkonstruktion, sowohl der Wahl, als auch die Rolle des Bundespräsidenten vor der nächsten Wahl zum Thema machen und die Politik unter den Zugzwang setzen, nach etwas über 60 Jahren hier korrigerend tätig zu werden und Deutschland somit in eine unangenehme, aber deswegen nicht minder wertvolle Debatte stürzen. Unser Land ist stark genug und verkraftet mindestens zwei parallel geführte Debatten, beispielsweise über die Rolle des Bundespräsidenten und die wirtschaftliche Lage im Euroraum.

Herr Wulff hätte – im Falle eines Rücktritts – die Möglichkeit, sowohl seine persönliche Souveränität zurückzuerlangen, indem er sich zu seinen Verfehlungen nun doch noch offensiv bekennt, als auch – zumindest für die letzten Minuten – wieder ein überzeugender und charismatischer oberster Souverän zu werden, indem er die Bühne dafür nutzt, gegebenenfalls selbst Vorschläge zum weiteren Umgang mit dem Amt einzubringen, dem Volk seine Erfahrungen nahezubringen, auf Dinge hinzuweisen, die so schlicht fehlkonstruiert sind.

Auch könnte er der hetzenden Medienmeute in vollster Genugtuung die lange Nase zeigen, indem er ihnen den Triumph, die Trophäe nach der sie lächzen, nämlich seinen Rücktritt, nicht einfach so gönnt, wie sie ihn wollen, nämlich reumütig und kleinlaut, sondern in Größe und Würde. Dann dürfte er meinetwegen auch Kai Diekmann auf die Mailbox sprechen, er habe den Krieg gewonnen.

Die Bühne wäre ihm gewiss und warum sollte ein Bundespräsident eigentlich nicht (s)eine letzte große, überzeugende Berliner Rede halten und danach seinen Rücktritt erklären?

Das würde von Stil und Klasse zeugen, von Mut und Aufrichtigkeit, von Integrität und selbstverständlich auch von Souveränität zeugen, denn Souveränität heißt letztlich auch, sich von niemandem vorschreiben zu lassen, wann und wie man zurücktritt.

Der Bundespräsident käme seiner Aufgabe für die letzten Minuten vielleicht näher als viele seiner Vorgänger, wäre hernach ein zumindest in der Bevölkerung gefeierter Souverän, der wieder Souverän unter vielen wird und hätte auch dem politischen Deutschland einen großen Dienst erwiesen.

Freilich, dass es so kommt ist unwahrscheinlich. Um nicht zu sagen, überaus unwahrscheinlich – nein. Es ist, leider, ausgeschlossen.

Ausgeschlossen deshalb, weil der Bundespräsident Christian Wulff bedauerlicherweise immer noch zu sehr der Regierende Christian Wulff ist.

Sollte sich das Wunder aber doch noch ereignen, so wäre aus Christian Wulff doch noch ein exzellenter Zehnter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland geworden. Und es spräche nichts gegen die letzten Worte, die nicht minder berührend wären als die von Horst Köhler: “Es war mir eine Ehre, Deutschland zu dienen.”.

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Peter Kuscher Medien, Peet, Politik

Pec aktuell: Tunesische Verhältnisse…

27. Januar 2011

Zunächst mal möchte ich meinem Mitblogger zum Entschluss gratulieren, auf diesem Blog auch mal wieder vorstellig zu werden. Sein lesenswerter Blogpost befindet sich direkt unter diesem.

Nun zu den unfassbaren Bildern, die wir soeben vom Hotelfenster aus drehen konnten: Offenbar tobt die Revolution derzeit nicht nur in Nordafrika, sondern auch mitten im Herzen Europas, genauer gesagt in Pec pod Sn?žkou im Riesengebirge. Ganz deutlich ist die mangels Steinen mit Schneebällen werfende aufgebrachte Menge zu sehen. Die Staatsmacht versucht Herr der Lage zu werden und geht mit einigen Aufruhelern knallhart ins Gericht. Seht selbst:

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Peter Kuscher Peet

Die Befreiung

27. Januar 2011

Heute war ein wundervoller Tag. Ich habe meinen Bleistift befreit. Einfach so. Monate war er gefangen, ich bin sein Retter. Welch ein Glück! Ob sich unsere persönliche Beziehung dadurch maßgeblich geändert hat, kann ich nicht sagen. Aber ich bin froh. Und er lebt in Freiheit, im Einflussbereich des Tageslichts.

Was ist passiert?

So ein Flügel (wir reden von einem Musikinstrument, es soll hier nicht um Vogelkunde gehen) ist ein wahrlich perfekt konstruiertes Ding, nur hat es einen winzigen Haken: Die unter Kennern berühmt-berüchtigte Bleistiftfalle. Das muss so ein Konzept im Klavierbau sein, das schon sehr früh erdacht und eingebaut wurde; wahrscheinlich schon, bevor sich jemand die Saitenaufhängung genau überlegt hat, dachte der geniale Mensch an die Bleistiftfalle.

Wenn man nämlich den Klavierdeckel eines Flügels, das ist das Stück Holz, das in heruntergeklapptem Zustand die schwarz-weiße Tastatur vollständig bedeckt und so zum Beispiel vor Staubeindringung schützt, herunter oder hoch klappt, tut sich auf halbem Wege ein Zwischenraum zwischen Klavierdeckel und senkrechter Wand hinter der Tastatur auf. Dieser Zwischenraum ist nun etwa 3 cm breit. Genau so also, dass ein kleiner, schlanker Druckbleistift gut hindurch passt.

Nun passiert es dem armen Klavierschüler, der sich natürlich beflissentlich Fingersätze in die Noten einträgt, ab und an, dass ihm der Bleistift vor Aufregung über den gerade gefundenen brillanten Fingersatz aus der Hand fällt – und in 80% aller Fälle fällt der natürlich geradewegs in die erwähnte Spalte.

Ich hatte Glück, lange lange Zeit: Mir ist dieses Malheur in den letzten 6 Jahren, seit ich diesen Flügel habe, anno 2010 zum ersten und letzten Mal widerfahren.

Es war so weit: Eines schönen Augenblicks im letzten Jahr wurde ich jäh aus meinem Alltag gerissen, als mein geliebter Bleistift sich in die Spalte verabschiedete. Was nun? Normalerweise ist das kein Problem, da man bei vielen Flügeln den Klavierdeckel einfach nach oben herausziehen kann und Zugriff auf dahinter verborgene Schätze erhält. Bei meinem Modell jedoch hat sich der geniale Konstrukteur entschieden, eine weitere Hürde einzubauen: Der Klavierdeckel ist vor Herausziehen durch Verschraubung geschützt. Und die Schraube ist so klein, dass man sie unmöglich mit einem herkömmlichen Schraubenzieher hinauszuziehen vermag.

Es denkt vielleicht mancher, Junge, wo liegt das Problem, dann nimmst du dir einen anderen Bleistift, die Welt ist in Ordnung, spiel weiter… Nun – das dachte ich auch. Ersatzbleistift geholt und das Glück war fast vollkommen. Ich spielte und spielte, als wäre der Bleistift nie auf dem Pult gelegen und auch nie in die Falle gefallen.

Dieses Jahr jedoch, nach monatelanger Gefangenschaft, entschied er, sich bemerkbar zu machen. Da der Stift auf der Verlängerung der Tasten (in den Flügel hinein) lag, unterlag er kleinen Bewegungen und Höhenunterschieden, erzeugt durch die Bewegung der Tasten. So langsam schienen die wiederholten Impulse den Bleistift ein Stück nach vorne bewegt zu haben. Die ganze Zeit schon konnte man den Stift durch die Spalte hindurch sehen, ihn aber mit der Hand nicht erreichen, da man damit Hand und Handgelenk kaum hindurch passte und die Spalte in einem äußerst ungünstigen Winkel lag. Jetzt lag der Bleistift eben noch ein wenig weiter vorne. Das hatte auch zur Folge, dass er neuerdings Nebengeräusche beim Spielen erzeugte – so ein kleines, aber doch kontinuierlich nervendes Klappern entstand.

Heute fiel deshalb der Entschluss: Der Bleistift muss raus, koste es, was es wolle!

Dünnen Schraubenzieher organisiert, Schrauben unter größten Anstrengungen gezogen, Bleistift freigelegt, oder besser: extrahiert! Das Bild als Zeugnis meines Triumphes:

Bleistift-Befreiung

Dieses Triumphgefühl war unbeschreiblich, wie sich mancher vorstellen kann. Nach Monaten ist er nun wieder da. So ein Bleistift ist ja nicht nur ein Bleistift, sondern gleichzeitig Symbol für gefühlt unendlich viele Eintragungen in tausende Noten. Wahnsinn. Was der Welt womöglich abhanden gekommen wäre, hätte der Ärmste weiter da drinnen geschmort – was zum Glück aber abgewendet ward.

Ihr seht: Es bringt einen an die Grenzen. Aber es lohnt sich… :)

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Marcus Marcus, Musik

Pec aktuell: Der Mittwoch

26. Januar 2011

Hallo, liebe Daheimgebliebenen,

die allerbeste Nachricht vom gestrigen Abend vorneweg: Die Prohibition ist wieder aufgehoben. :D

Ansonsten gibt es erstaunlich wenig neues zu berichten, das Wetter ist unvermindert trüb, dafür verhältnisweise warm (so knapp über -4°/ also nicht viel kälter als in Berlin, wie ich höre… :p ). Der Sonnenschein soll erst wiederkommen, wenn wir wieder weg sind. Schade eigentlich.

Die Speisekarte ist auch recht unverändert, seit Tagen reißen Tobi und ich schlechte Witze über das Gewürz Kümmel in verschiedensten Variationen oder sehr qualitätvolle tschechische “Analog-…”-Produkte.

Probenmäßig nicht allzu viel Neues, nur zu gern hätte ich euch hier schon ein neues Video gezeigt, da das aber für alle Freunde  noch nicht zum Sehen bestimmt ist, müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. Kommt aber noch. ;)

In diesem Sinne hoffe ich jetzt einfach mal, dass uns heute wieder ein etwas noch entspannterer Abend bevorsteht.

Grüße in die Heimat.

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Peter Kuscher Peet

Vor allem Eins: Weiß.

25. Januar 2011

Während wir im letzten Jahr ja vorwiegend Kaiserwetter hatten, ist das Wetter in diesen Tagen mit mau eher euphemistisch umschrieben. Seht selbst:

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Peter Kuscher Peet

Wie ein Chor ohne Sänger – Pec trocken.

25. Januar 2011

Hallo, liebe Daheimgebliebenen,

die Pec-Gemeinde in der Chata Seibertová ist auch in diesem Jahr wieder zusammengetreten – wenn auch der Verlust des „Jahrgang“s unübersehbar ist.

Neben den Jahrgängern sind auch Arngang und Herr Friedrich in diesem Jahr nicht dabei, so dass der im letzten Jahr so legendär gewordene „Arngang“ einfach wieder „oben“ ist und auch sonst nur wenig vom Geist der letztjährigen Fahrt zu spüren ist.

Um euch nicht lange auf die Folter zu spannen:

Ja, es stimmt, das unfassbare ist eingetreten, gestern Abend herrschte zum ersten Mal in der neunzehnjährigen Geschichte der Pec-Fahrten zum Ersten Mal die Prohibition – ein absolutes Alkoholverbot für ALLE. Und ich rede nicht von den üblichen Ansprachen von Herrn Römer über Bruder Alkohol. Ich rede hier von der klaren Drohung, mit einer gewissen Person nach Hause geschickt zu werden, falls man dagegen verstößt. So blieben gestern auf der Konzuma?ní Lístek (zumindest die hält sich als Konstante) die Kategorien „Pivo“ und „Víno“ ohne Strich, da auch Frau Seibertová die Anweisung hatte, keinen Alkohol auszuschenken. Außerdem hat sich die „Kollektivstrafe 23 Uhr“ inklusive der Konsequenz, dass unserem heutigen Geburtstagskind erst am nächsten Morgen gratuliert werden durfte ja eh schon nach Berlin herumgesprochen.

Dazu möchte ich mich auch gar nicht weiter äußern, ich denke, Entscheidungsneurose trifft es ganz gut und alles andere kann man sich denken.

Nun gut. Nachdem also gestern die Abendprobe abgesetzt war, ging es heute wieder normal ans Proben und – soweit das überschaubar ist – auch wieder mit akzeptablen Ergebnissen. Wenngleich ich mir natürlich nicht verkneifen kann, meinen Stolz darüber zu zeigen, dass die Männer mittlerweile schon kürze Probenzeiten haben… Warum wohl nur!? Hehe. ;)

Hoffen wir also, dass dieser Trubel der Einzige bleibt und auch künftig wieder Pec-Fahrten stattfinden können (dann vielleicht auch mal wieder „peciger“).

Ich werde euch ein wenig auf dem Laufenden halten.

Grüße in die Heimat

Peter

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Peter Kuscher Peet

Wenn das Publikum im Konzert einschläft, …

7. Oktober 2010

… muss das nicht die Schuld des Publikums sein. Auch nicht die des Komponisten.

Oft sind nämlich die Interpreten schuld! :)

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Marcus Marcus, Musik

Waghalsig

8. September 2010

Was für eine Aktion, die ich gestern beobachten durfte…:


Größere Kartenansicht

An dieser Kreuzung stand ich nun und wartete heiß sehnend auf grüne Leuchtsignale im oberen Teil meiner Windschutzscheibe. Kurz zuvor noch hatte ich das Teil innerlich verflucht, da es in unglaublich dreister Art und Weise von gelb auf rot sprang, als ich noch gefühlt 2,5 Meter zur Haltelinie hatte. Nun ja, Objektivität im Straßenverkehr ist überbewertet; vielleicht waren es auch 5 oder 10. Jedenfalls entschied ich, mich vorbildlich zu verhalten, denn ein Blick 45° nach links vergewisserte mir, was ich bereits aus dem Augenwinkel wahrgenommen zu haben glaubte: Polizei!

Doch wäre all das ja nicht so dramatisch, stünde da nicht direkt vor der Polizei ein Kleinbus mit ausländischem Kennzeichen als erster an der Ampel, darin scheinbar ein paar Chinesen (Nationalitätseinschätzungen ohne Gewähr), die es besonders eilig hatten. Röter ging es ja quasi nicht, offenbar aber entschied der Fahrer, den Rechtsabbiegevorgang verfrüht anzusetzen, alle anderen Autos stehen ja, da kann man schon mal losfahren.

Noch während er anfuhr, sah ich die vier Polizeibeamten im vollbesetzten Streifenwagen hinter ihm wild gestikulieren, der Fahrer des Streifenwagens starrte völlig fassungslos nach vorne und drückte ordentlich die Hupe, und zwar so, als glaubte er, viel helfe auch viel. Einen Augenblick später hatte der Kollege die Sprechanlage am Wickel und es schallte über den Platz ein deutliches “Es ist rot!!“.

Die Chinesen völlig fassungslos. Man gestikuliert nun ebenfalls wild, die hinten sitzenden neigen sich nach vorne und reden auf den Fahrer ein, der sowieso schon halb unter Schock steht, trotzdem aber mit seinem Fuß die Bremse findet. Nun steht der Kleinbus schräg auf dem Straßenstück zwischen den Fußgängerampeln. Ob er weiß, was er falsch gemacht hat? Die Ampel kann er nun auch nicht mehr sehen, so weit ist er schon vorgefahren.

Bis ich die Ampel überquert habe, ist er keinen Zentimeter zurückgefahren… allerdings hat auch keiner der Polizeibeamten Anstalten gemacht, auszusteigen, ihn zu befragen, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, dafür, dass er völlig unverfroren, höchstvermutlich angesichts der erwarteten Zeitersparnis, entschieden hat, gewisse Verkehrsregeln zu ignorieren.

Da gäbe es also für den Otto-Normal-Autofahrer zwei verschiedene mögliche Schlussfolgerungen:

1. Der allgemeine Fachkräftemangel zieht sich bis in chinesische Dolmetscher-Kreise. Bestellte man jetzt noch einen Dolmetscher, hätte man den erst noch aus Frankfurt a.M. einfliegen müssen und das hätte garantiert den Feierabend nach hinten verschoben. Also Kinder, lernt Chinesisch! :)

oder…

2. Jeder hat ne zweite Chance. Besonders, wenn man ein Auto mit ausländischem Kennzeichen fährt. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. :)

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Marcus Marcus

Mein Fahrrad-Tagebuch…

17. August 2010

“Wer sein Rad liebt, der schiebt…”

Die Bedeutung dieses Satzes wurde mir in den letzten Tagen mehr als nur gewahr, mehr sogar, als mir lieb ist…

Um kurz einzuleiten: Nach jahrelanger erfolgreicher Fußgängerschaft  (Ein Schelm, der sich jetzt “Fußgang, pass’ auf!” zusammenreimt… ;) ) bin ich nun – nicht zuletzt aus Zeit- und Kostengründen doch unter die Radfahrer gewechselt. Wenngleich ich einen schönen morgendlichen Spaziergang so über 10 km oder so nicht ausschlagen würde… :)

Nun also musste der passende Drahtesel gefunden werden und ich ward auch relativ fündig. Hier meine Erlebnisse:

Mittwoch:

11:00 Uhr – Suche ein Fahrrad

14:00 Uhr – Habe mich in ein entsprechendes Gerät verguckt. Werde spontan zur Probefahrt aufgefordert. Komme überhaupt nicht drauf klar, schließlich habe ich seit 5 Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen. Überlebe zu meinem großen Erstaunen unverletzt. Kaufe das Gerät aus purer Dankbarkeit.

14:05 Uhr – Kaufvertrag unterschrieben. Habe in weiser Voraussicht das Rad komplett versichern lassen, auch gegen Schäden, die aus meiner Unfähigkeit resultieren… :D

Donnerstag:

03:20 Uhr – Die Luft ist rein. Die Straßen sind leer. Bereit für das Harakiri-Manöver. Wenn nicht jetzt, wann dann? Schließlich kann ich so höchstens mir Schaden zufügen und gefährde nicht die Allgemeinheit…

03:25 Uhr – Muss das erste Mal die Spur wechseln. Ramme beinahe einen Poller mit Vollkaracho. Mit dem Schrecken davon gekommen. Ab dort auffällig problemlos…

Samstag:

18:00 Uhr – Treffe weitere Vorkehrungen zum Erhalt von Leib und Leben. Besorge mir im Tausche gegen einiges Scheingeld beim Fachverkauf in weiser Voraussicht einen adäquaten Kopfschutz.

Montag:

03:34 Uhr – Erste große Runde durch die bekannten Kieze gedreht. Tolles Gefühl. Dabei einmal ritualsgleich die RLO umrundet. An Flüche kann ich mich spontan nicht erinnern…

03:38 Uhr – Wollte schon zuhause sein. In meinem Rausch will ich aber noch einmal durch den Schlosspark. Bin gerade in voller Fahrt, da knallt es. Bremse sicherheitshalber.

03:39 Uhr – Wäre nicht nötig gewesen. Wäre eh nicht mehr weit gekommen. Kette gerissen. Schöne Schleifspur hinterlassen. Erstaunlich, dass das glimpflich abging. Das Rad wird von nun an in Richtung Wedding geschoben…

03:58 Uhr – Finde, dass es unsäglich lange dauert. Denke an Kindertage. Kombiniere genial. Stelle einen Fuß auf ein Pedal und stoße mich mit dem anderen vom Boden ab. Bin begeistert, dass das Prinzip “Rollerfahren” immer noch funktioniert. Fühle mich 15 Jahre jünger.

16:32 Uhr – Rad zur Reperatur gegeben. Jetzt wieder zurückbekommen. Die Kette sei ab Werk an den Endstücken nicht richtig geschlossen worden. Halleluja, Brüder und Schwestern, wollt ihr mich umbringen?!

23:59 Uhr – Wäre gar nicht nötig, bringe mich fast selber um. Komme auf der Baustellenbrücke am Bürgerpark (B96) in die nasse Straßenbahnschiene. Sehe mich schon binnen Millisekunden über die Betonwand in die Panke fliegen. Ein Teil meines vegetativen Nervensystems, der bei mir bis heute nicht vorstellig wurde, reißt meine Beine hoch und gewinnt den Kampf mit Rad und Schiene um das Gleichgewicht. Kann mich fangen. Schramme sogar um wenige Millimeter an der Betonwand vorbei. Biege vor Schreck erstmal rechts ab…

Dienstag

04:02 Uhr – Bin nochmals los, um Sicherheit zu gewinnen. Einmal durch den Mauerpark zum Alex und zurück. Jetzt noch ein wenig durch Pankow trallern. Läuft verdächtig gut.

04:03 Uhr – Verdacht bestätigt. Das Rad fängt plötzlich an zu vibrieren. Selbst der Laie merkt nach wenigen innerhirnlichen Schaltprozessen: “Da is e Rad platt!”. Steige entnervt vom Rad. Schiebe abermals vom Schlosspark nach Hause.

05:02 Uhr – Schadensbegutachtung. Soweit noch alles dran. Schleife das schmutzige Hinterrad in die Duschtasse, setze mich auf den Klodeckel nebenan.  Entferne das Profil und versuche den Schlauch aufzupumpen. Finde nach nicht einmal 10 Sekunden den Schaden. Bin angefressen, aber erleichtert, dass  es “nur” ein Loch im Schlauch ist. Beschließe, ein paar Stunden drüber zu schlafen…

13:34 Uhr  - Habe mich mit 2 Reifenflicksets ausgestattet. Man weiß ja nie… So kann mein Schlauch dann wenigstens aussehen, als habe er den Bürgerkrieg noch persönlich erlebt und wird trotzdem halten… Habe den ersten Flicken gesetzt. Wähne mich fast am Ziel.

13:35 Uhr – Wobei es nur ein Wahn war. Stelle beim Aufpumpen entgeistert fest, dass nicht nur ein Loch an der Innen- sondern auch an der Außenseite ist. Reiße den Flicken entnervt runter und montiere zwei neue. Das sollte halten.

13:42 Uhr – Nach dem Aufpumpen sieht der Schlauch aus, als würde er an der geflickten Stelle abgeschnürt. Ist aber faktisch nur die Unelastizität der Flicken. Beruhigt mich insofern, als dass an der Stelle in nächster Zeit wohl nichts mehr passieren wird…

13:43 Uhr – Kämpfe mit der Wiedermontage des Rades. Reifen und Felge, kein Problem, aber Kette und Bremse riesiges Problem. Sehe aus wie Sau.

13:45 Uhr – Mir ist soeben zum zweiten Mal das Rad aus der Halterung gefallen… Dummerweise auf meine Hand. Ärgere mich tierisch. Registriere bei abschwellender Wut, dass dabei immerhin die Kette eingerastet  ist…

13:50 Uhr – Gezeichnet von Öl, Schweiß und Tränen stelle ich fest, dass das Gebilde, was sich vor mir vom Teppich aus emporhebt verdächtig nach dem aussieht, was ich aus ihm zu machen trachtete. Teste mit einigen Pedalenumrundungen die Gangschaltung. Funktioniert problemlos. Sogar die Bremsen funktionieren noch…

Bleibt nur zu hoffen, dass von jetzt an alles hält…

Fortsetzung folgt

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Peter Kuscher Peet

Was macht Anton eigentlich?!

14. August 2010

Wenn ihr euch in letzter Zeit immer gewundert habt, warum nur noch ich und Marcus schreiben, kommt hier die Antwort:

Der jute Anton ist fahnenflüchtig und wir haben ihn – wenig überraschend – gefunden. Auf antonschubert.de bloggt der Schuft einfach weiter und sorgt dafür, dass das “A” in “AM BLOGen” im Moment ein sehr passives ist. Mal gucken, ob wir ihn eingefangen kriegen.

Weiter

Da lungert der Kerl also rum...

Ansonsten wird das hier ‘ne genossenschaftlich-brüderliche Blog-Kooperative. ;) – Wenn ihr wissen wollt, was der gute Anton im Moment so treibt, klickt ihr vielleicht einfach mal auf den Screenshot.

In dem Sinne, gut blog und immer ein stückweit Text unter der Wasserkante… :p

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Peter Kuscher Anton, Peet

Bundespräsident – mehr als nur ein Kostenposten?

5. August 2010

Ich bin Joshi noch einen Artikel schuldig… Hinweis dazu: Den habe ich am Tag 1 nach Köhlers Rücktritt begonnen zu verfassen und einige Monate später fertig gestellt, also nicht wundern. (Dementsprechend war natürlich auch die Vorrede für die Katz, ich zitiere sie dennoch in Auszuügen kurz… ;) )

…Allerdings scheint die mediale Welt das Thema ziemlich bald zu den Akten legen zu wollen, sieht man sich die Hautpseiten von Nachrichtenportalen oder die Gestaltung von Fernsehprogrammen  an – der mediale Richterspruch kam schnell und einhellig, “Horst ist ein Idiot”, lange ließ er sich (man lese sich nur viele Leserbriefe oder die Mehrzahl an Kommentaren auf Nachrichtenseiten durch) nicht halten, kurz (zum Beispiel auf heute.de) warf man noch die Frage auf, ob man denn nun selbst Schuld trage, um sie alsbald wieder zu verwerfen.  Die Botschaft ist klar, dass Thema ist gelaufen, Routine kehrt ein, jetzt beschäftigen wir uns mit der Nachfolgekandidatur, denn das läuft immerhin nach einem Prozedere ab, das wir gewohnt sind. So recht anfangen kann keiner etwas damit, also schweigt man sich lieber aus. Reflexion wäre zu mühsam.

Doch tatsächlich hat Joshi eindrucksvoll dargelegt, welche Problemkreise eigentlich betroffen sind.

Letztlich stellt sich die Frage, ob wir überhaupt noch zurecht kommen mit dem, was uns das Grundgesetz da vorsetzt. Und ausgerechnet Horst Köhler selbst hat erst kurz vor seinem Rücktritt öffentlich festgestellt, was Joshi ebenfalls konstatiert.

Allerdings stellt sich die Frage, ob wir die nunmehr bestehende Ordnung kritiklos hinnehmen sollten.

Wohl wahr, ein Land, das kein wirkliches Nationalgefühl kennt, kann kein Staatsoberhaupt kennen. Es ist historisch zutiefst verankert, kein Stolz und kein Gefühl der Folgsamkeit zu entwickeln, vielleicht auch, um Scham – über die Vergangenheit wie in der Zukunft – zu verhindern.

Aber tun wir uns wirklich einen Gefallen, wenn wir es hinnehmen, dass die Kanzlerin immer mächtiger wird und die Berliner Politik eine amour fou mit der femme fatale Karlsruhe führt?! Wollen wir uns darauf verlassen, dass dieses System, ein mehr oder weniger unfähiges Kabinett, eine über allem schwebende (sehr passend der Kommentar, man könne wohl nur ihr natürliches Ende abwarten) Kanzlerin und ein Verfassungsgericht, das bewusst das (im Verhältnis) mächtigste der Welt ist, aber deshalb nicht übermächtig werden sollte, es schon richten werden? Es gehört zu den Balancen unseres Staates, dass das Staatsoberhaupt kein unmittelbar involvierter Teilnehmer der gestaltenden Politik ist, nebenbei ist er auch nicht Teil der Exekutive, ihm sind dennoch alle Aufgaben der Art völkerrechtlicher Repräsentanz, Ernennen und Erlassen sowie Verkünden zugeordnet. Ein Blick in das Grundgesetz, genauer gesagt in den Verteidigungsfall – der sich immer gut eignet, um das gedachte “Gerüst” der bundesrepublikanischen Ordnung aufzuzeigen – macht die Rollen deutlich: Die Regierung beantragt beim Bundestag die Feststellung des Verteidigungsfalles, der Bundestag beschließt ihn, der Bundespräsident ist letztlich nur dafür verantwortlich, der Verteidigungsfall protokollarisch zu verkünden. Oberbefehlshaber wird der Bundeskanzler, nicht der Präsident. Von nun an wirkt der Bundespräsident erst wieder, wenn das Grundgesetz auch bei einem möglichen Friedensschluss noch Geltung hat, als derjenige, der den Verteidigungsfall für beendet erklärt.

Der Clou: Wenn’s sein muss, geht’s auch ohne Bundespräsident… – Und das ist – zwei Monate später – ein Eindruck, den man nicht ganz loswerden kann, der die Gesamtlage sicherlich gut beschreibt. Denn es ist nicht ausgemacht, ob der nun installierte Winkonkel Wulff sich tatsächlich aufraffen kann, zumindest die symbolische Funktion noch wahrzunehmen oder auszufüllen.

Eher denn wird auch diese Amtszeit eine blasse bleiben, die ausgedehnte Längen bei Empfängen und Ansprachen hat, aber eben doch nie schafft, gestrafft und prägnant einen Impuls zu setzen – eben mehr zu sein, als ein Theaterdonner.

Und dann werden wir in einigen Jahren wieder dastehen und uns fragen, was wir denn machen mit dem Amt. Beibehalten? Abschaffen? Verändern? Das Volk einbeziehen?!

Und wie immer werden wir hierauf keine Antwort finden und eh wir uns versehen hat die Bundesversammlung schon getagt und wieder wird wenig fortschrittliches passiert sein. Dabei müssten eigentlich gerade von einer politisch eher passiven, sagen wir am Spielfeldrand stehenden Figur wie dem Bundespräsidenten entscheidende, weil einigermaßen neutrale Impulse zur Umgestaltung unserer politischen Landschaft ausgehen. Wenn er nicht Mahner sein kann und nicht Macher sein darf, so sollte er zumindest Möglichkeiten aufzeigen. Diskussionen losstoßen, die die Tagespolitik nicht lostreten kann, weil sie sich damit sonst ihr Geschäft verdürbe. Um Einbußen fürchten müsste. Das alles muss man hinter den Toren von Bellevue nicht. Und dennoch braucht es Mut. Mut, Themen wie mehr Volksbeteiligung, den Schutz der Freiheitsrechte, Integration oder Umgestaltungen der politischen Landschaft im Zuge der Globalisierung anzusprechen und vor allem notfalls auch Konzepte und konkrete Lösungen vorzuschlagen. Nur so kann der Bundespräsidentenposten sinnvoll aus der Kartographie des Grundgesetzes heraus ausgefüllt werden. Diesen Mut muss der Bundespräsident Christian Wulff nun aufbringen.

Ansonsten ist er – mit dem Kabarettisten Frank-Markus Barwasser gesprochen – in der Tat nur ein Kostenposten.

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Peter Kuscher Peet

Ein heißes Thema…

22. Juli 2010

…an einem Tag, der womöglich der letzte warme in unseren Berliner Gefilden sein wird?

Nun, es geht mir – und an dieser Stelle ein herzliches Willkommen auf AM BLOGGEN, seit langem rumoren die Browser-Artikel-Druckmaschinen mal wieder ;-) – heute nicht in erster Linie um das Wetter, sondern um dessen Grenzwertigkeiten.

Wie der geneigte Leser bestimmt nicht verhindern konnte zu erfahren, fielen in den vergangenen Wochen in gewissen Fernzügen der allseits so geliebten Deutschen Bahn gewisse Anlagen aus, die ursprünglich dazu konstruiert waren, Extremwerte in Sachen Lufttemperatur zu verhindern: Die Klimaanlagen in ICEs. Mittlerweile ist auch geklärt, dass die Standards, nach denen diese Geräte entwickelt wurden, lediglich verlangten, bis 32°C hitzetauglich zu sein. Überdies munkelt man in der elektronischen Bauteilbranche, dass Bauteile, die bis 60°C ausgelegt sind, um ein Vielfaches teurer sind; ein solcher ICE wäre womöglich nicht bezahlbar, nun braucht man die Züge aber, also baut man erstmal das billigste. Man macht ja nach Vorschrift alles richtig, es wird schon nix passieren… Warum auch sollte so eine Klimaanlage das aushalten, wozu sie (vom ideellen Konzept her) gemacht ist, es zu verhindern? Fragen über Fragen…

Und eben da es so viel kosten würde, diese Teile auszutauschen, präsentiere ich im Folgenden die einzig wahre und brilliante Lösung:

Fahrt einfach offen!

ICE offen

Ich selbst fahre noch ein Auto aus dem letzten Jahrtausend (das klingt gut museal, oder?) – einen Toyota mit drei Vorteilen:
1. Er hat eine Bremse (und das ist bei Toyota in den letzten Monaten nicht selbstverständlich)!
2. Er hält die Hitze aus, jedenfalls scheint es so, denn noch ist er mir bei 37°C nicht weggeschmolzen.
3. Er hat keine Klimaanlage, dafür aber ein Dachfenster.

Der dritte Punkt mag nicht jedem ad hoc als Vorteil einleuchten, doch ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass das Fahr- und Reisegefühl viel unmittelbarer wird, wenn man auch die Lüftung ausschaltet und vor der Reise einfach sämtliche Fenster hinunterkurbelt. Der gemeine Cabrio-Fahrer (eine Art, die ich auch in dieser Saison zur Genüge in freier Wildbahn beobachten konnte, ich denke, der geneigten Leserschaft geht es ganz ähnlich) ist hier leuchtendes Vorbild. Wenigstens einmal.

Im Prinzip könnte man sich vor Beginn des Sommers auch das Dach abnehmen lassen, aber das wär’ vielleicht doch zu teuer, so jedes Jahr rauf-runter…

Nun, wie wäre das – im ICE einfach die Fenster herauszunehmen? Das bisschen Regen auf mancher Fahrt kann doch nicht so schlimm sein – im Gegenteil, da erlebt man manchmal was! Was wäre denn so eine Zugreise Berlin-München (auf der man sonst ja eh einschläft, sobald der Laptop-Akku runter ist, und manche ICEs besitzen ja die unverfrorene Frechheit, keine Steckdosen unter den Sitzen der 2. Klasse zu haben, das könnt’ man ja glatt persönlich nehmen) ohne Wind und Wetter live, ohne Fahrtunterbrechung wegen Hagelschäden? Also ich fänd’, das wär’ doch mal was anderes.

Folgendes Fazit also: Spart das Geld für die Klimaanlagen, nehmt die raus, verschrottet sie und baut aus dem Schrottgeld lieber Steckdosen in die 2. Klasse. Falls doch noch jemand umfällt – und da frage ich mich, warum man auch in den akuten Fällen der letzten Wochen nicht darauf kam – geht mit Wassereimern umher und lasst die Leute trinken, denn die Logik sagt mir, wenn jemand dehydriert, dann gib ihm halt Wasser. Wenn sie nicht mehr trinken können, weil sie schon völlig fertig im Sitz hängen, einfach drüber kippen.

Ich wünsche einen angenehmen Sommer mit erfrischenden Bahnfahrten in den zweitklassigen ICEs – oh, Verzeihung – in den ICEs der zweiten Klasse, oder besser in der zweiten Klasse der ICEs (jetzt hammer’s!) und einen wunderschönen Urlaub!

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Marcus Marcus, Technik

So werden wir doch noch einen Titel holen!

8. Juli 2010

Raab Bundestrainer_mod

…okay. ‘Ne Idee war’s wert…

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Peter Kuscher Peet

Vorbei.

5. Juli 2010

Nun ist es vollbracht, der letzte Fuß symbolisch aus der Schwelle gesetzt, die mir 14 Jahre ein Stück weit Heim war. Anlass genug also, um einige törichte Gedanken hervorzubringen.

:

“alles im lot!”

sagst du und grinst mich an.

“aber ich bin in not!”

sag’ ich und du fragst: “woran?”

:

ich kann dir dies grad

nicht einfach so schildern

die reue folgt der tat

und ach so aussagekräftigen bildern.

:

komisch die zeit,

da wir wehmut im überfluss haben

sind wir doch nicht so weit

unseren überdruss an demut zu laben.

______________________________

pergament ist sehr geduldig

fast so geduldig wie die zeit

beiden wird gottgleich gehuldigt

auch wenn am ende

nichts mehr bleibt.

:

und wohlbekannt ist uns die wirkung

ist nachzulessen alle konsistenz

doch ewigkeit  ist blanker irrtum

wie das “wissen” um des universums herzfrequenz.

:

magst du, mensch, dich zeigen,

dich monstrieren voll gewalt

alleine zeit will anderes beleiben

macht uns wesen  alt und kalt.

:

und eh ich noch in feuchtem flügelschlage

meine füße in die welt gesetzt

bin ich wie die hilflose wespe in ihrer wabe

schon das erste mal durch pein benetzt.

________________________

wenn zum tage hingewandt

unsereins die zeiten frisst

wenn hochgejazzt und abgedankt

ein jeder jeden bald vergisst

:

wenn das tal uns längst durchschritten,

wenn das leben uns zu lieben scheint,

hat’s gerade nur ein anderer durchlitten,

ist’s nur ein fremdes auge, das so heftig weint.

:

wenn der morgen uns geboren,

uns die welt zu füßen liegt -

ist die frucht der menschlichkeit vergoren

hat der mensch die menschlichkeit besiegt.

____________________________

wer sich noch retten will, der fliehe jetzt,

der breche aus und komme frei,

der wehre sich an ort und stelle gegen zeitgeschwätz

und die verflixte ruhmanbeterei.

:

wer lieben kann, der starte auf der stelle

und errichte mit aller kraft und macht

einen damm aus herzlichkeit vor der nidertrachtswelle

die aus menschen willfährige bestien macht.

:

wer noch ein ideal sein eigen nennt,

der halte es nun stolz in den wind;

verteidige es notfalls wie das letzte hemd

und zeige, dass menschen aufrechte wesen sind.

:

*kein anspruch an ordnung und ästhetik, keine gewähr, nicht gut.*

:

Zum Abschluss denn noch dieses kleine hier:

:

Es sind trübe Momente -

die Erinnerung verblasst;

sind letzte Spurenelemente

und Vergessenswut die rast.

:

Es sind ziellose Töne

die wie Nebelschwaden schwingen.

Es sind triste und sind schöne

Erinnerungen, die das Herz zum Klingen bringen.

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Peter Kuscher Peet

Surrealismus?!

20. Juni 2010

Fangentladung

Fangentladung

Surrealismus?! Von wegen! Diese genialen Erscheinungen sind so genannte ‘Fangentladungen’. Erinnert ihr euch an die Blitzmaschine im Physikunterricht?! Dann wird euch aufgefallen sein, dass man beide Pole braucht, damit es eine Entladung gibt, die wir als Blitz wahrnehmen.

So ist das nicht nur im Modell, sondern auch im ‘natürlichen’ Vorkommen. Von der Erde werden Ladungen dem Blitz “entgegengeschickt”, die sich dann mit den Entladungen von “oben” verbinden und den Blitzkanal bilden…

Alles Gute kommt von oben?! Keine Ahnung. Blitze auf jedenn Fall nicht. Und wenn man es gut genug einfängt, sieht es so atemberaubend und fremd aus.

Da sage noch einer, wir würden kennen, was uns umgibt…

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Peter Kuscher Peet

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